Coronavirus im Kreis Hersfeld-Rotenburg

Friseure sind wegen Corona-Krise in großer Sorge um ihre Salons

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Nah am Kunden: Ob beim Schneiden oder Stylen – Friseure können schlecht Abstand halten. Seit Anfang dieser Woche sind alle Salons geschlossen.

Ohne engen Kontakt zu ihren Kunden können Friseure nicht arbeiten. Wegen der Corona-Pandemie mussten auch sie jetzt Kreis Hersfeld-Rotenburg ihre Salons schließen.

Haare schneiden und Augenbrauen färben mit anderthalb bis zwei Metern Abstand? Kaum möglich. Viele Friseure im Landkreis hatten wegen des grassierenden Coronavirus ihr Angebot zuletzt ohnehin schon eingeschränkt oder den Salon aus freien Stücken gleich ganz geschlossen. Seit Anfang dieser Woche ist das in Hessen ein Muss.

Kosmetische Dienstleister wie Friseure, Kosmetikstudios und Massagesalons müssen wie zuvor schon zahlreiche andere Geschäfte geschlossen bleiben. Dass das wegen des fast schon intimen Kontakts zu den Kunden nicht früher schon galt, hatte manchen verwundert.

Corona in Hersfeld-Rotenburg: Betriebe bangen um Existenz

Einige Betriebe bangen nun um ihre Existenz. Zwar sei die Branche durchaus Ärger und Frust gewöhnt, berichtetPeter Fiebig aus Schenklengsfeld, Obermeister der Friseur-Innung Hersfeld-Rotenburg. Er weiß aber auch: „Das wird für viele richtig teuer.“ Vier Wochen seien sicher überbrückbar, aber viel länger würden es die meisten kaum aushalten, zumal der Verlust später nicht wieder reinkomme. Auch Fiebig hatte in der vergangenen Woche Plätze frei gelassen, desinfiziert und die üblichen Zeitschriften entfernt.

Sein Geschäft würde im Juni 90-jähriges Bestehen feiern, er führt es in dritter Generation, die vierte steht bereit. In der Branche gebe es neben den bekannten Ketten viele kleine Betriebe. Die durchschnittliche Größe liege auch im Landkreis bei drei Beschäftigten. Er hofft nun auf die von der Regierung angekündigten Zugeständnisse und Ankündigungen, die die wirtschaftlichen Probleme abmildern sollen.

Peter Fiebig, Obermeister Friseur-Innung

Den Humor und Optimismus hat der Obermeister indes noch nicht verloren („was bleibt uns auch anderes übrig). So sei wenigstens eines positiv und ziemlich sicher: „In ein paar Wochen wird man uns vermissen.“

Corona in Hersfeld-Rotenburg: Ansprechpartner unter den Kollegen

In der vergangenen Woche seien die Unsicherheit und das Unwohlsein wegen des engen Kontakts immer größer geworden, sagt KolleginStefanie Orth aus Bebra, stellvertretende Obermeisterin. „Ich bin froh, dass es jetzt fast einheitlich in Deutschland geregelt ist.“

Sie sei zudem dankbar für den sehr guten Zusammenhalt zwischen den Innungsmitgliedern, bei jeder Frage oder Unsicherheit finde man einen Ansprechpartner unter den Kollegen. „Vom Landesinnungsverband Friseurhandwerk Hessen und von der Kreishandwerkerschaft Hersfeld-Rotenburg gab es fast täglich aktuelle Informationen“, lobt sie. Angst machten ihr jedoch die Nachwirkungen.

Corona in Hersfeld-Rotenburg: „So etwas hat noch keiner erlebt“

Erfreut über die „klare Linie“ zeigt sich auch Friseur Uwe Merkert aus Friedewald, der sich bereits über Unterstützungsmöglichkeiten –Kurzerbeitergeld et cetera – hat beraten lassen. Gerade im Dienstleistungsgewerbe sei der Lohnkostenfaktor besonders hoch. „Das ist eine schwierige Situation, für die einen mehr und die anderen weniger“, meint er.

Er hoffe außerdem, dass sich auch die mobilen Friseure an das Tätigkeitsverbot halten. Er selbst habe bereits Anfragen erhalten, ob er nun alternativ zu Hause Haare schneiden würde. Das gehe natürlich gar nicht. „Wir müssen unsere Gesundheit und die der Kunden schützen.“ Auch Merkerts Geschäft existiert schon seit 60 Jahren, er hat es von den Eltern übernommen. „So etwas hat noch keiner erlebt.“ Er will nun aber nicht Däumchen drehen, sondern die Zeit sinnvoll nutzen – zum Streichen.

Corona in Hersfeld-Rotenburg: Vielen fehlt eine größere Rücklage

Stefanie Prokupek aus Bad Hersfeld hat den Salon ebenfalls von ihren Eltern übernommen. „Das ist deshalb besonders emotional“, erzählt sie. Gemeinsam mit ihrer Mitarbeiterin hatte sie schon letzte Woche beschlossen, vorerst zu schließen. Nun sitze sie jeden Tag am Schreibtisch, um sich über die Möglichkeiten zu informieren, die es gibt. Kurzarbeit ist ihrer Meinung nach allerdings gerade für Friseure problematisch, da diese ohnehin schon wenig verdienten.

Große Rücklagen hätten wohl auch nur wenige Betriebe. Prokupek fürchtet deshalb: „Einige wird es sicher die Existenz kosten.“ Aktuell herrsche aber große Solidarität und man tausche sich viel aus. „Wir sind ja nicht nur Konkurrenten, sondern auch Kollegen.“ Auf Kundenseite denkt sie nun vor allem an die Älteren, die regelmäßig auch „nur“ zum Waschen und Legen kämen: „Die sind todtraurig.“

Von Nadine Maaz

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Quelle: HNA

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