Erfolg mit Kanarienvogel und Bluthänfling

Ingrid Ehlers aus Bebra ist Weltmeisterin im Vogelzüchten

Bebra – Für Ingrid Ehlers aus Bebra ist die Vogelzucht Leidenschaft und ein Vollzeitjob. Die 24-fache deutsche Meisterin holte jetzt den Weltmeistertitel.

Gerfried Weiß, der Vorsitzende des Bebraer Vogelzuchtvereins, hat Ingrid Ehlert, ganz emanzipiert, ein Schild mit der Aufschrift „Weltmeister“ an den Hauseingang geklebt. Ihr Ehemann ist ihr aufs Dach gestiegen, sodass dort jetzt eine Deutschlandfahne auf sie aufmerksam macht.

Ingrid Ehlert ist seit vielen Jahren Stellvertreterin von Gerfried Weiß und „bestes Pferd im Stall“, wie der agile erste Mann schmunzelnd zum Besten gibt. Und wie es seit der „Mondial Com Zwolle 2019 World Show“, die erst kürzlich im niederländischen Zwolle stattfand und bei der die Bebranerin mit vier Exemplaren einer Kreuzung aus Bluthänfling und Kanarienvogel einen Weltmeistertitel in die Biberstadt geholt hat, amtlich feststeht. „Es hat alles gut geklappt“, erzählt die sympathische Züchterin, „von der Auswahl der beiden Zuchttiere, die sich natürlich mögen müssen, über die Brut bis hin zur Aufzucht, an der sich normalerweise nur das Körner fütternde Weibchen beteiligt.“

Selbstverständlich hat Ingrid Ehlert aber dafür gesorgt, dass die Kanarienvogel-Henne die Jungvögel mit der einen oder anderen Leckerei versorgen konnte: mit Mini-Maden und ganz speziellem Aufzuchtfutter mit Ei und Insekten. So ähnlich wie im „Dschungelcamp“.

Weltmeisterlich: Unser Foto zeigt eines der Ehlertschen Kreuzungsexemplare aus Bluthänfling und Kanarienvogel. Foto: Wilfried Apel

Ausschlaggebend für den erstmaligen Gewinn eines Weltmeistertitels war, dass Ingrid Ehlerts aus vier Vögeln bestehender Stamm „gleichmäßig gut“ war: Drei Mischlinge wurden mit 90 Punkten, ein Mischling mit 91 Punkten bedacht, und weil die vier sich in der Punktzahl kaum voneinander unterschieden, gab es noch fünf Zusatzpunkte für „Stammharmonie“. Ein bisschen anders war es bei der Deutschen Meisterschaft in Bad Salzuflen, wo sie mit einem Einzelvogel – einer Kreuzung aus Gelbbauchgirlitz und Kanarienvogel – ihren 24. Titel nach Hause holte.

In dem hat sie von morgens bis abends zu tun, denn Vogelzucht ist, zumindest bei Ingrid Ehlert, ein Vollzeitjob. Insbesondere bei der Aufzucht ist Aufmerksamkeit gefragt und beim Zufüttern viel Geduld: „Ich arbeite immer darauf hin, dass alle durchkommen, und meistens habe ich Glück.“

Wie die in einer Bäwerschen Eisenbahnerfamilie geborene 72-Jährige zu ihrem ausgefallenen Hobby gekommen ist? „Mein Mann wollte noch etwas Lebendiges in unserem Garten haben, und da haben wir uns für Vögel entschieden“, erzählt die seit 51 Jahren mit dem Elektroniktechniker Udo Ehlert Verheiratete, mit dem sie seit 1988 am Schützenplatz wohnt. Aufgewachsen ist sie in der Heidaustraße im Göttinger Bogen, wo es zu Dampflokzeiten des Öfteren vorkam, dass zur Bleiche ausgebreitete Wäsche vom Ruß vorbeifahrender Lokomotiven „geschwärzt“ wurde.

Das Kümmern um kleine Wesen scheint ihr im Blut zu liegen – spätestens seit sie auf der Kinderstation des Bad Hersfelder Krankenhauses oft ein „ganz spezielles Verhältnis“ zu Kindern, die wiederholt als Patienten aufgenommen werden mussten, entwickelte. Und seit sie ihre Liebe zu Gelbbauchgirlitz und Co. entdeckte. Was sie sich wünscht? Dass sie bald Oma wird, und dass Kinder und Jugendliche etwas mehr mit Tieren und etwas weniger mit Computern umgehen, und dabei lernen, Verantwortung für Lebewesen zu übernehmen.

VON WILFRIED APEL

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