Nachbarstädte wollen mehr mit einer Stimme sprechen

Bebra und Rotenburg beschwören neue Zweisamkeit

Starkes Doppel: Rotenburg und Bebra wollen künftig enger zusammenarbeiten. Unser Foto zeigt von links Stefan Pruschwitz (SEB), Christian Grunwald (Bürgermeister Rotenburg), Stefan Knoche (Bürgermeister Bebra) und Torben Schäfer (MER). auf dem Bebraer Rathausmarkt.
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Starkes Doppel: Rotenburg und Bebra wollen künftig enger zusammenarbeiten. Unser Foto zeigt von links Stefan Pruschwitz (SEB), Christian Grunwald (Bürgermeister Rotenburg), Stefan Knoche (Bürgermeister Bebra) und Torben Schäfer (MER).

Bisher wurde zwischen Bebra und Rotenburg oft der Konkurrenzkampf gelebt. Das soll sich ändern – zunächst mit einer Kooperation der Stadtentwickler.

Bebra/Rotenburg – Auch bei der Dorfentwicklung und in der Politik wollen die beiden Städte mehr mit einer Stimme sprechen. Der Slogan für die neue Zweisamkeit: „Starkes Doppel an der Fulda“. Den Aufschlag macht das Team, das die Fulda als verbindendes Element im Logo trägt, mit einem gemeinsamen Online-Adventskalender. Ab dem 1. Dezember soll sich auf der Internet-Seite www.starkesdoppel.de jeden Tag ein virtuelles Türchen mit neuen Angeboten und Geschenkideen aus beiden Städten sowie einem täglichen Gewinnspiel öffnen. „Eine so große Fülle von Angeboten hätte keiner von uns alleine auf die Beine stellen können“, sagt Torben Schäfer, Chef der Rotenburger Marketing- und Entwicklungsgesellschaft MER. Mehr als 30 Geschäfte beteiligen sich – jeweils etwa die Hälfte aus Bebra und aus Rotenburg. Erklärter Gegner ist der Online-Handel. „Wir müssen der Marktmacht von Amazon etwas vor Ort entgegensetzen“, sagt Bebras Stadtenwicklungschef Stefan Pruschwitz.

Der Adventskalender soll nur der Auftakt sein. Beide Städte wollen Einzelhandel und Gastronomie mit gemeinsamen Aktionen bewerben. „Zusammen haben wir eine größere Strahlkraft“, sagt Torben Schäfer. „Wir sind stark im Nordkreis.“

Das ist keine neue Erkenntnis, gibt Rotenburgs Bürgermeister Christian Grunwald unumwunden zu. Es sei „durch die beiden Stefans“ aber in kürzester Zeit gelungen, einen frischen Gemeinschaftssinn zu entwickeln. Gemeint sind Bebras neuer Bürgermeister Stefan Knoche, der als Geschäftsführer der Stadtentwicklung im März auf den Rathauschefsessel wechselte und damit Platz für Nachfolger Pruschwitz machte. Hilfreich sei auch, so Grunwald, dass der Politikstil des „Bebra first“ der Vergangenheit angehöre – ein Seitenhieb auf Ex-Bürgermeister Uwe Hassl.

Konkurrenz zwischen den beiden Nordkreis-Städten gab es nicht nur auf Verwaltungsebene. Lange habe man in der Fuldastadt den Nachbarn belächelt, der dann zurecht mit wachsendem Stolz auf seine Entwicklung verwiesen habe, so Grunwald. Das „Jetzt haben wir es uns gegenseitig mal gezeigt“ sei aber überwunden, sagt der Bürgermeister. „Ich bin da durchaus auch selbstkritisch.“ Humorvoll gemeinte Konkurrenz könne gern bei der Kirmes ausgelebt werden, sagt Stefan Knoche. Aber: „Zusammen haben unsere Städte bald 30 000 Einwohner – das müssen wir in die Waagschale werfen.“ Wenn es sich anbietet, sollen Projekte, etwa bei der Dorfentwicklung, nicht nur für Bebra oder Rotenburg, sondern für die Region gedacht werden. „Was in Solz gut ist, ist wahrscheinlich auch in Schwarzenhasel gut“, sagt Knoche. Und Stefan Pruschwitz betont: „Unsere Bürger leben schon längst regional.“ Durch die Zusammenarbeit sollen die Städte näher an die Lebenswelt ihrer Bewohner heranrücken.

„Das wird keine Schaufensterkooperation“, sagt Christian Grunwald. Der Konkurrenzkampf und seine Blockaden sollen verschwinden, die Städte sich beim Angebot ergänzen: „Es ist keine Schwäche, wenn man als Rotenburger in Bebra einkaufen geht – und umgekehrt.“

Von Clemens Herwig

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