Komiker im Interview

Fips Asmussen: Corona-Witze tun wirklich nicht not

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Meister des schlüpfrigen Wortspiels: Bei Fips Asmussen bekommt jeder sein Fett weg. Foto: pr/nh

Bebra – Fips Asmussen (81), Meister des schlüpfrigen und politisch inkorrekten Witzes, sollte eigentlich am Freitag, 24. April, im Bebraer Lokschuppen auftreten.

Wir haben mit dem Mann, der seit fünf Jahrzehnten Zoten stakkatomäßig präsentiert, vor dem Inkrafttreten des durch die Corona-Krise verursachten Veranstaltungsverbots gesprochen. Ob und wann Fips Asmussen nun in der Eisenbahnerstadt auftritt, ist noch offen.

Vom Schriftsetzer zum Komiker - ein nicht alltäglicher Wechsel. Hat Ihnen die Milch nicht geschmeckt?

Welche Milch?

Sie haben doch als Schriftsetzer mit Blei gearbeitet und dafür Milchgeld bekommen ...

Ach so, ja. Aber Sie geben zu, dass es stimmt, wenn ich sage: „Das ist lange her.“ Ich hab’ mal Schriftsetzer gelernt. Das bedauere ich heute auch nicht, weil ich in der Zeit sehr viel gelernt habe. Ich habe bei einer Zeitung in Hamburg an der Linotype gearbeitet und bin nachher in die Werbung übergegangen. Das ist mir alles zugute gekommen. Weil ich weiß, wie man jemanden „verkauft“.

Sie feiern Ende April Ihren 82. Geburtstag ...

Ach wissen Sie, der eine sagt so, der andere sagt so. Das ist nur eine Zahl für mich.

... und blicken auf fast 50 Jahre Bühnenerfahrung zurück. Gehen Ihnen nicht irgendwann die schlüpfrigen Witze aus?

Nö. Das ist überhaupt nicht der Fall. Es gibt im Repertoire gewisse Frechheiten, die man bringen muss. Ich arbeite täglich an meinem Repertoire. Das sind 60 DIN-A4-Seiten, die ich habe. Ich habe 52 CDs gemacht, die alle ‘ne Stunde dauern. Da ist so viel drauf, das kann ich heute alles nicht mehr verwenden, obwohl es eigentlich aktuelle Sachen sind.

Wie viele Witze haben sie im Repertoire?

Das weiß ich nicht. Ich bin ja einer, der die kurzen Sachen erzählt. Und ich mache drei Stunden Programm. Die Leute mögen das und schreiben mir heute noch. Ich bekomme Autogrammwünsche en gros. Ich weiß gar nicht warum. Hängt wohl mit dem Internet zusammen oder Veranstaltungen, auf denen sie waren. Wenn ich beispielsweise in Düsseldorf dreimal die Bude mit 500 Leuten voll habe, dann bin ich stolz darauf.

Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Witz?

Nee.

Oder haben Sie einen Lieblingswitz?

Auch nicht. Das geht einfach nicht. Weil wenn ich den erzählen würde, und der gefällt aber den Leuten nicht so sehr, dann heißt es: „Der Asmussen ist aber nicht so gut“.

Mir persönlich gefällt der Laubsägenbastler aus Zwolle besonders gut ...

Sehen Sie, das ist uralt. Das war 1973 auf meiner ersten Platte. Die Leute haben anscheinend meine alten Kassetten noch in ihren Autos und hören sie noch heute. Das war auch mein Ziel. Viele haben mir gesagt, dass mir mein Publikum wegstirbt. Aber das ist nicht richtig. Bei mir ist die Bude voll mit jungen Leuten. Da bin ich stolz drauf. Die mögen auch den guten Humor. Die mögen nicht den Humor der Comedians aus dem Fernsehen.

Bei Ihren Auftritten bekommen bekanntlich meist Frauen, Randgruppen und auch Ausländer Ihr Fett weg ...

Warum auch nicht. Wir sind alle Menschen – ob jung, ob alt, ob Männlein, Weiblein oder hetero oder was weiß ich.

Da ist doch der Tritt ins Fettnäpfchen vorprogrammiert, oder?

Wenn der Gag gut ist, dann darf er auch gebracht werden. Aufgrund meines hohen Alters mache ich die meisten Gags über mich. Ich spreche übers Krank sein, die Wehwehchen, die man hat und dies und das. Das kann ich heute in dem Alter bringen. Die Leute wollen das auch. Mit meinen grauen Haaren wirke ich da auch glaubwürdiger. Wenn ich über meine Ehe spreche, dann nehmen mir die Leute meine Aussagen ab. Wenn ich das mit 25 Jahren erzählt hätte, hätte mir das niemand abgenommen.

Zum Abschluss vielleicht noch ein Hüpfer direkt in den Fettnapf – haben Sie was zu Corona auf Lager?

Nein. Das sind so Sachen, die macht man einfach nicht. Das tut nicht not.

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