Politik will für mehr Sicherheit sorgen

Ärger ums Elterntaxi an Bebras Schulen

Zu den Stoßzeiten wird es an der Gesamtschule am Bünberg schnell unübersichtlich. Erst im August zog sich ein 12-Jähriger bei einem Unfall Prellungen zu.
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Zu den Stoßzeiten wird es an der Gesamtschule am Bünberg schnell unübersichtlich. Erst im August zog sich ein 12-Jähriger bei einem Unfall Prellungen zu.

Das Aufregerthema „Elterntaxi“ schwelt auch in Bebra schon länger: Einhellig berichten die Brüder-Grimm-Gesamtschule am Bünberg und die Grundschule an der Luisenstraße, dass es zu den Bring- und Abholstoßzeiten stellenweise zu „chaotischen Zuständen“ vor den Schulgebäuden kommt.

Bebra – Ein Unfall Ende August, bei dem ein Schüler leicht verletzt wurde, hat nun erneut die Politik alarmiert: Die Stadt soll prüfen, wie die Situation entschärft werden kann, so der einstimmige Beschluss bei einer Enthaltung im Parlament am Donnerstag.„Wir brauchen eine zeitnahe Lösung“, betonte Christina Kindler, die den Antrag für die SPD vorstellte. Zwar gebe es Pläne im Zuge der Stadterneuerung im Göttinger Bogen – etwa ein sogenannter „Kiss&Ride“-Parkplatz für Eltern, die ihre Kinder zur Schule fahren und abholen. „Das hilft aber den anderen Schulen nicht“, so Kindler. Die Sozialdemokratin und Schulsozialpädagogin war am 26. August selbst Zeugin eines Unfalls am Bünberg. Dabei wurde ein 12-Jähriger beim Überqueren der Fahrbahn vor der Schule angefahren, stürzte und verletzte sich leicht. Die Fahrerin einer Mercedes A-Klasse hatte den Jungen übersehen und rollte, als der 12-Jährige wieder aufstand, in der Schlange der Elterntaxen weiter, ohne ihre Personalien zu hinterlassen. Die Ermittlungen dauern an, heißt es dazu von der Polizei.

Der Magistrat soll nun mit den Schulleitungen in der Kernstadt sowie in Weiterode und Breitenbach Kontakt aufnehmen und etwa Kurzzeitparkplätze für Eltern oder das Einrichten einer Wendeschleife prüfen lassen.

Dringender Handlungsbedarf bestehe auch, so die Argumentation der SPD, weil viele Eltern in Corona-Zeiten noch eher dazu neigten, ihre Kinder vor der Schule abzusetzen, um volle Busse zu vermeiden. „Es gibt Anträge, denen kann man einfach nicht widersprechen“, schloss sich Michael Gauler für die CDU an. Ulrich Völke (Gemeinsam) wies darauf hin, dass rund um die Luisenstraße auch die Situation der dort ansässigen Förderstätten sowie der August-Wilhelm-Mende-Schule zu berücksichtigen seien.

Auch Bebras neugegründete Verkehrskommission wird sich mit den Elterntaxen befassen: Das Beratungsgremium tagt am 22. September, die Schulvertreter werden das Thema zur Sprache bringen, heißt es vom Bünberg. Denn die Schulen haben ihre Möglichkeiten ausgeschöpft: In der Luisenstraße etwa werden ab der vierten Stunden Hütchen aufgestellt, um den als Wendekreisel genutzten Parkplatz zu blockieren. Die sechsten Klassen der Gesamtschule werden zum Hintereingang rausgelassen. „Ich kann ohne bauliche Änderungen nur an die Vernunft der Eltern appellieren“, sagt Grundschulleiterin Inis Rabe.

„Der Unfall macht klar: Es muss gehandelt werden“, sagt Reinhard Rost, Jahrgangsleiter der Stufen fünf und sechs an der Brüder-Grimm-Gesamtschule. Rund 200 Schüler besuchen die Zweigstelle auf dem Bünberg. Für die Kinder sei es besonders zu den Stoßzeiten zwischen 7.45 Uhr bis kurz nach Unterrichtsbeginn und am Nachmittag ab 13.20 Uhr gefährlich. Innerhalb von 20 Minuten würden bis zu 40 Eltern in ihren Autos vorfahren, um für die Schüler Taxi zu spielen. „Teilweise ist es unübersichtlich“, so Rost.

Die Corona-Pandemie sei der Situation sicherlich nicht zuträglich. Auffällig allerdings: Besonders die Kinder aus der näheren Umgebung der Schule werden gefahren. „Die Schüler aus Rotenburg und Alheim kommen oft mit Zug und Bus“, sagt der Jahrgangsleiter.

„Die Situation ist nach wie vor chaotisch“, bestätigt auch Inis Rabe, Schulleiterin der Brüder-Grimm-Grundschule mit etwa 360 Schülern. Die Elternbriefe zum Thema könne sie bereits nicht mehr zählen. Das „Durchfahrt verboten“-Schild auf den Parkplatz werde konsequent ignoriert und Busse blockiert, zu Stoßzeiten drängelten innerhalb von 30 Minuten bis zu 100 Autos durch die Luisenstraße. Eine spontane Stichprobe in den Schulklassen habe jetzt ergebe, dass gut die Hälfte der Kinder aus der Umgebung von ihren Eltern gefahren werden. Die Begründung: Den Kindern werde offenbar der Schulweg nicht zugetraut, so Rabe. (Clemens Herwig

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