24-Stunden-Livestream mit 16 DJs

Agentur aus Bebra organisiert Konzertmarathon im Internet

Unser Archivfoto zeigt Patrick Kreuzberger (links) und Simon Becker (rechts) mit DJs und einem Gast im Bebraer Lokschuppen.
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Wollen die Party ins Zuhause der Zuschauer bringen: Unser Archivfoto zeigt Patrick Kreuzberger (links) und Simon Becker (rechts) mit DJs und einem Gast im Bebraer Lokschuppen. Sie wollen die Zuschauer virtuell quer durch die gesamte Bundesrepublik führen. Und zwar kostenlos.

Von Hindernissen wie der Corona-Pandemie will sich Patrick Kreuzberger nicht bremsen lassen. Er plant am 23. und 24. Januar einen 24-stündigen Konzert-Livestream im Internet.

Bebra - Die Einschränkungen verhindern derzeit fast alle Kulturevents – „aber eben nur fast“, sagt der Veranstalter mit Sitz in Bebra. Seit etwa acht Wochen feilen der Gilfershäuser Kreuzberger und sein Kollege Simon Becker aus Lispenhausen am Programm von „Rave the Nation“. 16 DJs sollen sich miteinander vernetzen und in 16 Bundesländern nacheinander für rund eineinhalb Stunden live auf der Bühne stehen. Die Events werden über die Kanäle der Künstler auf der Streamingplattform Twitch übertragen – siehe Hintergrund. Wenn ein Konzert endet, werden sämtliche Zuschauer automatisch zum nächsten Event weitergeleitet. Dort übernimmt dann der nächste Künstler – darunter durchaus auch bekannte Namen wie Jay Frog, der bis 2006 bei Scooter für die Beats gesorgt hat.

Aufgelegt wird von House über Charthits bis Electro eine große Bandbreite modernen Musik, zum Frühschoppen am Sonntag liefert DJ „Kloß mit Soß“ aus Bayern aber auch Partyschlager und Voksmusik im elektronischen Gewand. Kreuzberger (30) und Becker (32) sind im Reich der Elektromusik Zuhause. Beide haben im Juli 2020 die Agentur „Taktgefühl“ gegründet, derzeit hat das Veranstalter-Duo acht DJs im Portfolio. Erfahrung sammeln beide aber seit gut zehn Jahren bei der Planung von Kirmes und anderen Festen. Im Oktober feierte Taktgefühl im Bebraer Lokschuppen einen ersten Erfolg: Zur Kirmes-Ersatzveranstaltung „Schoppen im Schuppen“ kamen an zwei Tagen mit jeweils 250 Zuschauern die damals coronabedingt maximal zulässigen Besucher. Dennoch ist die Agentur für die beiden Musikliebhaber nur ein Nebenjob: Kreuzberger etwa arbeitet hauptberuflich in einem Autohaus. Weil in Corona-Zeiten immer mehr DJs die Plattform Twitch nutzen und von dort Partystimmung in das Zuhause der Zuschauer schicken, kam bei Kreuzberger die Überlegung auf: „Da geht mehr“. Und damit die Idee zu einem deutschlandweiten Event. Für den 24-Stunden-Streamingmarathon arbeitet die Bebraer Agentur mit dem DJ-Kollektiv „mehrbums“ aus Fulda zusammen. Die Gruppe habe sich auf Livestreams spezialisiert und vefüge über das nötige Know-How, so Kreuzberger. Bei „Rave the Nation“ sind sie für das Bundesland Hessen mit dabei. Ums Geld geht es den Veranstaltern aus Bebra nicht: „Wir verdienen nichts daran“, sagt Patrick Kreuzberger. „Es ist Arbeit im Nebengewerbe, die wir gern investieren.“ Er hofft aber zumindest auf einen gewissen Werbeeffekt. Die teilnehmenden Künstler dürften auch auf die Spenden setzen, die über die Streamingplattform möglich sind.

Rave the Nation

23. Januar, Start um 19 Uhr mit DJ Paul Niceday aus Mecklenburg-Vorpommern unter twitch.tv/paul_niceday. Weitere Infos und alle Künstler bei Facebook unter dem Stichwort „Rave the Nation“ und im Internet unter: taktgefuehl-be.de instagram.com/ taktgefuehl_booking_events

Hintergrund: Twitch ist eine „Spielwiese“ im Internet

Twitch gehört zu den erfolgreichsten Streaming-Portalen im Netz und wird vor allem zur Übertragung von Videospielen genutzt. Die Zuschauer sehen dabei sogenannten Streamern beim Spielen zu und haben per Chatfunktion die Möglichkeit, das Geschehen zu kommentieren. Wer den Chat nutzen will, muss sich anmelden – fürs reine Zuschauen ist das nicht nötig. Unterhaltungswert und Zuschauerzahlen variieren je nach Kanal. Erfolgreiche englischsprachige Streamer haben bei Liveübertragungen zehntausende Zuschauer und Millionen Abonnenten („Follower“). Twitch wird von der Spieleindustrie für die Übertragung von Wettkämpfen in Videospielen genutzt – bis hin zu Weltmeisterschaften. Seit 2014 gehört Twitch zu Amazon. Kaufpreis: rund eine Milliarde Dollar.

Von Clemens Herwig

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