300 Gäste und drei Stunden Programm

Die letzte Uwe-Hassl-Show: Großer Andrang beim Neujahrsempfang in Bebra

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Für viele blieb nur ein Stehplatz: In der Aula des Beruflichen Gymnasiums war es voll. 

Für Bebra wird es ein Jahr mit Veränderungen. Auch deshalb war der Neujahrsempfang mit gut 300 Gästen in der Aula des Beruflichen Gymnasiums wohl sehr gut besucht. 

Die Ehrengäste beim Bebraer Neujahrsempfang sind begrüßt – eine Aufgabe, für die Stadtverordnetenvorsteher Herbert Börner am Donnerstagabend exakt fünf Minuten und eine Sekunde braucht – und es geht auf die Ernennung der ersten Ehrenbürgerin der Stadt Bebra zu. Bürgermeister Uwe Hassl verhaspelt sich: „Irgendwie bin ich aufgeregt“, gesteht er den gut 300 Zuhörern in der pickepackevollen Aula des Beruflichen Gymnasiums.

Für den Rathauschef ist es der letzte Neujahrsempfang, Nachfolger Stefan Knoche sitzt im Publikum und bekommt später am Abend die Amtskette samt Stadtschlüssel überreicht. Doch zunächst entscheidet sich Hassl dafür, ein bisschen von der geplanten Form abzuweichen – und von sich zu erzählen. Um lockerer zu werden. Es ist der Auftakt zu einem langen Abschied. Denn natürlich klappt das mit der Zeitvorgabe nicht.

Volles Haus beim Neujahrsempfang in Bebra

Dabei sieht es zunächst gut aus. Pünktlich wie bei der Bahn kommt der Bebraer Neujahrsempfang mit einigen Minuten Verspätung ins Rollen. Aus den Boxen tönt „Final Countdown“ der schwedischen Rocker von Europe. „Nach zwei Stunden will ich fertig sein“, verkündet der Bürgermeister, der durch den Abend führt – das Mikrofon aber immer mal wieder abgeben muss.

Etwa an Europastaatsminister Michael Roth, der Bebras Ehrenbürgerin Nortrud Hoffmeister mit einer launigen Rede würdigt – und dabei feststellt, dass Hoffmeister offenbar Vorsitzende des Partnerschaftsvereins Bebra-Knaresborough geworden ist, weil sie kein rotes Parteibuch hat. „Wer ist heute überhaupt noch in der SPD?“, fragt sich der Sozialdemokrat und erntet Lacher. Doch Roth trifft auch die ernsten Töne, verleiht Hoffmeister nebenbei noch den Titel „Brückenbauerin in Europa“ und schließt mit: „Bebra kann stolz auf sie sein.“

Genießen den Abend: Ehrenbürgerin Nortrud Hoffmeister und Ehemann Hans-Jürgen. 

Die Geehrte bedankt sich zunächst artig: „So ein Verein wird nie nur von einer Person getragen“, sagt Hoffmeister. Sie sei aber erstaunt wegen das Aufhebens gewesen, dass in der Stadtverordnetenversammlung gemacht wurde. „Vielleicht fehlte da der Einblick in die Arbeit des Vereins“, schlägt sie als Erklärung vor. Der Saal, in dem auch die Bebraer Politik zahlreich vertreten ist, quittiert das mit einem Murmeln. Bei der Abstimmung über Hoffmeisters Ehrenbürgerschaft im September gab es im Parlament 16 Enthaltungen und eine Gegenstimme. Kritisiert wurde vor allem der Zeitpunkt: Kurz zuvor hatte Bebra mit Wolfgang Schneider seinen ersten Ehrenbürger ernannt.

