Deutschlandweite Aktion von Kinderhospizen

Kinder-Lebens-Lauf machte Station im Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Für einen guten Zweck: Bebraer Bürger brachten gestern die Fackel des Kinder-Lebens-Laufs mit Fahrrädern nach Baumbach. Bei der Veranstaltung waren auch Kinder aus Bebraer Schulen und dem Kindergarten Tabalugaland dabei.

Mit seinem deutschlandweiten Kinder-Lebens-Lauf will der Bundesverband Kinderhospize seine Einrichtungen in die Öffentlichkeit bringen – auch Hersfeld-Rotenburg.

Hersfeld-Rotenburg. Die 50 Schul- und Kindergartenkinder auf dem Rathausplatz in Bebra sind mucksmäuschenstill, als Simone Filip vom Verein Kleine Helden ihnen vom Schicksal palliativ erkrankter Kinder erzählt. Diese sind so schwer krank, dass ihre Leiden gar nicht mehr behandelt sondern nur noch die Beschwerden gelindert werden. Kinderhospize wie die Kleinen Helden unterstützen die betroffenen Kinder und ihre Familien dabei, mit dieser Belastung besser zurechtzukommen. Mit dem deutschlandweiten Kinder-Lebens-Lauf, der am Dienstag in Bebra, Rotenburg und Baumbach Station machte, möchte der Bundesverband Kinderhospize auf das Thema aufmerksam machen.

Am Sonntag und Montag führte der Lauf bereits durch Wehrda, Niederaula und Bad Hersfeld. Der Verein Kleine Helden hat seinen Sitz im Hünfelder Stadtteil Michelsrombach und ist zwischen Hünfeld und Rotenburg aktiv.

„Wir begleiten derzeit 75 Kinder, darunter auch welche, die um ein Geschwisterkind trauern “, sagte die Vorsitzende Simone Filip. Sie betont, dass sich Kinderhospize stark von denen für Erwachsene unterscheiden, die von Betroffenen in der Regel erst wenige Tage vor dem Tod in Anspruch genommen würden. „Wir sind oft mehrere Jahre für die Kinder und ihre Familien da. Das beginnt schon, wenn bei einem Ungeborenen eine Krankheit diagnostiziert wird“, sagte Filip. Dafür sind über 50 ehrenamtliche, speziell ausgebildete Familienbegleiter zuständig.

Besonders genau hörten die Schüler der Brüder-Grimm-Gesamtschule, der August-Wilhelm-Mende-Schule und des Kindergartens Tabalugaland zu, als ihnen Filip von den letzten Wünschen der palliativ erkrankten Kinder erzählte: etwa einem Stadionbesuch bei Bayern München, einer Reise ins Disneyland oder einem Treffen mit dem Papst. Um diese zu erfüllen, zieht der Verein sämtliche Register.

Nach Bebra eingeladen wurde der Verein, der den Lebens-Lauf zwischen Michelsrombach und Kassel organisiert, von Wolfgang Schneider. Der Augenoptiker, der selbst einmal eine schwere Erkrankung zu überstehen hatte, ist in der Region vielfältig karitativ tätig.

Schneider bedankte sich besonders bei Bürgermeister Uwe Hassl, weil die Stadt Bebra für die Veranstaltung nur eine kurze Vorlaufzeit hatte. „Das war quasi ein Überfall aufs Rathaus“, sagte Schneider. Hassl rief die Kinder dazu auf, in ihrem Leben selbst ehrenamtlich aktiv zu werden und Gutes zu tun. Eine Fackel, die den gesamten Lauf über weitergereicht wird, ging durch die Hände sämtlicher Kinder auf dem Rathausplatz. Danach machte sich eine Gruppe von Bebraer Bürgern rund um Wolfgang Schneider mit Fahrrädern auf nach Baumbach.

Aktion für Kinderhospize: Auf dem Bild ist neben Kindern der Baumbacher Kita Weltentdecker und Wolfgang Schneider mit seinem Fahrrad Simone Filip zu sehen. Sie ist Vorsitzende des Hospizvereins Kleine Helden und trägt das Kostüm des Vereinsmaskottchens.

Dort wurden sie von den Kindern der Kita Weltentdecker vor dem Rathaus mit einem kurzen Ständchen und Tänzchen begrüßt, der Rathausvorplatz hatte sich mit Getränken und etwas Obst in eine Station zur Erholung der Radler gewandelt. Alheims Erster Beigeordneter Aribert Kirch sprach von „einer unglaublichen Leistung aller Kinderhospize“, die mit dem Zurücklegen der insgesamt 6000 Kilometer langen Strecke des Kinder-Lebens-Laufes ins Bewusstsein gerufen werden soll. Helfen könne und solle jeder. „Aber noch wichtiger ist: nicht wegschauen“, sagte Kirch, „nicht nur heute, sondern an jedem Tag.“

Die Fackel wandert am Mittwoch von Melsungen aus weiter bis nach Kassel. Transportiert wird sie mit einem Lkw der Kraftfahrerinitiative.

Der Kinder-Lebens-Lauf des Bundesverbandes Kinderhospize findet 2018 zum ersten Mal statt. Dabei wird über 6000 Kilometer durch die gesamte Republik eine Fackel von Hospiz zu Hospiz getragen – mal zu Fuß, mal mit dem Fahrrad und mal auf vier Rädern. Der Verband will auf das Angebot seiner Einrichtungen aufmerksam machen. „Kinderhospize nimmt man in der Regel erst wahr, wenn man sie braucht. Das wollen wir ändern“, sagt Sabine Kraft, Geschäftsführerin des Verbandes. Schirmherrin des Laufes ist Elke Büdenbender, die Ehefrau von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. In 132 Tagen macht die Fackel von Berlin aus eine Runde durch ganz Deutschland. Die Hauptstadt wird am 13. Oktober auch Zielort sein. Der Verein Kleine Helden ist Gründungsmitglied des Bundesverbandes und im Vorstand vertreten.

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