Autokorso und Kundgebung

200 Mitarbeiter protestieren in Bebra gegen Stellenabbau bei Continental

Mit Fahnen und Trillerpfeifen protestieren Continental-Mitarbeiter der Standorte Bebra und Mühlhausen auf dem Bebraer Mehrzweckplatz gegen den geplanten Stellenabbau bei Continental.
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Fordern einen „Fairwandel“: die Continental-Mitarbeiter aus Bebra und Mühlhausen auf dem Mehrzweckplatz in Bebra. Der Automobilzulieferer steckt mitten in einem konzernweiten Umbau.

Rund 200 Continental-Mitarbeiter haben am Mittwoch in Bebra gegen den geplanten Stellenabbau des Automobilzulieferers protestiert. Der Autokorso führte quer durch die Innenstadt.

Bebra - Dicht an dicht rollen etwa 125 Autos durch die Nürnberger Straße. Minutenlang. Es wird gehupt, Fahnen wehen: Die Mitarbeiter der Continental-Tochter Vitesco Technologies zeigen am Mittwoch mit einem Autokorso durch Bebras Innenstadt ihren Widerstand. Protestiert wird – auch bei der anschließenden Kundgebung auf dem Mehrzweckplatz – gegen den geplanten Stellenabbau beim Autozulieferer. Gut 200 Mitarbeiter aus Bebra und Mühlhausen fordern: kein platter Kahlschlag mehr.

„Wir können uns jetzt nicht zurücklehnen“, sagt Betriebsratschef Karl-Heinz Wicke mit Blick auf die jüngste Ankündigung, das Werk in Mühlhausen bis 2022 schließen zu wollen. Der Standort in Thüringen gilt als verlängerte Werkbank Bebras, 150 Arbeitsplätze sollen wegfallen. Auch in Bebra sind 200 Stellen bedroht. „Wenn der Arbeitgeber die Keule rausholt und Corona nutzt, um sich von Unliebsamen zu trennen, werden wir uns wehren“, gibt sich Wicke kämpferisch.

Stellenabbau: Protest mit Autokorso bei Continental in Bebra

Protestierende Continental-Mitarbeiter fahren in einem Autokorso durch die Nürnberger Straße in der Bebraer Innenstadt.
Protestierende Continental-Mitarbeiter fahren in einem Autokorso durch die Nürnberger Straße in der Bebraer Innenstadt.
Protestierende Continental-Mitarbeiter fahren in einem Autokorso durch die Nürnberger Straße in der Bebraer Innenstadt.
Protestierende Continental-Mitarbeiter fahren in einem Autokorso durch die Nürnberger Straße in der Bebraer Innenstadt.
Stellenabbau: Protest mit Autokorso bei Continental in Bebra

Als der Autokorso am Conti-Standort im Industriegebiet aufbricht, läuft im Führungsfahrzeug lautstark der Sommerhit „Bella Ciao“ – ursprünglich ein altes Partisanenlied. Wer mit den Teilnehmern spricht, merkt schnell: Die Stimmung ist geknickt bis wütend. „Es ist aber noch nicht bei allen angekommen“, sagt Marina Stach, die seit 2000 bei Conti in Bebra in der Logistik arbeitet. Sie hofft, dass durch den Autokorso alle den Ernst der Lage begreifen.

Organisiert hat den Protest die IG Metall. Die Gewerkschaft rechnete mit 70 Teilnehmer-Autos. Auch deshalb kommt es laut Polizei zu einem kurzzeitigen Stau, weil die Fahrzeuge, die im Kreisel vor dem Einkaufszentrum eine Ehrenrunde drehen, auf Nachrücker treffen. In den kommenden Wochen sollen weitere Standorte Bebras Protest-Beispiel folgen.

Gewerkschaft wirft Continental-Spitze Missmanagement vor

Am heutigen Donnerstag ist ein Fußmarsch durch Mühlhausen geplant. Für Stephan Istenhuth ist die Teilnahme in Bebra mit einigen thüringer Mitstreitern daher eine Art Probelauf. Der Betriebsrat arbeitet 2021 seit 15 Jahren in Mühlhausen. „Erst waren wir einfach geplättet“, sagt er über das Aus des Standortes. Jetzt werde gefragt: „Was können wir tun?“

Geht es nach Elke Volkmann: Alternativen suchen. Die Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Nordhessen wirft dem Continental-Vorstand Missmanagement vor, es dürfe keine Schnellschüsse bei Standortschließungen und Stellenabbau mehr geben. Stattdessen müsse etwa über die Vier-Tage-Woche diskutiert werden. Die Krise werde zum Großreinemachen missbraucht. Dass der Wegfall von Mühlhausen auch Auswirkungen auf Bebra habe, liege auf der Hand.

Neben den heimischen SPD-Landtagsabgeordneten Karina Fissmann und Torsten Warnecke gehört auch Bürgermeister Stefan Knoche zu den Teilnehmern auf dem Mehrzweckplatz: „Was früher die Bahn war, ist heute Conti. Jeder in Bebra hat jemanden in der Verwandtschaft, der dort arbeitet“, sagt er über Bebras größten Arbeitgeber mit rund 900 Beschäftigten. Von seinem Vorgänger Horst Groß habe er gelernt: Jeder Tag, an dem Continental nicht in der Zeitung stehe, sei ein guter Tag. Das hat mit dem Protest in Bebra nicht geklappt. (Von Clemens Herwig)

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