Vogelschutz

Bürgerinitiative fordert Stopp für Windparks im Stölzinger Gebirge

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Wichtig für den Rotmilan: Das Stölzinger Gebirge zwischen den Landkreisen Werra-Meißner, Schwalm-Eder und Hersfeld-Rotenburg. Ein ornithologisches Gutachten hat bereits zwölf Windkraftanlagen verhindert. 

Hersfeld-Rotenburg. Eine Firma verzichtet zum Vogelschutz bereits auf den Bau von Windparks im Stölzinger Gebirge. Eine Bürgerinitiative fordert: Weitere Betreiber sollen folgen. 

Die Bürgerinitiative zur Rettung des Stölzinger Gebirges fordert nach ihrem Teilerfolg gegen den Bau von Windkraftanlagen, dass auch die Bereiche Franzosenstraße (Windfeld HEF 02) und Katzenstirn (Windfeld HR 11) als nicht genehmigungsfähig anerkannt werden. Auch sie gehören zum Stölzinger Gebirge.

Die Betreiberfirma Windfarm Stölzinger Höhe hatte geplant, zwölf Anlagen zu bauen, acht im Schwalm-Eder-Kreis, vier im Werra-Meißner-Kreis. Den Genehmigungsantrag hatte sie kürzlich zurückgezogen. 

Dazu hatte ein neues ornithologisches Gutachten geführt, das eine Häufung schützenswerter Vogelarten im Bereich des geplanten Windparks ergeben hatte. „Dadurch wurde uns klar, dass das Stölzinger Gebirge wirklich schützenswert ist“, sagte Holger Bruns von der Betreiberfirma.

Die vorherigen Gutachten hätten ein anderes Bild vermittelt.

Stölzinger Gebirge erfüllt Voraussetzungen für ein Vogelschutzgebiet

In den Windfeldern HEF 02, nördlich von Bebra, und HR 11 (Dreieck Morschen, Spangenberg, Heinebach) lägen vergleichbare Bedingungen vor, erklärte Roland Dilchert, der Sprecher der Bürgerinitiative. 

Im Stölzinger Gebirge lebten mindestens 26 Rotmilanpaare auf 100 Quadratkilometern. Das erfülle die Kriterien für ein europäisches Vogelschutzgebiet. 

Die aktuelle Lage für die umstrittenen Windfelder: Die Firma PNE hat einen Genehmigungsantrag gestellt für vier Windkraftanlagen im Bereich Katzenstirn. Er wird derzeit auf Vollständigkeit geprüft, erklärte der Pressesprecher des Regierungspräsidiums Kassel, Michael Conrad, auf Anfrage.

Keine Anträge lägen dagegen derzeit für die Windfelder HEF 02, 03 und 05 im Umfeld von Franzosenstraße und Alheimer vor. Die Firma Juwi führt noch immer Gespräche mit Mitbewerbern über Flächen, nach einer Einigung wolle man den Bauantrag für sechs Windräder im Bereich HEF 02 einreichen, sagte Juwi-Sprecher Felix Wächter.

Sturm Kyrill hatte bereits für Pause bei der Planung gesorgt   

Die Planung des Windfeldes HEF 02 an der Franzosenstraße zwischen Cornberg und Bebra war 2014 nach dem Sturm „Kyrill“ ausgesetzt worden, weil die Schäden im Forst ein verändertes Jagdverhalten der Rotmilane mit sich gebracht hatten, hieß es damals. 

Man war davon ausgegangen, dass Milane nur im Offenland jagen, nach dem Sturm suchten sie auch in den zerstörten Waldflächen nach Beute. 

Nun gab es den Sturm „Frederike“. Der Forst sei an ein bis zwei der geplanten sechs Anlagestandorten stellenweise in Mitleidenschaft gezogen worden, teilte Juwi-Pressesprecher Felix Wächter auf Anfrage mit. 

Bereits vor dem Sturm habe Juwi Gutachter beauftragt, den Bereich erneut hinsichtlich des möglichen Rotmilanvorkommens zu untersuchen, um die positiven Gutachten der letzten Jahre zu überprüfen. Die Gutachter würden die Auswirkungen von „Frederike“ berücksichtigen, kündigte Wächter an.

Von der Pacht profitiert Hessen Forst, die Kommunen haben das Nachsehen 

Das Planungsgebiet HEF 02 wurde zwischenzeitlich in Richtung Süden verschoben, in den Bereich zwischen Rockensüß, Königswald, Erkshausen und Rautenhausen. Hier war auch der Mitbewerber von Juwi, das Unternehmen WKN, aktiv. 

Von der Pacht profitieren würde in diesem Bereich vor allem das Land durch Hessen Forst. Die Stadt Rotenburg und die Gemeinde Cornberg hätten finanziell das Nachsehen.

Außerdem werden die Anlagen höher als noch 2013 vorgesehen. Statt 150 Metern würden sie 233 Meter hoch, mit größeren Rotoren - um den Höhenverlust auszugleichen, der durch die Verschiebung in Richtung Süden entstanden ist.

Hintergrund: Gebirge ist wichtig für Vögel und Fledermäuse

Das Stölzinger Gebirge ist ein etwa 200 Quadratkilometer großer Höhenzug zwischen dem Werra-Meißner-Kreis, dem Schwalm-Eder-Kreis und dem Kreis Hersfeld-Rotenburg. Alheim, Cornberg, Rotenburg und Bebra gehören zu den Ortschaften dieses Raumes, ebenso wie Sontra, Waldkappel, Morschen und Spangenberg.

Ehrenamtliche Ornithologen beobachten das Gebiet seit Jahren und haben festgestellt, dass das Stölzinger Gebirge international bedeutend ist für den Rotmilan, den Greifvogelzug, den Kranichzug sowie für viele der in den europäischen Vogelschutzrichtlinien genannten Arten und für die Fledermausart Graues Mausohr.

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