Vorerst kein Händeschütteln mehr

Coronavirus: So reagieren Ämter, Krankenhäuser und Schulen in Hersfeld-Rotenburg

Coronavirus, Menschen kaufen Mundschutz Masken, Ina Müller Inhaberin der Schwanen-Apotheke in Bad Hersfeld mit Maske und Info-BlattFotos: Nadine Maaz
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Schutzmasken sind gefragt: Ina Müller, Inhaberin der Schwanen-Apotheke in Bad Hersfeld, zeigt eine sogenannte FFP3-Maske, die den größtmöglichen Schutz bieten soll. Es ist die letzte, die am Donnerstagmittag zu haben war. Vor einer Panik warnt die Apothekerin aber ausdrücklich.

Auch im Landkreis Hersfeld-Rotenburg nimmt die Sorge vor dem neuartigen Coronavirus zu. Wie macht sich das bemerkbar? Ein Überblick.

Spätestens seitdem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Mittwochabend davon gesprochen hat, dass „wir uns am Beginn einer Corona-Epidemie in Deutschland befinden“, macht sich auch im Landkreis Hersfeld-Rotenburg die Sorge vor dem neuartigen Virus bemerkbar. Der Überblick.

Das Gesundheitsamt

Das Gesundheitsamt Hersfeld-Rotenburg schätzt die Gefahrenlage im Landkreis aktuell als gering bis moderat ein, sagt Peter Artelt, Leiter des Gesundheitsamtes, der sich mit seiner Einschätzung am Robert-Koch-Institut und der Weltgesundheitsorganisation orientiert. Wie alle Gesundheitsämter sei auch das im Landkreis „gemäß dem Infektionsschutzgesetz damit beauftragt, Gefahren abzuwehren. Dies wird nicht nur bei Erkrankungen wie dem Coronavirus geleistet, sondern ständig“, sagt Artelt. Das Gesundheitsamt verfügt über rund 20 Mitarbeiter.

Die Krankenhäuser

Das Klinikum Hersfeld-Rotenburg sieht sich gut gerüstet für das Coronavirus. „Wir halten uns strikt an die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und des Öffentlichen Gesundheitsdienstes“, teilt Sprecher Werner Hampe mit. Das Klinikum beobachte die Lage täglich und leite angemessene Schritte in Absprache mit dem Gesundheitsamt ein. Isolationsmöglichkeiten seien ausreichend vorhanden. „Hier erfolgen stufenweise Anpassungen oder Erweiterungen, wenn notwendig“, so Hampe. Mitarbeiter würden laufend vorbereitet und über Neuigkeiten informiert. Die nächste Schulung findet am 2. März statt.

Vorsicht geht vor: Im Rotenburger Kreiskrankenhaus wird ab sofort auf das Händeschütteln verzichtet. Unser Foto zeigt Mitarbeiterin Andrea Lorenz an der Station zum Händedesinfizieren direkt an den Aufzügen.

Im Kreiskrankenhaus Rotenburg verzichten Ärzte und Pflegekräfte ab sofort auf das Händeschütteln. „Wir haben uns zu diesem Schritt entschieden, um kein Risiko einzugehen“, sagt der medizinische Geschäftsführer Dr. Martin Oechsner. Auch im Kreiskrankenhaus seien die Mitarbeiter auf Corona-Fälle vorbereitet. „Wir beobachten die Entwicklung mit aller Vernunft und Vorsicht, müssen aber davon ausgehen, dass das Virus auch in unserer Region auftreten könnte“, sagt Oechsner. Panik sei allerdings unangebracht. „Sollte es soweit sein, haben wir ausreichend Räume in Reserve, um Patienten zu isolieren.“

Die Hausärzte

Die Hausärzte im Landkreis sind nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) auf das Coronavirus vorbereitet und werden laufend über neue Entwicklungen informiert. Die KV hat den Ärzten am Mittwoch in einem Schreiben darüber unterrichtet, dass Patienten, die sich mit verdächtigen Symptomen melden, „möglichst nach Ende der Sprechstunde separat einbestellt und in einem gesonderten Sprechzimmer untersucht werden“ sollten. KV-Vorstandsvorsitzender Frank Dastych erinnert in den Schreiben daran, dass jeder Corona-Verdacht der namentlichen Meldepflicht unterliegt. 

Menschen, die sich aus Sorge melden, sie könnten mit SARS-CoV-2 infiziert worden sein, sollten die Hausärzte raten, „die Wohnung nicht zu verlassen und sich zunächst an das Gesundheitsamt zu wenden“.

Der Katastrophenschutz

Sollte es tatsächlich zum Ausbruch einer Epidemie kommen, ist der Katastrophenschutz Hersfeld-Rotenburg nach Auskunft des zuständigen Fachdienstleiters Thorsten Bloß vorbereitet. Die Einsatzkräfte würden regelmäßig geschult. „Der seit 2007 bestehende Pandemieplan für den Landkreis ist kürzlich aktualisiert und angepasst worden“, so Bloß. 

