Test mit Silvester-Rakete

Breitenbacher See: Schwäne nicht festgefroren - Drohneneinsatz nicht nötig

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Eine Geschichte mit gutem Ende: Viele Menschen, die sich Sorgen um diese beiden Schwäne auf dem Breitenbach See gemacht haben, hatten sich bei den Tierschützern gemeldet. Das Foto entstand am Mittwochmorgen. Am Nachmittag dann haben die beiden einen Ausflug zur Nahrungssuche unternommen. 

Bebra. Zwei unerwartete Wendungen hat die Geschichte der angeblich auf dem Breitenbacher See bei Bebra festgefrorenen Schwäne genommen, über die wir berichtet haben.

Die Breitenbacher und die Bebraer Feuerwehr waren am Dienstagmorgen um 8 Uhr alarmiert worden. Sie fanden einen Schwan vor, der etwa 150 Meter vom Ufer entfernt festgefroren schien. Ein anderer hielt sich in der Nähe auf. Die Feuerwehr entschied, dass eine Hilfsaktion nicht nötig sei. Zum einen wäre sie auf der Eisfläche viel zu gefährlich gewesen für die Feuerwehrleute, zum anderen ging die Feuerwehr davon aus, dass das Tier sich selbst würde befreien können. Möglich war auch noch, dass es sich um ein altes und krankes Tier handelt, dass sowieso sterben würde.

Am Dienstagnachmittag dann gegen 16 Uhr sah sich eine Gruppe aus Rotenburg vor Ort die Situation an, mit dabei der Rotenburger Biologe und Lehrer Ralf Frank. „In so einer Situation fliegt man die Tiere normalerweise mit einer Drohne an, um sie zu beunruhigen. Dann fliegen sie entweder davon, wenn sie nicht angefroren sind, oder versuchen sich vehement zu befreien, wenn sie mit dem Gefieder am Eis angefroren sind.“ Auf jeden Fall können die Tierschützer so feststellen, ob die Tiere auf dem Eis gefangen sind oder nicht.

„Leider hatten wir keine Drohne dabei“, erzählt Frank, der mit Mitgliedern der DLRG und der Feuerwehr vor Ort war. Allerdings zündeten am Ufer gerade junge Leute Böller. „Lasst uns mit den Böllern mal was Vernünftiges machen“, schlug Frank vor. Sie zündeten Silvester-Raketen in Richtung der Schwäne. Die kamen aber wie erwartet nicht einmal annähernd in die Nähe der Tiere. Und dennoch: Die beiden Schwäne, ein jüngerer und ein älterer, erhoben sich und watschelten über die Eisfläche. Die Tierschützer atmeten auf.

Der Rettungsplan stand schon

In Gefahr schienen die Tiere dennoch zu sein. „Wenn sie längere Zeit auf dem Eis bleiben und keine Nahrung aufnehmen, werden sie sterben“, so die Befürchtung der Naturschützer. Der Rettungsplan stand auch schon: Wenn die Tiere weiter auf dem Eis ausharren würden, wollten die Tierschützer in den nächsten Tag eine Drohne einsetzen, um sie von der Eisfläche zu leiten – auf die umliegenden Grünflächen, wo sie Futter finden würden.

Vögel vom Eis verschwunden

Am Mittwochmorgen gegen 9 Uhr saßen die beiden Tiere immer noch auf der Eisfläche – als wären sie festgefroren. Um 13.30 Uhr dann kam die gute Nachricht von Ralf Frank, der erneut am See stand: Die Vögel sind weg – von der Eisfläche verschwunden und offensichtlich auf Nahrungssuche.

Schwäne wieder auf dem Eis gelandet

Nur 15 Minuten später meldete sich Frank erneut in unserer Redaktion. „Da kommen gerade zwei Schwäne angeflogen. Das sind die beiden.“ Und eine Minute später: „Ich kann es kaum glauben. Die Schwäne sind wieder auf dem Eis gelandet und die Landung ist gut gegangen.“ Und er schiebt noch ein „Gott sei Dank“ hinterher.

Für den Tierschützer gibt es zwei Erklärungen, warum sich Schwäne länger auf einem Fleck aufhalten. Entweder haben sie ausreichend Energiereserven oder sie haben Endoparasiten, sind innerlich verwurmt. Dann würden sie sowieso sterben.

In diesem Fall ist allerdings offensichtlich: Es geht den beiden Kandidaten gut. Eine Rettungsaktion ist nicht nötig.

Und für Frank ist auch klar: Unter keinen Umständen darf bei einer Rettungsaktion ein Menschleben gefährdet werden.

"Eisflächen nicht betreten"

Für Wirbel haben die angeblich eingefrorenen Schwäne auch bei der Stadt Bebra und der Feuerwehr gesorgt. Ordnungsamtsleiter Friedhelm Eyert wies am Mittwochmorgen, als noch nicht bekannt war, dass es den Tieren gut geht, jegliche Kritik zurück. Im Gegenteil: Er lobte die Entscheidung der Bebraer Wehr vom Dienstagmorgen, dass ein Einsatz viel zu gefährlich, nicht sinnvoll und nicht nötig sei. „Wir sind froh, dass wir in Bebra Führungskräfte in der Feuerwehr haben, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind, insbesondere gegenüber ihren Kameraden und Kameradinnen.“ 

„Vögel frieren nur dann auf dem Eis ein, wenn sie krank oder altersschwach sind“, sagte Eyert. Dann würden sie sowieso sterben und man solle der Natur da einfach ihren Lauf lassen. „Ansonsten haben die Vögel Flügel und können sich in die Lüfte erheben“, betont Eyert. Ein Rettungseinsatz sei dann völlig unnötig. Menschen dafür in Gefahr zu bringen, sei unverantwortlich. In so einem Fall sei die Stadt vom Gesetz auch nur zum Eingreifen verpflichtet, wenn die öffentliche Sicherheit und Ordnung in Gefahr sei. Das habe die aktuelle Rechtsprechung bestätigt. In diesem Zusammenhang warnt das Ordnungsamt dringend vor dem Betreten der Eisflächen oder eigenmächtigen Rettungsaktionen, wenn Tiere in Not sind. Die Eisflächen seien an vielen Stellen absolut nicht tragfähig.

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