Tierhalter müssen aufpassen

Kampf gegen Ratten in Weiterode: Bebraer Bauhof hat Giftköder an der Ulfe ausgelegt

+
Mit der Lizenz zum Rattenködern: Bauhof-Mitarbeiter Uwe Merzendorfer mit einer Rattenfalle.

Der Bebraer Ortsteil Weiterode hat ein Rattenproblem – jetzt fährt der Bauhof der Biberstadt schweres Geschütz auf.

Seit Montag werden für die Nagetiere tödliche Köder entlang des Baches Ulfe verteilt. Die Giftboxen sind auch für Katzen, Hunde und Menschen nicht ungefährlich.

Anwohner hatten die Tiere mehrfach am Bachlauf zwischen der Straße An der Bleiche und der Heigernstraße beobachtet und den Bauhof verständigt. „Bei uns haben sie die faulen Kirschen geholt, während wir im Garten waren“, sagt Annika Groh-Gollmer. Die Anwohnerin und ihre Nachbarn haben die Ratten „auch tagsüber flitzen sehen“ – die schlauen Nager seien einzeln unterwegs gewesen, wohl um Nahrung für die Familie zu holen.

Starkes Rattengift nicht mehr frei verkäuflich

Privatpersonen kommen an hochgiftige Köder nicht heran: Starkes Rattengift darf seit 2013 nur noch mit einem sogenannten Sachkunde-nachweis gekauft werden. Entsprechend wenig erfolgreich verlief die Jagd der Weiteröder bisher.

Das soll sich ändern. Uwe Merzendorf ist beim Bebraer Bauhof der Mann mit der Lizenz zum Rattenködern. Nur er darf sich an dem verschlossenen Giftschrank bedienen, um die Nager mit tödlichen „Haferflocken“ und „Power-Riegeln“ in die Falle zu locken. Die Köder bestehen aus Brodifacoum, einem für Säugetiere, Fische und Menschen hochgiftigen Mittel, das blutgerinnungshemmend wirkt. Die Folge: Tiere verbluten innerlich, nachdem sie die Köder gefressen haben. Für den Sachkundenachweis ist eine eintägige Fortbildung nötig. Auch die Stadtwerke haben einen Spezialisten, falls die Tiere in der Kanalisation hausen. Grund für ein Rattenproblem seien häufig falsch gelagerter Müll – insbesondere Gelbe Säcke – und über die Toilette entsorgte Essenreste, heißt es von der Stadt.

Vorsicht, gefährlich: Die Köder werden in einem Giftschrank gelagert.

Etwa einmal pro Jahr rückt Merzendorfer zu einem größeren Einsatz aus. An der Ulfe platziert er vier Köderbox-en. Die schmalen Metallröhren sollen verhindern, dass etwa Hunde und Katzen an den giftigen Inhalt gelangen – was aber nicht völlig auszuschließen ist. Um günstige Orte für die Fallen zu finden, muss der Bauhof-Mitarbeiter auf Spurensuche gehen: Die Nager hinterlassen verräterische Hinweise auf ihre beliebtesten Routen, etwa Kot, Essensreste und plattgetretene Pfade.

Rattenfang mit perfider Strategie

Die Strategie hinter der Rattenbekämpfung ist dann regelrecht perfide: Fressen die Tiere den Giftköder, verenden sie nicht sofort. Sie leben lang genug, um ihre Gruppe zur Futterstelle zu führen, sodass die anderen Nager ebenfalls Gelegenheit zum Fressen bekommen. Mitnehmen können die Tiere die befestigten Köder nicht. Uwe Merzendorfer füllt die Boxen nach, bis das Futter nicht mehr angerührt wird – und das Rattenproblem sich damit erledigt hat.

Durch den Wirkstoff Brodifacoum verbluten die Nager nach dem Fressen innerlich. Metallröhren sollen beim Stellen der Falle verhindern, dass Haustiere gefährdet werden.

Bis zum 30. August sollen Halter ein Auge auf ihre Haustiere haben und auch Kinder vorsichtig sein, warnt die Stadt. Bei einem Verdacht auf Vergiftung muss bei Mensch und Tier sofort ein Arzt aufgesucht werden, heißt es von den entsprechenden Fachdiensten im Landratsamt. Die aufgenommene Menge sei dabei unerheblich.

Allesfresser mit kurzer Lebenserwartung

  • In Mitteleuropa sind zwei Rattenarten verbreitet: die auf der Liste der bedrohten Tierarten stehende Hausratte und die Wanderratte. 
  • Die Wanderratte erreicht eine Kopf-Schwanz-Länge von 40 Zentimetern. Sie wiegt bis zu 500 Gramm. 
  • Jährlich rund sechs Mal bekommen die Allesfresser Nachwuchs – pro Wurf können das bis zu zehn Junge sein. Zwischen Geburt und Geschlechtsreife liegen nur zehn bis zwölf Wochen. 
  • Die Lebenserwartung liegt bei unter einem Jahr. 
  • Ihre größten Feinde sind Hunde, Katzen und Marder. 
  • Wanderratten gelten als Krankheitsübertrager und Hygieneschädlinge – sind aber als Versuchstier für die Wissenschaft unverzichtbar. 
  • Die braungrauen Nagetiere leben in großen Gruppen, vor allem in der Kanalisation, in Wohnsiedlungen und an Flüssen. Sie sind gute Schwimmer, Taucher und Kletterer.

Kommentare