Zirkus: Einbruch und entfernte Bremsanlage

Sabotage am Roncalli-Zug? Nach Vorfällen in Fulda auch Verspätung in Bebra

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Der Blick aus Blankenheim: Der 700 Meter lange Sonderzug des Zirkus Roncalli auf seinem Weg nach Osnabrück. Nach einer unfreiwilligen Übernachtung am Bahnhof in Fulda passierte der Tross am Donnerstag Bebra. 

Fulda/Bebra. Professionell entfernte Bremsanlagen und ein Einbruch: Der bekannte Sonderzug des Zirkus Roncalli musste am Mittwochabend ungewollt in Fulda übernachten. 

Der Zirkus spricht von Sabotage.

Unter Eisenbahnfreunden gilt Roncalli als letzter großer Zirkus, der auf der Schiene reist. Jetzt hat der 700 Meter lange Sonderzug auf seiner Weihnachtstour für Aufregung gesorgt: Auf der Fahrt quer durch Deutschland vom österreichischen Linz nach Osnabrück fährt der mit 1200 Tonnen Zirkusmaterial beladene Sonderzug auch über Fulda und Bebra. Ebenfalls auf den 50 Bahnloren: Die historischen Zirkuswagen des Roncalli-Theaters – der älteste aus dem Jahr 1880. Was beim mehrstündigen, planmäßigen Halt in Fulda passierte, stellen Zirkus und Bundespolizei jedoch unterschiedlich dar.

Historische Zirkuswagen: Der Sonderzug transportiert die teilweise über 100 Jahre alten Gefährte des Roncalli-Theaters. „Wir sind heilfroh, dass keine Person zu Schaden gekommen ist. Alle unsere historischen Circuswagen sind unversehrt“, so Roncalli-Direktor Bernhard Paul nach dem Zwischenfall in Fulda.

Zunächst habe es einen Einbruch in das Führerhaus des Sonderzugs gegeben. Laut Zirkusleitung habe der Lokführer dann am späten Mittwochabend bei einem Bremstest bemerkt, dass der Bremsdruck nicht richtig aufgebaut werden konnte. Da habe der Zug bereits mehrere Stunden gestanden. Bei der anschließenden Kontrolle stellte er fest, dass an zwei Bahnloren die Bremsanlagen komplett und professionell entfernt wurden. „Bei einer Weiterfahrt wäre der Roncalli-Sonderzug mit Sicherheit entgleist“, heißt es vom Zirkus. Die Bundespolizei habe daraufhin die Weiterfahrt gestoppt.

An dieser Stelle widerspricht die Bundespolizeidirektion in Kassel, wie mehrere Medien berichten. Die Beamten seien lediglich wegen des Einbruchs im Führerhaus vor Ort gewesen. Von defekten Bremsen sei nicht die Rede gewesen.

Erst am Donnerstagmorgen ging die Fahrt des Roncalli-Tross in Richtung Osnabrück weiter – mit zehnstündiger Verspätung. Die Aufregung um den Sonderzug kam zumindest Steven Kunz aus Weiterode entgegen: Ihm gelangen tolle Aufnahme des verspäteten Zugs bei der Durchfahrt in Bebra. (cig) 

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