Die neue Heimat nachgebaut

Mousa Malki aus Syrien hat Bebra im Miniaturformat aus Pappe errichtet 

Detailgetreu: Mousa Malki inmitten des Modells, für das er die Häuser in Bebra maßstabsgetreu nachgebaut und bis ins Detail liebevoll gestaltet hat. Foto: Meyer

Bebra. Staunen und Entzücken löst sie bei den Betrachtern aus, die kleine Stadt aus Pappe, die vor kurzem plötzlich in der Eingangshalle des Bebraer Einkaufszentrums stand.

Der Mann, der ganze Straßenzüge Bebras detailgetreu nachgebaut hat, lebt erst seit einem knappen Jahr in der Stadt und ist Syrer: Mousa Malki.

Mousa Malki lebte in einer kleinen Ortschaft im Norden Syriens. In dem in Bürgerkrieg versunkenen Land fühlten er und seine Frau sich zunehmend unsicher, auch weil sie als Aramäer der christlichen Minderheit angehörten. Drei seiner Töchter verließen Syrien schon früher in Richtung Deutschland, eine lebt seit etwa zehn Jahren in Bebra. Vor über einem Jahr begaben Mousa Malki und seine Frau Ghaga sich auf die Flucht und gelangten ebenfalls nach Bebra.

Dankbarkeit zeigen

Dass der 53-Jährige still und zurückhaltend inmitten der inzwischen hinter den Schaufenstern eines leerestehenden Geschäfts aufgebauten Modellstadt steht, ist nicht nur der Tatsache geschuldet, dass er sich auf Deutsch noch nicht gut ausdrücken kann. Es entspricht auch seinem Wesen. In Syrien war er Schweißer und hat, wie seine Tochter Madlin, übersetzt, Vögel gezüchtet. Die Volieren hat er selbst gebaut.

Wie in echt: Die Nürnberger Straße in Bebra ist in Mousa Malkis Modell sofort zu erkennen.

Wie kam er dazu, die Häuser Bebras nachzubauen? Er habe eine Beschäftigung gesucht, und: Er wollte seine Dankbarkeit dafür zum Ausduck bringen, dass er und seine Frau hier in Bebra Schutz und ein Zuhause gefunden haben.

Mousa Malki steigt vorsichtig über das Einkaufszentrum und den Park am Anger hinweg und geht zur katholischen Kirche. Sie war das Gebäude, mit dem er begonnen hat. „Die Kirche ist wichtig“, übersetzt seine Tochter. Monatelang hat Mousa Malki gebastelt, zehn Stunden am Tag. Um Details richtig abzubilden, die Fenster im richtigen Maßstab, Schriftzüge an der richtigen Stelle, Bemalungen in der richtigen Farbe, Balkons in der richtigen Höhe, hat Malki die Stadt mit dem Smartphone erkundet und fotografiert, aber unauffällig. Er wollte nicht, dass die Leute auf ihn aufmerksam werden und denken, er kundschafte die Häuser aus.

Erstaunlich ist die Schönheit des kleinen Bebra angesichts der wenigen Mittel, die ihm zur Verfügung standen: Alte Pappkartons aus den Lebensmittelmärkten, Farbe, Kleber, Zahnstocher – das und einige gute Einfälle, mehr brauchte Malki nicht. Um die Dachziegel nachzubilden, nutzte Malki das gewellte Papier im Inneren der Pappe von Kartons. Einige Dutzend Gebäude hat Malki gebaut, darunter auch das Inselgebäude des Bahnhofs, das alte Backhaus und die Auferstehungskirche.

Arbeit an Krippenmodell

Über einen Bekannten kam der Kontakt zu Dirk Lorey von der Stadtentwicklungsgesellschaft zustande, der das Modell ins Einkaufszentrum brachte und dafür sogte, dass es in dem leerstehenden Geschäft unterhalb des Rathauses einen neuen Platz gefunden hat. Im Moment baut Malki an einem Krippenmodell. Er verspricht aber, auf Wunsch auch weitere Häuser Bebras nachzubauen. Interessenten können sich an die Stadtentwicklung Bebra (SEB) wenden.

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