Alte Schätzchen

Schrauber-Serie: Mit der 40 Jahre alten Honda CX 500 C zum Kaffeekränzchen

Andreas Keidel aus Weiterode sitzt auf seiner 1981er Honda CX 500 C, die er in drei Monaten harter Arbeit zum Cafe Racer umgebaut hat.
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Drei Monate harte Arbeit haben sich gelohnt: Die 1981er Honda ist nach dem Komplettumbau zum Cafe Racer etwa 7000 Euro wert. Verkaufen will Andreas Keidel das Motorrad aber nicht – das hat er dem Vorbesitzer, einem sehr guten Freund, versprochen.

In unserer Serie stellen wir talentierte Schrauber aus Hersfeld-Rotenburg und ihre Oldtimer vor. Heute: Andreas Keidel aus Weiterode mit seiner umgebauten Honda CX 500 C.

Weiterode – Als sein guter Freund krank wurde und selbst nicht mehr fahren konnte, war für Andreas Keidel klar, dass dessen Honda CX 500 C in seinen Besitz wandern sollte. Keidel kaufte ihm das Motorrad kurzerhand für einen Freundschaftspreis ab und begann kurz darauf, es zum Cafe Racer umzubauen.

Das war im Frühjahr 2019. Von da an hat der 55-Jährige jede freie Minute an dem Chopper geschraubt – oft sogar noch nach seiner Arbeit als Baumaschinenführer bis spät in die Nacht. Durch seinen Beruf hat Keidel schon etwas Ahnung von Technik, alles wisse er laut eigener Aussage aber nicht. Die Hilfe von seinem Freund Rolf Hebig, der in der Motorrad-Zentrale in Bad Hersfeld arbeitet und somit Ahnung von Zweirädern hat, kam ihm da sehr gelegen. Auch sein Sohn Sebastian Keidel hat tatkräftig mitgeholfen und sich um die Elektrik und Schweißarbeiten gekümmert.

Daher kommt der Name „Cafe Racer“

Als Cafe Racer werden sportlich umgebaute Serienmotorräder, sogenannte Custombikes, bezeichnet, die aufs Wesentliche reduziert worden sind. Der Trend stammt aus dem England der 1960er-Jahre. Der Name hat sich aus den Treffen der Rocker in den Cafés der englischen Vororte entwickelt, die dann mit ihren Motorrädern von da aus ausgeschwärmt seien und die Gegend unsicher gemacht haben sollen. 

Das 40 Jahre alte Schätzchen wurde komplett in seine Einzelteile zerlegt. Bevor der Wiederaufbau aber beginnen konnte, musste erst einmal jede Schraube sauber gemacht werden, wie Keidel erklärt. Dann hat das Schrauber-Team für die bessere Optik das Heck abgeschnitten und die gesamte Elektrik samt Batterie unter die Sitzbank verlegt, damit ein cleaner Look entsteht. Jetzt kann man durch das Motorrad hindurchgucken.

Neben den vielen erhaltenen Originalteilen, hat das Motorrad auch zahlreiche Neuteile bekommen: Eine neue Sitzbank, weil die alte durch das abgeschnittene Heck nicht mehr passte, sowie viele Kleinteile, wie Bremsen und Blinker. Auch eine neue Auspuffanlage und einen Sportluftfilter haben die Schrauber verbaut. Glücklicherweise ist der Markt für Ersatzteile durch den aktuellen Trend-Status der Cafe Racer groß, und so konnte Keidel die Teile ohne Probleme im Internet bestellen.

Schrauber-Serie: Die Honda CX 500 C in Bildern

Andreas Keidel aus Weiterode hat seine 1981er Honda - Spitzname Güllepumpe - zum Cafe Racer umgebaut.
Andreas Keidel aus Weiterode hat seine 1981er Honda - Spitzname Güllepumpe - zum Cafe Racer umgebaut.
Andreas Keidel aus Weiterode hat seine 1981er Honda - Spitzname Güllepumpe - zum Cafe Racer umgebaut.
Andreas Keidel aus Weiterode hat seine 1981er Honda - Spitzname Güllepumpe - zum Cafe Racer umgebaut.
Schrauber-Serie: Die Honda CX 500 C in Bildern

An dem Motor wurde nichts verändert – der ist mit seinen 23 900 gefahrenen Kilometern noch top in Schuss, und das nach ganzen 40 Jahren. „Das fahren manche in zwei Jahren“, sagt Andreas Keidel. „Güllepumpe“ wird die Maschine in Fachkreisen liebevoll genannt. Der Spitzname stammt aus einem der bekannten Werner-Filme, wo der Titelheld den Kühlkreislauf der CX 500 zum Pumpen von Flüssigmist benutzt.

Keidel hingegen holt sein Schätzchen nur bei schönem Wetter aus der Garage. „Es gibt nichts Schöneres, als Sonntagnachmittag bei Sonnenschein durch die Rhön zu fahren“, sagt er. Die Motorrad-Leidenschaft liegt in der Familie. Auch Keidels Frau Susanne, die er liebevoll Chefin nennt, teilt die Begeisterung und fährt entweder selbst oder hinten drauf mit.

  • Die Honda CX 500 C in Zahlen
  • Geschwindigkeit (km/h): 170
  • Hubraum (ccm): 500
  • PS/KW: 50/36
  • Leergewicht (kg): 170
  • Baujahr: 1981
  • Originalpreis: 6500 DM
  • Schätzwert: ca. 7000 Euro

Neben der Honda besitzt die Familie noch drei weitere Motorräder. Davon sind zwei fahrbereit und ein weiteres altes Schätzchen wartet noch darauf, restauriert zu werden. „Das kann sich mein Sohn dann zurechtmachen, wenn ich mal nicht mehr bin“, sagt der 55-Jährige.

Auch der Cafe Racer soll irgendwann in den Besitz des 34-jährigen Sebastian Keidel übergehen. Da viel Zeit und Arbeit in dem Oldtimer stecken, hat das Motorrad einen ganz besonderen Stellenwert für Andreas Keidel. Zwar bieten auch diverse Werkstätten einen solchen Umbau an, das ist aber laut Keidel richtig teuer und außerdem war es für den 55-Jährigen eine Herzensangelegenheit, den Umbau selbst zu machen.

Nicht mehr wiederzuerkennen: Andreas Keidel hat seinen Honda-Chopper zum Cafe Racer umgebaut. Kaum zu glauben, dass das Motorrad schon 40 Jahre auf dem Buckel hat.

In ihrem Stil sind alle Cafe Racer ähnlich, dennoch hat jeder seinen individuellen und einzigartigen Charme. „Jeder baut ihn sich, wie er ihn haben möchte“, sagt Keidel. „Und wie es der Tüv zulässt“, ergänzt er lachend. Mit der 40 Jahre alten Honda hat er sich einen Traum erfüllt. Seit seinem 16. Lebensjahr ist er auf zwei Rädern unterwegs: Angefangen beim Mofa, über ein kleines Motorrad mit 80 Kubik, bis zu seinem Traummotorrad, der 1981er Honda. (Lea-Sophie Mollus)

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