Im Fachdienst Gefahrenabwehr arbeiten hauptamtlich drei Menschen. Weitere 89 Personen, darunter Mitarbeiter der Kreisverwaltung und von Hilfsorganisationen, üben zudem regelmäßig verschiedene Notfall-Szenarien wie medizinische Sondereinsatzlagen im Katastrophenschutzstab. Bei Bedarf stünden außerdem rund 700 ehrenamtliche Einsatzkräfte zur Verfügung darunter Feuerwehr, DLRG, DRK und Johanniter.

Die Kantinen

In Räumen, in denen viele Menschen zusammenkommen, ist Hygiene besonders geboten: zum Beispiel in Kantinen. Im Speisesaal des Landratsamtes werde die Konzentration der Desinfektionsmittel regelmäßig geprüft, teilt Kreis-Sprecher Pelle Faust mit. Über sogenannte Abklatschproben werden die Flächen der Küche hygienisch kontrolliert. Die Proben werden an ein externes Labor geschickt und dort ausgewertet. In der Küche der Landratsamts-Kantine gibt es darüber hinaus einen Desinfektionsspender. In der Kantine, die von der Küche des Klinikums beliefert wird, essen täglich rund 60 Personen. 

Auch bei Vitesco in Bebra, ehemals Conti, stehen laut Objektleiter Sven Gunkel ganzjährig für Kantinenbesucher Desinfektionsmittel zur Verfügung.

Die Reisebüros

Sorge vor dem Coronavirus hat auch die Tourismusbranche. Die Kunden seien zwar insgesamt sehr zurückhaltend, Stornierungen habe es jedoch noch keine gegeben, teilt Michael Klöppner vom Reisebüro Solatour in Bad Hersfeld mit. Er beruft sich auf das Auswärtige Amt: „So lange keine offiziellen Reisewarnungen wegen des Virus vorliegen, können alle Reisen wie geplant stattfinden.“

Auch im Reisebüro Zilch und dem Tui-Reisecenter - beide in Rotenburg - hat es noch keine Stornierungen gegeben. "Unsere Kunden fragen schon nach, was wäre wenn“, sagt Andrea Lange vom Reisebüro Zilch. „Die Kunden informieren sich über Umbuchungsregelungen und wollen wissen, wie sich die Reiseveranstalter vorbereiten", sagt Katja Holzapfel vom Tui-Reisecenter. "Vieles hängt aber natürlich davon ab, wie sich die Ausbreitung des Coronavirus entwickelt.“ 

Die Reisewelt Teiser & Hüter aus Neuhof rät zu Besonnenheit. Trotz des Coronavirus richtet das Team am kommenden Wochenende eine große Reisemesse aus, zu der viele Aussteller aus unterschiedlichen Ländern eingeladen sind. Auch in diesem Jahr rechnet die Geschäftsführung mit zahlreichen Besuchern, Absagen habe es bislang keine gegeben.

Das Derpart Reisebüro Krug in Bad Hersfeld sieht die Situation kritischer. Von Reisen nach China und Zentralasien rät das Reisebüro dringend ab. Außerdem soll es eine kostenlose Stornierungsmöglichkeit für Kunden geben, sollte sich das Virus weiterhin so schnell ausbreiten.

Die Apotheken und Drogerien

Auch in den Drogerien im Landkreis macht sich die Furcht vor dem Coronavirus bemerkbar: In der dm-Filiale in Bebra waren Desinfektionsmittel am Donnerstag ausverkauft. Bei Müller im Rotenburg-Center waren am Nachmittag nur noch Restbestände an Desinfektionsmitteln und Mundschutz vorrätig.

Große Nachfrage nach Desinfektions- und Hygienesprays: In der Rossmann-Filiale in der Bad Hersfelder City Galerie wurden gestern fast alle Mittel aufgekauft. Auch Gerda Gonschorek kaufte ein Spray – allerdings nicht aus Angst vor dem Coronavirus, sondern weil sie es im Alltag und im Haushalt immer verwendet.

Bei Rossmann in der Bad Hersfelder City Galerie wurden am Donnerstag fast alle Desinfektions- und Hygienesprays aufgekauft, wie der Filialleiter berichtete und die leeren Fächer in den Regalen bezeugten. Die Reisegrößen der Handdesinfektionsmittel waren am Nachmittag restlos vergriffen. Dabei habe man in weiser Voraussicht sogar extra mehr bestellt als sonst. Der Filialleiter vermutet, dass der Verweis des Gesundheitsministers auf eine mögliche Epidemie zu dem plötzlichen Ansturm geführt haben könnte.

