Virtuelle Währung

Banken im Kreis Hersfeld-Rotenburg warnen Kunden vor dem Bitcoin-Hype

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Spekulationsobjekt: Die Banken im Kreis Hersfeld-Rotenburg haben kein Interesse an der virtuellen Währung Bitcoin.

Hersfeld-Rotenburg. Trotz des rasanten Kursanstiegs der Bitcoins warnen Finanzexperten aus dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg vor der Kryptowährung.

„Der Bitcoin ist ein Spekulationsobjekt und ein reiner Hoffnungswert“, sagt Wolfgang Kurth von der Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg.

Immer wieder würden Kunden fragen, ob sich der Bitcoin nicht als Wertanlage eigne. Mittlerweile hat es die Kryptowährung wieder über die 10.000 Dollar-Marke geschafft: Der Kurs des Bitcoin lag am Montag bei 11.500 US-Dollar (1 Dollar = 0,81 Euro). Erst im Dezember hatte er sein Rekordhoch von 20.000 Dollar erreicht, bevor Anfang Februar der dramatische Absturz auf 6000 Dollar folgte.

Ähnlich wie die Sparkasse steht auch der VR-Bankverein Bad Hersfeld-Rotenburg dem Bitcoin skeptisch gegenüber: „Bei den inoffiziellen und vollkommen unabgesicherten Kryptowährungen geht es in erster Linie um Glaube, Spekulation, Interpretation – und allzu häufig auch um falsche Versprechungen, die mit unserer Geschäftspolitik vollkommen unvereinbar sind“, sagt Sprecher Marco Groß.

Hochriskant & nicht stabil 

Bitcoins schätze man im Vorstand des VR-Bankvereins als hochriskant ein und wolle sich auch nicht weiter dazu äußern. Wolfgang Kurth von der Sparkasse trennt den Bitcoin klar von gesetzlichen Zahlungsmitteln: „Bitcoins unterliegen keiner institutionellen Kontrolle. Damit ist keine Wertstabilität gegeben wie bei dem Euro oder Dollar“. Die Technologie dahinter, die sogenannte Blockchain, finde er hingegen „hochgradig spannend“.

Zur Vorsicht rät auch die Verbraucherzentrale Hessen: „Gefährlich ist nicht nur der schwankende Kurs, sondern auch die Vielzahl an betrügerischen Anbietern, die den Hype ausnutzen und gutgläubige Privatpersonen in dubiose Investitionen locken“, warnt Wolf Brandes von der Verbraucherzentrale.

Hintergrund: Bitcoins eine von mehr als 1300 virtuellen Währungen

Bitcoin ist die bekannteste von mehr als 1300 Kryptowährungen und wurde angeblich 2009 von einem Softwareentwickler namens Satoshi Nakamoto geschaffen. Dessen Identität ist allerdings bis heute ungeklärt. Bei Bitcoins handelt es sich nicht um Scheine oder Münzen, sondern um verschlüsselte Datenblöcke, die von Computersystemen auf der ganzen Welt produziert werden. 

Der Wert eines Bitcoins ergibt sich aus dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage, was ein Grund für den stark schwankenden Kurs der Cyberwährung ist. War ein Bitcoin in seiner Anfangszeit nur wenige Cent wert, kostete eine Bitcoin-Einheit am gestrigen Montag 11.540 Dollar.

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Fragen und Antworten zum Thema

Spätestens seit seinem fulminanten Höhenflug im Dezember 2017 ist der „Bitcoin-Boom“ nicht mehr aufzuhalten. Während immer mehr Kleinanleden schnellen Profit wittern, erntet die Kryptowährung heftigen Gegenwind von Finanzexperten auf der ganzen Welt. Auch die Vertreter der Geldinstitute in der Region raten ihren Kunden von einem Handel mit Bitcoins ab, der Kurs sei „viel zu volatil“ und der Bitcoin „völlig ungeeignet als Anlageobjekt“, so Wolfgang Kurth von der Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg. „Da kann man sein Geld genauso gut auf der Pferderennbahn anlegen“, meint der Experte für Vermögensanlagen.

Alle reden vom Bitcoin – was ist das eigentlich? 

