Arbeiten dauerten das ganze Osterwochenende

Spektakulärer Abriss bei Bebra: B83-Brücke wurde in 25 Teile geschnitten

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Tonnenschwere Brückenteile: Weil die Bahnstrecke Bebra-Kassel unter dem Bauwerk nur knapp vier Tage gesperrt werden konnte, wurde die Brücke nicht wie üblich von Baggern kaputtgehämmert, sondern nach einem genau festgelegten Plan in 25 Einzelteile zersägt.

Mit einem ausgeklügelten Verfahren wurde die marode Spannbetonbrücke über die Bahnanlage an der B 83 bei Bebra über Ostern zurückgebaut. Sie weicht einem Neubau.

Von Wilfried Apel

Am Osterwochenende wurde es ernst beim Großprojekt rund um den Abriss und Neubau der B83-Brücke über die Bahnanlagen zwischen Bebra und Lispenhausen: Das mit Nachunternehmen 75-köpfige Team des Bebraer Brückenbauspezialisten und Generalunternehmers Gerdum und Breuer war vom frühen Freitagmorgen an damit beschäftigt, das alte Bauwerk abzubrechen. Mit einem neuen, ausgeklügelten Verfahren, bei dem die Brücke in einzelne Teile zerschnitten wurde.

Der Ausgangspunkt am am Donnerstagabend: Der auf der Südwest-Seite platzierte Raupenkran muss noch fertig aufgebaut werden. Links im Hintergrund sind der ehemalige Umladebahnhof und der Alheimer zu erkennen.

Beim üblichen Abrissverfahren wird die Brücke von Baggern kaputtgehämmert, fällt in Brocken nach unten und wird abtransportiert. Das Bauwerk in Bebra wurde dagegen zerschnitten, die Teile mithilfe von zwei sogenannten Raupenkranen nach oben gehoben und am Rande der Baustelle zum Zerkleinern und Abtransportieren abgelegt. 

Die Brücke wurde in viele tonnenschwere Einzelteile zerschnitten

Drei große Mittelplattenteile waren am Samstagmorgen von den Spezialisten der Tanner Firma Dia-Top aus der Brücke herausgeschnitten und gut verpackt von den Raupenkranführern hoch- und weggehoben worden – sodass die dem Abbruch geweihte Brücke rund elf Stunden lang drei übergroße Löcher hatte, die an ein überdimensionales Plumpsklo erinnerten.

Abriss statt Eiersuche: Der Blick auf die Brücke am Samstagmorgen. 

Der Rückbau, der in weiteren 22 Teilschritten erfolgte, verzögerte sich, weil während der Betonschneide-Arbeiten wegen unvorhergesehener Probleme ein Umbau an der Schneidemaschine vorgenommen werden musste. Dann war aber der erste der drei etwa 80 Tonnen schweren Randbalken an der Reihe. „Jetzt wird der finale Schnitt gemacht“, erläuterte Heiko Wolter vom Weimarer Ingenieurbüro IGS Ingenieure, der die Arbeiten in Anwesenheit von Peter Wöbbeking, des regionalen Bevollmächtigten der Straßenbehörde Hessen Mobil, überwachte.

Durch den Bahnverkehr war das Zeitfenster für die Arbeiten eng

Obwohl es immer noch „einige Viertelstunden“ dauerte, bis der Randbalken vom Kranführer vorsichtig in die Höhe gehoben, mithilfe von Führungsseilen in die richtige Richtung gezogen und weggeschwenkt wurde, war Wolter guter Dinge. Ähnlich war es bei seinem Kollegen Bernd Bachmann. Für den in der Bauoberleitung tätigen Breitenbacher war der Abriss ein „Heimspiel“ und, wie er am Montag auf Nachfrage erklärte, die Baustelle konnte um 14 Uhr planmäßig an die Bahn übergeben werden.

Die Arbeiten am Osterwochenende erforderten Präzision, etwa bei der stählernen Traverse, an der die Stahlseile angebracht sind, an denen das ausgeschnittene Brückenteil hochgehoben werden kann.

Dass die als marode eingestufte Brücke auf vergleichsweise ungewöhnliche Weise beseitigt werden musste, lag daran, dass die Bahn nur ein begrenztes Zeitfenster für den Abriss zur Verfügung stellen konnte. Der Betrieb auf der während der Baumaßnahme komplett gesperrten, viel befahrenen Kasseler Strecke musste spätestens am Montagabend wieder aufgenommen werden. Die an der Brücke befestigte Oberleitung war deshalb auch schon vorher abgenommen und, an neuen Masten befestigt, neu gespannt worden.

Hintergrund: Großprojekt für etwa 25 Millionen Euro

Für Rückbau und Neubau der B-83-Brücke über die Bahnstrecke Bebra-Kassel sowie die dadurch nötige Umleitung über das Bebraer Industriegebiet sind Kosten in Höhe von rund 26 Millionen Euro veranschlagt. Das neue Bauwerk soll ab Anfang Mai entstehen und ist auf eine Lebensdauer von 100 Jahren ausgelegt. 

Beim Rückbau der alten Brücke – der nach einem Abbruchkonzept erfolgte, das laut Geschäftsführer Jörg Gnauert von Gerdum und Breuer komplexer ist als eine Neubaustatik – wurden rund 2500 Tonnen Beton abgebrochen. Das schwerste der 25 ausgeschnittenen Einzelteile hatte ein Gewicht von über 120 Tonnen. 

Für die Baumaßnahme, die rund um die Uhr im Zwei-Schicht-Betrieb ausgeführt wurde, waren umfangreiche Abstimmungen erforderlich. Die Sperrpause musste bei der Bahn drei Jahre vorher angemeldet werden. Die beiden eingesetzten Raupenkrane der Firma Franz Bracht wurden per Lkw transportiert und aus jeweils 30 Lkw-Ladungen zusammengebaut. In Bebra waren sie mit einer Hebekraft von etwa 350 Tonnen im Einsatz – maximal sind bis zu 650 Tonnen möglich.

Brücke über Bahnstrecke Bebra-Kassel wird über Ostern abgerissen

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