Apotheken haben ebenfalls große Probleme, die Nachfrage an Mundschutz zu decken. In der Hof-Apotheke in Rotenburg ist der Bestand bereits seit Wochen aufgebraucht, Nachschub sei schwierig zu bekommen, heißt es. 

Atemschutzmasken gibt es in der Hof-Apotheke in Rotenburg bei Dieter Sitzmann schon lange nicht mehr. Auch andere Medikamente – wie das Erkältungsspray, das er in der Hand hält – werden knapp.

In der Bad Hersfelder Schwanen-Apothekegab es Donnerstagmittag nur noch einen einzigen Mundschutz der Kategorie FFP 3, die den größtmöglichen Schutz bieten soll. Etwa 300 Stück habe sie in den vergangenen Wochen verkauft, sagt Inhaberin Ina Müller. Nachgefragt würden sie zum Beispiel von Müttern, die ihre Kinder schützen wollen, oder Menschen, die eine Reise planen. 

Dabei schütze eine Maske auch nicht unbedingt den Träger vor Ansteckung, sondern diene eher dazu, als Erkrankter andere nicht anzustecken. Der Einkaufspreis habe sich inzwischen fast verdoppelt. Müller warnt indes vor Panik und Hamsterkäufen. Denn dann gingen am Ende die leer aus, die tatsächlich auf solche Produkte angewiesen seien.

Die Supermärkte

Anders als etwa in Norditalien, wo es kaum noch Obst, Gemüse und Nudeln zu kaufen gibt, sind die Regale in den heimischen Supermärkten noch gut gefüllt. Wie die tegut-Zentrale in Fulda mitteilt, sei es bislang nicht zu Vorratskäufen gekommen. Aber auch wenn die Versorgungslage bislang normal sei, werde sie mit Blick auf die Ausbreitung des Coronavirus aufmerksam beobachtet. „Auf eine mögliche Veränderung der Nachfrage sind wir vorbereitet, unter anderem mit Notfallplänen, die Versorgungsengpässe abfangen sollen“, so Anne Biendara.

Hamsterkäufe melden die heimischen Supermärkte noch nicht. „Davon spüren wir nichts“, sagte etwa ein Mitarbeiter von Edeka Lange in Rotenburg. Im Edeka-Neukauf in Obersuhl würden hingegen vor allem Konserven, Milch und Toilettenpapier verstärkt nachgefragt, teilt eine Verkäuferin auf Nachfrage mit. „Unsere Kunden decken sich schon ein.“ Zu Lieferengpässen komme es aber nicht, von allem sei noch ausreichend da.

Die Schulen

Durch die wachsende Sorge vor dem Coronavirus rückt auch das Händewaschen in den Schulen in den Fokus. Das berichtet auf Anfrage unserer Zeitung Anita Hofmann, Leiterin des Staatlichen Schulamts Bebra

Lehrer seien zudem angehalten, darauf zu achten, dass Schüler nicht direkt ihre Mitschüler anniesen. In den Grundschulen werde diese Vehaltensregel beachtet. Das Verständnis in den weiterführenden Schulen hingegen sei nicht ganz so groß. 

Angesichts der immer neuen Nachrichten über das neuartige Virus sei es derzeit noch vergleichsweise ruhig an den Schulen, die umsichtig mit dem Thema umgingen und auf die Bedeutung der Hygiene hinwiesen. Der Amtsleiterin ist wichtig, dass Schüler und Eltern sensibilisiert, aber nicht panisch gemacht würden. 

Wegen des Coronavirus gab es im Schulamt auch bereits Anfragen wegen anstehender Klassenfahrten. Hofmann empfiehlt, sich in solchen Fällen an das örtliche Gesundheitsamt zu wenden. Ob ihr Kind an einer Klassenfahrt teilnimmt oder nicht, müssten die Eltern entscheiden, wenngleich diese Entscheidung umso schwieriger sei, solange noch keine behördlichen Reisebeschränkungen ausgesprochen worden sind. Erst dann könne eine Reiserücktrittsversicherung in Anspruch genommen werden. 

Das hessische Sozialministerium hat eine kostenlose Hotline für Fragen rund ums Coronavirus geschaltet. Sie ist zu erreichen unter Telefon 08 00/ 5 55 46 66.

Das Studienzentrum

Im Studienzentrum der Finanzverwaltung und Justiz Rotenburg hat die Chefetage am Donnerstag diskutiert, wie sie mit der drohenden Ansteckungsgefahr umgeht. „Wir wollen uns zeitnah mit dem Gesundheitsamt zusammensetzen, um uns Tipps zu holen, wie wir im Falle eines Falles vorgehen“, sagt Direktor Karl Jennemann. Zudem hätten die 1300 Anwärter und 170 Bediensteten Hygiene-Hinweise erhalten.

Von Sebastian Schaffner und Lisa Hirdes

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