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Eigener Wald als Sparkasse: Holzwirtschaft bietet Landwirten ein Zubrot

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Von: Jan-Christoph Eisenberg

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Aus dem eigenen Wald: Landwirt Niko Hollstein aus Asmushausen, der Vorsitzende des Kreisbauernverbands, Friedhelm Diegel, und der Vorsitzende der Waldbesitzer-Kreisgruppe, Thilo von Gilsa, begutachten den Brennholz-Vorrat. Foto: Eisenberg
Aus dem eigenen Wald: Landwirt Niko Hollstein aus Asmushausen, der Vorsitzende des Kreisbauernverbands, Friedhelm Diegel, und der Vorsitzende der Waldbesitzer-Kreisgruppe, Thilo von Gilsa, begutachten den Brennholz-Vorrat. Foto: Eisenberg

Asmushausen. Ob Brennholz für den Ofen oder Pfosten für die Weidezäune - beides holt Niko Hollstein aus dem eigenen Wald.

Neben Schweinemast für die Hausschlachtung, Ackerbau und Grünlandbewirtschaftung sowie der Zucht von südamerikanischen Alpakas tragen auch die acht Hektar Wald zum Einkommen des Nebenerwerbsbetriebs im Bebraer Stadtteil Asmushausen bei.

Der eigene Wald ist nicht nur seit Jahrhunderten Bau- und Brennstofflieferant, er bietet auch heute noch vielen Landwirtsfamilien ein Zubrot - vor allem in den Wintermonaten, wenn die Arbeit auf den Feldern ruht. Die insgesamt acht Hektar Wald von Familie Ursprung-Hollstein stammen überwiegend aus Familienbesitz. Um ihn pflegen und nutzen zu können, hat Niko Hollstein den Waldbauernbrief erworben. Zu den Ausbildungsinhalten, die der 24-Jährige dabei durchlaufen hat, gehören der sichere Umgang mit Kettensäge und Winde, das Fällen von Bäumen, die Bestandspflege und die Aufforstung. Neben der Vermittlung von Kenntnissen und Techniken steht vor allem die Arbeitssicherheit im Mittelpunkt dieses Schulungsprogramms von Hessen Forst. „Früher haben wir viel Holz selbst eingeschlagen“, erinnert sich Niko Hollsteins Mutter Liane Ursprung.

Heute nutzt ihr Sohn, der gelernter Mechatroniker ist und derzeit eine Fortbildung zum Techniker macht, in erster Linie Kronen- und Stangenholz selbst. Der restliche Holzertrag wird gemeinschaftlich vermarktet. Die Familie gehört mit ihren Waldflächen zur Forstbetriebsvereinigung Asmushausen-Rautenhausen. Dieser Zusammenschluss der Waldbesitzer hält auch Geräte wie Rückewinde, Spalter und Säge zur gemeinsamen Nutzung vor. Beförstert werden die Wälder durch Hessen Forst. Das bedeutet, dass ein Revierleiter des staatlichen Forstamtes Pflegemaßnahmen, Harvestereinsatz sowie die Vermarktung koordiniert. Abgerechnet wird allerdings für jeden Waldbesitzer einzeln. Wirtschaftlich spiele das nach Abzug der Kosten keine große Rolle, berichtet Liane Ursprung.

Neben dem eigenen Wald hat die Familie auch Anteile am sogenannten Interessentenwald. Dabei handelt es sich um ein altes Recht, nachdem die Anteilseigner ein sechs Hektar großes Waldstück gemeinsam nutzen. In vielen kleinen Privatwäldern wird der jährliche Holzzuwachs von sechs bis acht Festmetern pro Hektar Fläche nicht komplett genutzt. „Der Wald ist die Sparkasse der Bauern“, zitiert der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Friedhelm Diegel, ein altes Sprichwort. Der Holzeinschlag bilde also eine Art stille Reserve für schlechte Zeiten oder anstehende Investitionen.

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