1. Hersfelder Zeitung
  2. Lokales
  3. Kreisteil Rotenburg
  4. Bebra

Feuerwehr-Wette zwischen Bebra und Rotenburg ist erfolgreich

Erstellt:

Von: Lea-Sophie Mollus, Clemens Herwig

Kommentare

Siegessicher: Philipp Apel (von links) und Florian Bode sind schon seit Jahren bei der Feuerwehr Bebra aktiv. Durch die Wette mit der Nachbarstadt konnten bereits einige Neuzugänge gewonnen werden, darunter Carina Wendt, Tina Erdmann, Johanna Ast, Markus Hieronymus und Patrick Tögl (vorne Mitte). Thomas Erdmann (vorne links) und Luca Schorsch (rechts) – beide schon länger dabei – konnten nun auch ihre Partnerinnen dazu motivieren.
Siegessicher: Philipp Apel (von links) und Florian Bode sind schon seit Jahren bei der Feuerwehr Bebra aktiv. Durch die Wette mit der Nachbarstadt konnten bereits einige Neuzugänge gewonnen werden, darunter Carina Wendt, Tina Erdmann, Johanna Ast, Markus Hieronymus und Patrick Tögl (vorne Mitte). Thomas Erdmann (vorne links) und Luca Schorsch (rechts) – beide schon länger dabei – konnten nun auch ihre Partnerinnen dazu motivieren. © Lea-Spohie Mollus

Auf der Suche nach mehr Brandschützern riskiert Bebra bei einer Wette mit den Rotenburger Nachbarn das eigene Stadtfest. Der lockere Lösungsansatz für ein ernstes Problem scheint sich auszuzahlen.

Bebra – Es sieht so aus, als müssten die Rotenburger ihr Kartoffelfest im kommenden Jahr doch selbst bezahlen: Die Feuerwehren in Bebra sind auf dem besten Weg, die nachbarschaftliche Wette zu gewinnen. Innerhalb von knapp zwei Monaten sind bei den Einsatzabteilungen 45 neue Gesichter vorstellig geworden, die beim Brandschutz in der Biberstadt und ihren Ortsteilen tatkräftig helfen wollen.

Um neue Leute für die Freiwillige Feuerwehr zu begeistern, setzt Bebra das Stadtfest aufs Spiel: Sollten nicht innerhalb von einem Jahr 100 neue Mitglieder gefunden werden, fällt die eigene Feierei aus, das Rotenburger Kartoffelfest wird mit 1500 Euro gesponsert und darüber hinaus der Durst der Nachbarn mit 50 Litern Freibier gelöscht – wir berichteten.

Doch das Rekrutieren in Bebra läuft gut. „Wir waren sogar auf einen noch größeren Ansturm vorbereitet“, sagt Feuerwehr-Sprecher Florian Bode. Das Bereitsein fängt bei der Kleidung an: Bisher konnten die Neuzugänge stets aus dem Fundus der Wehren versorgt werden – auch „wenn die Jacke dann vielleicht ein bisschen zu groß oder zu knapp ist“, sagt Bode.

Eine Bestellung für Nachschub auch jenseits der Standardgrößen sei bereits aufgegeben. Außerdem haben die Wehren einen eigenen Dienstplan für die Ausbildung ihrer neuen Kameraden aufgestellt. Erfahrene Einsatzkräfte nehmen sie zunächst an die Hand, erklären Abläufe, Fahrzeuge, Vorschriften. Bei Übungen werden die korrekten Handgriffe notfalls separat geprobt: Allein der richtige Umgang mit einem Feuerwehrschlauch ist schwieriger, als es klingt.

Wie lange es dauert, bis die Neuzugänge der Bebraer Wehr fit für den Einsatz sind, lässt sich laut Florian Bode nicht pauschal sagen. Ziel ist der vierwöchige Grundausbildungslehrgang, der mehrfach im Jahr angeboten wird und die Einsatzbereitschaft bescheinigt. Einige seien nach einer Woche bereit für die Prüfung, andere benötigten ein Dreivierteljahr – je nachdem, wieviel Zeit auch das jeweilige Privatleben für die Vorbereitung lässt.

Sind Feuer und Flamme für die Nachwuchssuche: Bebras Stadtentwicklungschef Stefan Pruschwitz, Stadtbrandinspektor Mike Heckroth, Kernstadt-Wehrführer Frank Rosier und Neuzugang Carsten Henjes beim Wettstart im Juni. Archivfoto: Clemens Herwig
Sind Feuer und Flamme für die Nachwuchssuche: Bebras Stadtentwicklungschef Stefan Pruschwitz, Stadtbrandinspektor Mike Heckroth, Kernstadt-Wehrführer Frank Rosier und Neuzugang Carsten Henjes beim Wettstart im Juni. Archivfoto: Clemens Herwig © Archivfoto: Clemens Herwig

Bis dahin können die Neuen zwar schon bei Einsätzen dabei sein. Dann gilt aber das geflügelte Feuerwehr-Wort: „Bis zum Verteiler und nicht weiter.“ Gemeint ist der Anschluss, mit dem bei einem Brand das Wasser aus dem Schlauch des Löschfahrzeugs auf weitere Rohre für den Angriff auf die Flammen verteilt wird. „Es geht darum, dass sie nicht im Gefahrenbereich sind“, erklärt Florian Bode.

Der Feuerwehr-Sprecher ist seit 2004, als die Kinderfeuerwehr gegründet wurde, dabei. „Ich habe bis heute nicht den Absprung geschafft“, scherzt der 25-jährige Notfallsanitäter. Ihm liegen vor allem die Kameradschaft und der Zusammenhalt am Herzen. Auch für Kamerad und Co-Pressesprecher Philipp Apel sind die Brandschützer eine zweite Familie:

Der 28-jährige Straßenwärter ist seit seinem achten Lebensjahr bei der Feuerwehr aktiv. Beide lieben ihr anspruchsvolles Ehrenamt und seine Herausforderungen, warnen aber: „Es ist wichtig, vor jeder Einsatzlage Respekt zu haben.“

Die Bebraner haben keine Zweifel daran, dass die Wette gewonnen wird. Neben den Einsatzabteilungen verzeichnen auch die Jugend- und Kinderwehren seit Beginn der Werbeaktion Zuwachs. Allein in der Kernstadt sind fünf Jugendliche und zwölf Nachwuchsbrandschützer dazugekommen. Interessierte sind bei den Übungsabenden mittwochs und freitags ab 20 Uhr gern gesehen.

(Lea-Sophie Mollus und Clemens Herwig)

Auch interessant

Kommentare