Unverhofftes Treffen mit Elisabeth II.

Für Bebra, Bettenrennen und die Queen: Ehrenbürgerin Nortrud Hoffmeister im Porträt

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Ein Stück Großbritannien in Bebra: Nortrud und Hans-Jürgen Hoffmeister vor der englischen Telefonzelle aus der Partnerstadt Knaresborough, die als Mini-Bücherei vor dem Einkaufszentrum in der Bebraer Innenstadt steht.

Die Frau, die später die Partnerschaft zwischen Bebra und dem englischen Knaresborough prägt, findet die Briten zunächst gewöhnungsbedürftig. Das ändert sich - der Queen sei Dank. 

Nortrud Hoffmeister hat die Partnerschaft zwischen Bebra und dem englischen Knaresborough geprägt. Doch zunächst findet sie die Briten gewöhnungsbedürftig. „Die sind ja alle etwas steif“, denkt die jugendliche Hoffmeister, als sie bei einem Frankreich-Besuch eine englische Besuchergruppe in Versailles beobachtet.

Der erste Eindruck hält nicht stand: Einen Abstecher ins „faszinierende London", einige der berühmten englischen Bettenrennen und nicht zuletzt eine Begegnung mit der Queen später wird Hoffmeister 1988 Vorsitzende des Partnerschaftsvereins Bebra-Knaresborough. Am Donnerstag, 23. Januar, wird die 75-Jährige für ihren langjährigen ehrenamtlichen Einsatz beim Neujahrsempfang zur Ehrenbürgerin der Stadt Bebra ernannt.

Das „Schlüsselerlebnis“ ist das unverhoffte Treffen mit dem englischen Königshaus, sagen Nortrud Hoffmeister und ihr Mann. Das Ehepaar sitzt am Kaffeetisch, fünf dicke Fotoalben liegen bereit. Auf einer Vitrine in der Zimmerecke stehen Weihnachts- und Neujahrskarten, auch aus England. Hans-Jürgen Hoffmeister kramt eine Aufnahme aus dem Jahr 1977 heraus. Zu sehen ist eine Frau, die in rosa-rotem Kostüm entschlossen über eine Wiese stapft: Englands Königin Elisabeth II., die ihren Philip im Park von Schloss Windsor zu einem Pferdekutschen-Wettkampf begleitet.

Ganz anders als die üblichen Postkarten-Motive: der Hoffmeister'sche Schnappschuss von Englands Königin Elisabeth II. Das komplette Foto gibt es per Klick auf die Pfeile oben rechts.

„Eine schwarze Limousine ist vorgefahren, ein grauhaariger Chauffeur öffnete die Tür und heraus kamen als Erstes ein paar kurzbeinige Hunde und dann die Queen“, erinnert sich Nortrud Hoffmeister an den Tag, als die Königin von England plötzlich leibhaftig vor ihr steht. Für den Royal-Fan ist es ein Erlebnis – obwohl die Bebranerin damals Prinzessin Margaret besser findet. „Da wusste ich noch nichts von ihrem ausschweifenden Lebensstil.“

Dennoch dauert es knapp zehn Jahre, bis die reisefreudigen Hoffmeisters´ – „da sind wir nicht auf England festgelegt“ – in Großbritannien mehr werden als nur Touristen. 1985 startet die Bebranerin zum ersten Mal beim legendären Bed Race, der berühmtesten Erfindung Knaresboroughs. Hoffmeister wird Teamchefin der Bebraner, die sich in dieser Zeit ehrgeizig auf den Wettkampf vorbereiten. Bereits drei Monate vor Start wird jede Woche an der Reithalle unweit des Wasserturms trainiert. „Wir hatten dort eine Strecke ausgekundschaftet, die von der Steigung und Länge ähnlich war, wie die in Knaresborough.“

"Man suchte eine unparteiische Vorsitzende"

Ende der 80er-Jahre wird die Gründung eines Partnerschaftsvereins immer dringender, um die gegenseitigen Besuche der Städte und die Jubiläumsfeiern zu organisieren. Vorsitzende ab der ersten Stunde wird Nortrud Hoffmeister. „Jeder Besuch hat eine lange Vorlaufzeit“, sagt sie. Die Besucher müssen bei Gastfamilien untergebracht, das Programm aufgestellt und die Fahrt organisiert werden. „Wir steigen ja nicht einfach in einen Bus und los geht’s.“

Die Briten und ihr Bettenrennen: Einmal im Jahr wird in der englischen Kleinstadt Knaresborough um Bestzeiten auf einer rund 3,3 Kilometer lange Strecke durch Stadt und Fluss gewetteifert. Die dekorierten Gefährte werden Betten genannt. Auch Nortrud Hoffmeister (vorne rechts im gelben Shirt) ist 1987 mit viel Ehrgeiz dabei.

Hoffmeister hält den Austausch mit viel Einsatz am Laufen, während andere Städtepartnerschaften einschlafen. „Man hat mich ausgeguckt, weil eine unparteiische Vorsitzende gesucht wurde.“ Die Städtepartnerschaft wurde unter Bürgermeister August-Wilhelm Mende ins Leben gerufen und galt als SPD-Projekt, sagt die 75-Jährige. Hoffmeister hat kein Parteibuch, wird von der Anfrage aber überrascht: „Eine gewisse Scheu war da“, sagt sie. Bei Jubiläen vor einer vollen Großsporthalle zu sprechen sei schon etwas anderes, als vor einer Schulklasse zu stehen.

"Als Lehrerin war ich sehr streng"

In der Biberstadt ist Nortrud Hoffmeister nicht nur als Speerspitze der Städtepartnerschaft bekannt. Viele dürften sich noch an den Schwimmunterricht mit der Lehrerin im Rotenburger Hallenbad erinnern. Bis zur Jahrtausendwende unterrichtet Hoffmeister Nadelarbeit, Sport und Hauswirtschaft – zunächst in Weiterode, dann in der „Backsteinschule“ im heutigen Schulamt und am Bünberg. „In der Zeit haben sie alle bei mir gelernt“, sagt Hoffmeister. 

In den 90-ern unterricht sie auch Englisch. Wie hat sie sich selbst als Schülerin bei der Fremdsprache geschlagen? „Ich hatte immer ein „Gut“. Eine Eins gaben die Lehrer bei uns damals nicht“, sagt sie. Und wie haben ihre eigenen Schüler sie wohl in Erinnerung? „Oh, als Lehrerin war ich sehr streng, glaube ich“, sagt sie. „Das glaubst du nicht nur, das war so“, kommentiert ihr Mann.

Zur Person

Nortrud Hoffmeister (75) ist in Baden bei Wien geboren und in Ziegenhein (Schwalm-Eder-Kreis) aufgewachsen. Nach dem Realschulabschluss lernte sie als Verwaltungsangestellte im Ziegenheiner Landratsamt, bevor sie ab 1963 ein Studium zur musisch-technischen Fachlehrerin in Kassel absolvierte. 

Ab 1966 unterrichtete sie zunächst an der Volksschule Weiterode, drei Jahre später wechselte sie nach Bebra, wo sie mit Unterbrechungen bis 1999 Nadelarbeit, Sport, Hauswirtschaft und Englisch unterrichtete. Nortrud und Hans-Jürgen Hoffmeister feierten im vergangenen Jahr Goldene Hochzeit. Das Ehepaar hat eine Tochter und zwei Söhne.

Quelle: HNA

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