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Bei Abriss in Weiterode entdeckter Fund ziert Ellis Saal

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Von: Wilfried Apel

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Freuen sich über ihr neues Schmuckstück, auch wenn auf ihm das H von Hersfeld fehlt: Ortsvorsteher Andreas Nölke (unter dem Fenster auf die Tafel zeigend), Restaurator Wilfried Schmidt (rechts hinter Nölke), Stadträtin Ilse Koch (rechts vor Nölke) und Stefan Nölke (unter der Tafel) mit zahlreichen dorfgeschichtlich interessierten Weiterödern. In der zweiten Zeile von unten ist zu erkennen, dass das H von Hersfeld fehlt.
Freuen sich über ihr neues Schmuckstück, auch wenn auf ihm das H von Hersfeld fehlt: Ortsvorsteher Andreas Nölke (unter dem Fenster auf die Tafel zeigend), Restaurator Wilfried Schmidt (rechts hinter Nölke), Stadträtin Ilse Koch (rechts vor Nölke) und Stefan Nölke (unter der Tafel) mit zahlreichen dorfgeschichtlich interessierten Weiterödern. In der zweiten Zeile von unten ist zu erkennen, dass das H von Hersfeld fehlt. © Wilfried Apel

Ellis Saal in Weiterode ist um ein Stück Dorfgeschichte erweitert worden. Kurz vor der Eröffnung des Dorffestes wurde die historische Tafel enthüllt.

Weiterode – Seit dem Dorffest hängt links vom Eingang zu Ellis Saal eine ganz besondere Tafel an der schmucken Außenwand des Gebäudes. Sie stammt von den alten Preußen, und dass sie gefunden, restauriert und gut sichtbar angebracht worden ist, ist zum einen ein kleines Wunder. Zum anderen ist es aber auch ein großes Trostpflaster für die vom Verlust der alten Linde, die nur ein paar Schritte weiter weg groß geworden und kürzlich von einem Sturm gefällt worden ist, gebeutelten Weiteröder.

Um der „Enthüllung“ der Tafel einen schönen Rahmen zu verleihen, fanden sich kurz vor der Eröffnung des Dorffestes Mitglieder des Kulturvereins Ellis Saal und interessierte Weiteröder auf Einladung von Ortsvorsteher Andreas Nölke am kulturellen Zentrum des größten Bebraer Stadtteils ein, um etwas zur Geschichte der Tafel zu erfahren.

Stefan Nölke, Bruder von Andreas Nölke und von Haus aus Historiker, hatte recherchiert und legte den Anwesenden dar, dass die Tafel, auf der von Weiterode, dem Regierungsbezirk „Cassel“ und der 1. in Rotenburg stationierten „Compagnie“ des 1. Bataillons des 2. Thüringer Landwehrregiments Nr. 32 die Rede ist, zwischen 1886 und 1888 angefertigt worden sein müsse.

1866 sei Kurhessen von den Preußen annektiert worden, was sich dahingehend ausgewirkt habe, dass die preußische Wehrverfassung eingeführt worden sei. Das wiederum habe zur Folge gehabt, dass Rotenburg Bataillonsstandort geworden und bis 1886 geblieben sei.

1886 sei die Bataillonsspitze jedoch nach Hersfeld verlegt worden, und zwei Jahre später, im Dreikaiserjahr 1888, sei die den Rotenburgern verbliebene „Compagnie“ nach Kassel verlegt worden. Daraus und aus den Angaben auf der Tafel ergebe sich, dass die Tafel zwischen 1886 und 1888 hergestellt und in Weiterode aufgestellt oder angebracht worden sein müsse.

Bei der Tafel handele es sich um eine von ganz vielen Truppenteiltafeln, die nach 1871 in ganz Deutschland in der Mitte der jeweiligen Kommunen aufgestellt worden seien. Auf ihr habe jeder Einwohner und jeder Durchreisende gesagt bekommen, wo und bei wem er in Friedens- wie in Kriegszeiten „militärisch zuhause“ sei. Sie sei deshalb auch Zeugnis für den nach der Reichsgründung im Jahr 1871 immer weiter um sich greifenden Militarismus.

Dass die Tafel so strahlt, wie sie wahrscheinlich noch nie gestrahlt hat, haben die Weiteröder zunächst einmal dem Rotenburger Michael Gerlach zu verdanken. Der Diplom-Ingenieur hat sie – nachdem sie wahrscheinlich jahrelang als Abdeckung eines Jauchelochs gedient hatte und beim Abriss des alten Gerlach’schen Hauses in der Weiteröder Heigernstraße entdeckt worden, irgendwie dann aber doch weggekommen war – von einem Trödler angeboten bekommen, gekauft und dann dem Dorf gespendet.

Der pensionierte Weiteröder Lokführer Wilfried Schmidt hat sie anschließend mühe- und liebevoll restauriert und in ein Schmuckstück verwandelt. Er hat alles so gelassen, wie es war, und deshalb fehlt bei der Angabe Hersfeld nach wie vor das H. Trotzdem dürfte die in Gusseisenform ausgeführte Tafel, über deren Anbringung an Ellis Saal sich alle Anwesenden freuten, weit und breit einmalig sein. (Wilfried Apel)

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