Fakt ist: Man kann ihn nicht anfassen. Hinter dem Bitcoin stecken keine Münzen oder Scheine. Auch wird er nicht von den Zentralbanken, sondern durch Rechenvorgänge von Computernutzern auf der ganzen Welt erzeugt. Mit der Zeit werden die Rechenprozesse immer komplizierter, um den Bitcoin knapp zu halten und eine Inflation zu verhindern. Sogenannte „Miner“, also „Schürfer“ stellen die Rechenleistung ihres Computers zur Verfügung, um damit „Bitcoins“ zu erschaffen. Entlohnt werden sie mit digitalen Bitcoins. Inzwischen gibt es große Mining-Farmen, 80 Prozent davon befinden sich in China. Hinter diesen Rechenzentren stehen leistungsstarke Hardwares, die wiederum entsprechend viel Energie fressen. Und: Je komplizierter die Rechnungen werden, desto höher ist auch der Stromverbrauch. 2020 wird das Mining Berechnungen zufolge so viel Strom verschlingen wie die ganze Welt. Bitcoin ist also alles andere als umweltfreundlich. ? Was hat es mit Blockcain auf sich? !Hinter Bitcoin steht die sogenannte Blockchain-Technologie. In der Blockchain (zu deutsch: Blockkette) sind alle jemals getätigten Bitcoin-Transaktionen abgespeichert und öffentlich einsehbar. Mit Verschlüsselungstechniken wird gewährleistet, dass nur die Eigentümer der Bitcoins Transaktionen vornehmen können. Ein solches „digitales Haushaltsbuch“ ist transparent und dadurch absolut fälschungssicher.

Werden Banken bald überflüssig sein? 

Viele schreiben der Blockchain-Technologie das Potenzial zu, Zwischeninstanzen wie die Bank überflüssig zu machen. Wolfgang Kurth von der Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg sieht diese Gefahr noch nicht. Im Gegenteil: „Hinter der Blockchain steckt – anders als beim Bitcoin – eine Idee mit Zukunft, die wir früher oder später als Bank selbst nutzen könnten. Wegen der hohen Sicherheitsmaßnahmen würde beispielsweise das Eingeben einer Pin überflüssig werden“, so Kurth. Aktuell stecke die Technologie aber noch in den Kinderschuhen. Auch bezahlen lässt sich mit Bitcoins nur vereinzelt in Restaurants oder Cafés, die das digitale Zahlungsmittel akzeptieren.

Wer kann überhaupt Bitcoins kaufen?

In den Bitcoin-Handel einsteigen kann jeder, der eine Bankverbindung besitzt. Die wird auf einem Internet-Marktplatz hinterlegt und mit einem sogenannten „Wallet“, also einer digitalen Geldbörse verknüpft. Das geht schnell und kostet den privaten Anleger nichts. Allerdings tummeln sich unter den Bitcoin-Anbietern im Internet auch schwarze Schafe, die sich die Goldgräber-Stimmung zunutze machen wollen.

Wie erkenne ich einen unseriösen Anbieter? 

„Unternehmen und Privatpersonen kontaktieren Verbraucher per E-Mail, Facebook oder Whatsapp und versprechen hohe Renditen“, berichtet Wolf Brandes, Leiter des Projekts „Marktwächter“ bei der Verbraucherzentrale Hessen. „Die Zahl der Beschwerden von Verbrauchern, die über das Internet kontaktiert werden, sind im vergangenen Jahr deutlich gestiegen.“, berichtet Brandes. „Einige Verbraucher kommen zu uns, weil sie von Inkassobüros bedrängt werden.“ Das Problem: In den meisten Fällen haben die Anbieter ihren Sitz im Ausland. Über diese Distanz zu klagen, ist nicht nur mühsam, sondern oftmals auch erfolglos. „Einen seriösen Anbieter erkennt man an einem vollständigen Impressum und einem transparenten Geschäftsmodell“, erklärt Brandes, der die Faszination rund um den Bitcoin und den Wunsch von Verbrauchern, „das auch mal auszuprobieren“, verstehen kann: „Mit einer Geldanlage hat das allerdings wenig zu tun.“

Was raten die Banken ihren Kunden?

„Wir erarbeiten gemeinsam mit unseren Kunden die individuell passende Strategie, wie man sein sauer verdientes Geld am besten anlegt und für sich arbeiten lässt“, sagt Marco Groß vom VR-Bankverein. Ähnlich händelt es die Sparkasse Hersfeld-Rotenburg: „Es gibt kein besseres Anlageobjekt als die Aktie. Und mit der hat Bitcoin nichts zu tun“, so Wolfgang Kurth. „Sicherer wäre es, Bitcoins nicht direkt zu kaufen, sondern in Unternehmen zu investieren, die aktuell vom Bitcoin-Boom profitieren.“ So investiere man zumindest in etwas „Greifbares“.

Quelle: HNA

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