Ein bisschen Talkshow, ein bisschen Verkaufssendung

Der Neujahrsempfang in der Biberstadt ist immer auch eine Talkshow – Vereine, Geschäftsleute, engagierte Bürger stellen sich im Gespräch mit dem Bürgermeister vor. Diesmal ist er auch ein bisschen Verkaufssendung: „CDs gibt’s im Foyer für fünf Euro“, ruft Hassl in den Saal – von Verhaspeln keine Spur mehr. Gerade lief „Bebra, du meine Stadt“, mit Josef Koster steht der Texter der Hymne auf der Bühne, die als Eröffnungssong der Chor-CD zur 1250-Jahrfeier der Stadt dient. „Wir brauchen Sie, sonst wird es in fünf Jahren keinen großen Chor mehr geben“, sagt Koster.

Macht's gut: Bebras scheidender Bürgermeister Uwe Hassl führte als Moderator durch den Abend. 

Christian Lübeck – Leiter der Bebraer Selbsthilfegruppe Seelenanker – spricht über seine Motivation, Menschen mit Panikattacken und Depressionen zu helfen: Lübeck ist selbst Betroffener. Der Bürgermeister ruft dazu auf, die Gruppe zu unterstützen: „Einen Hunni würde schon helfen.“ Die Sänger aus Breitenbach werben für ihr großes Jubiläumsjahr: Der Männergesangverein ist 125 Jahre alt – nur zehn Prozent der Bebraer Biberjahre, aber: „Wir haben unsere Chronik schon fertig“, scherzt Vorsitzender Peter Spieß. Die Geschichtssammlung der Stadt steht noch aus. Die Sänger treten stolz mit neuem Logo auf. Mit ihrer Interpretation von Herbert Grönemeyers „Männer“ sind zwei Stunden rum.

Nachwuchskünstler: Der zwölfjährige Noel Stockmann begeisterte mit seinem Spiel und präsentierte unter anderem die Europahymne "Ode an die Freude".

In der ersten Reihe – Bebras Erste Stadträtin Ilse Koch sitzt neben Bürgermeistergattin Susanne Hassl – wird mahnend auf die Uhr geschaut. Auf der Bühne geht es derweil um Schuhe: Bebras künftiger Bürgermeister Stefan Knoche stellt mit Stefan Pruschwitz seinen Nachfolger bei der Stadtentwicklung SEB vor. Gibt es große Fußstapfen zu füllen? „Ich habe auch nur Schuhgröße 46“, sagt Knoche. Pruschwitz, der als ehemaliger kaufmännischer Leiter der Bad Hersfelder Festspiele Erfahrung aus der Region mitbringt, sagt: „Bebra steht dafür, dass Projekte gemeinsam angepackt werden.“ Und das so erfolgreich, dass das in der Kreisstadt manchmal für Neid sorge.

Nach knapp drei Stunden fällt fast das Schlusswort

„Viele sind traurig, dass ich gehe. Einige werden froh sein.“ Uwe Hassl leitet den Show-Abspann ein, Schlussakkord in Moll nennt er das – die Stehplätze haben da bereits auf eigene Faust das Büfett eröffnen. Er sei Kapitän eines Schiffs mit einer tollen Mannschaft gewesen. Im vergangenen Jahr sei aus „Bebra first“ dann gesundheitsbedingt „Uwe first“ geworden. 2020 soll sein Sabbatjahr werden. „Macht’s gut“ sagt der Bürgermeister – es wird, nach knapp drei Stunden, fast das Schlusswort.

Klappt beim Rathauschef und an der Theke: Die beruhigende Geste hat Alexandra Knierim aus der Hundeerziehung übernommen. Sie herrschte bereits unter Horst Groß über das Bürgermeister-Vorzimmer – die beschwichtigende Hand kam erst bei Uwe Hassl zum Einsatz. 

Denn es müssen noch Blumen überreicht werden. Etwa für Vorzimmerchefin Alexandra Knierim, die Hassl immer bremsen konnte, wenn er zu hektisch wurde. Die Erklärung für die wertvolle Fähigkeit: Die Knierims haben eine Hundeschule. „Was da geht, klappt auch bei Bürgermeistern“, so Hassl.

Quelle: HNA

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