Kommentar-Flut auf Facebook

Bedroht und bepöbelt: Bebras Stadtrat nach Özil-Beleidigung unter Beschuss

Heißblütig: Bernd Holzhauer engagiert sich in der Kommunalpolitik, in der Jugendarbeit und im Sport, ist aber bekannt für markige Äußerungen.

Bebra. Nach seiner Beleidigung der DFB-Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan wird Bebras Erster Stadtrat Bernd Holzhauer auf Facebook massiv angegriffen. 

Auf der Seite des SPD-Politikers hatten sich bis zum späten Freitagnachmittag hunderte Kommentare angesammelt: Die Spanne reicht von persönlichen Beleidigungen bis hin zu Drohungen. Nun ermittelt die Polizei.

Weil Holzhauer den Beitrag, in dem die beiden Fußballer als „Ziegenficker“ bezeichnet wurden, gelöscht hatte, kommentierten die Nutzer schlichtweg ältere Beiträge des Stadtrats. 

Unter einem Post vom 12. Mai sammelten sich so rasch mehr als 100 Wortmeldungen – vehemente Rücktrittsforderungen an den Politiker von allen Ämtern zählten dabei zu den harmloseren Beiträgen.

"Bernd Holzhauer oder Bernd Höcke" 

Holzhauer wurde wiederholt als Rassist und Nationalsozialist bezeichnet. Ein Nutzer fragte: „Ist das hier Bernd Holzhauer oder doch Bernd Höcke?“ und stellte den Bebraer SPD-Stadtrat somit in direkten Zusammenhang mit dem polarisierenden AfD-Politiker Björn Höcke.

Einige Kommentarschreiber gingen jedoch deutlich weiter und drohten nicht nur Holzhauer selbst, sondern auch seiner Familie – oder wünschten ihnen den Tod. Zudem wurde Holzhauer wiederholt als Pädophiler beschuldigt. 

Nicht alle Kommentatoren waren jedoch bereit, sich der digitalen Hetzjagd anzuschließen: „Wenn ich lese, dass ihm jetzt sogar Gewalt angedroht wird, wird mir übel“, schrieb ein Nutzer.

Auch Aussagen bei Facebook machen nicht frei von Verantwortung

„Auch wer Aussagen bei Facebook veröffentlicht, muss sich im Zweifelsfall dafür verantworten – sowohl zivil- als auch strafrechtlich“, sagte Dr. Rolf Schwarz, Sprecher des Bad Hersfelder Amtsgerichts, auf Nachfrage unserer Zeitung. 

Ob bei den Äußerungen auf Facebook ein Straftatbestand vorliege und wie hoch das Strafmaß ausfallen könnte, müsse im Einzelfall ermittelt werden.

Die Flut beleidigender Kommentare ist auch der Polizei nicht entgangen: „Wir haben das zur Kenntnis genommen und sind tätig geworden“, sagte Sprecher Manfred Knoch vom Polizeipräsidium Osthessen am Freitag gegenüber unserer Zeitung.

Die Ermittlungen dauerten an, es sei durchaus möglich, die Identität der Verfasser von Facebook-Kommentaren festzustellen.

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