Offizielle Saison beginnt am 1. Juli

Badeseen im Landkreis behalten ihre Sterne

Beliebt bei Wasserskifahrern: Der Kirchheimer See im Seepark. Foto: Miehe/Archiv

Hersfeld-Rotenburg. In fast allen hessischen Badeseen können Wasserratten bedenkenlos schwimmen – das gilt weiterhin auch für die beiden offiziellen EU-Badegewässer im Landkreis: den Fuldasee in Bebra-Breitenbach an der B 27 und den See im Kirchheimer Seepark zwischen Kemmerode und Reimboldshausen.

Hersfeld-Rotenburg. Zwei offizielle Badeseen gibt es im Kreis Hersfeld-Rotenburg: den Fuldasee in Bebra-Breitenbach – auch Breitenbacher See genannt – und den See im Seepark in Kirchheim. Betreiber sind die Kommunen.

Der Breitenbacher See wird erneut mit drei von drei möglichen Sternen bedacht, was einer „ausgezeichneten Qualität“ entspricht. So ist es auf der Homepage des Landesamts für Naturchutz, Umwelt und Geologie nachzulesen. Auf „nur“ zwei Sterne kommt – ebenfalls wie in den Vorjahren – der Kirchheimer Seepark. Das entspricht einer „guten Qualität“. Allerdings beziehen sich die Angaben auf Daten und Proben der Vergangenheit, denn die ersten Proben für dieses Jahr werden erst kurz vor Beginn der Badesaison genommen, wie Kreissprecher Pelle Faust erläutert. Die offizielle Saison beginnt an beiden Seen am 1. Juli und endet am 31. August. 

Der Fachdienst Gesundheit beim Landkreis ist zuständig für die Umsetzung der sogenannten Badegewässerverordnung und die Überwachung der Badeseegüte. Pro Saison gibt es laut Gesundheitsaufseher Björn Spangenberg mindestens vier Routinekontrollen. Entnommen werden die Proben ab sofort von einem akkreditiertem Labor. Bisher hatte sich der Kreis selbst um die Entnahme gekümmert. In einem Kasseler Labor werden die Proben aus Bebra und Kirchheim auch untersucht. Bis das Ergebnis vorliegt, dauere es im Schnitt 48 Stunden. Getestet wird das Wasser auf zwei Indikatorkeime: Escherichia coli – kurz: E-coli – und intestinale Enterokokken. Dem Kirchheimer See hängt immer noch der Starkregen von 2014 nach, der sich negativ auf die Qualität ausgewirkt hatte. 

In Bebra war das Baden Ende August 2017 für einige Tage untersagt, nachdem erhöhte Bakterienwerte festgestellt worden waren. Die Einstufung beeinflusst hat das aber nicht.

Badegewässer in Hessen

In ganz Hessen gibt es über 60 Badegewässer, wobei nicht jeder Weiher, in dem gelegentlich gebadet wird, ein Badesee ist. Die meisten der 61 Seen mit ihren 63 Badestellen öffnen zwischen 1. Mai und 1. Juni. Die EU-Badegewässer-Richtlinie fordert, dass Oberflächengewässer, an denen mit vielen Badenden zu rechnen ist, als EU-Badegewässer gemeldet, überwacht und bewirtschaftet werden. Zuständige und prüfende Behörde ist das jeweilige Gesundheitsamt. Gemeldet wird der See beim Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Unter anderem muss das Gewässer regelmäßig mikrobiologisch untersucht werden.

Hersfeld-Rotenburg. Zwei offizielle Badeseen gibt es im Kreis Hersfeld-Rotenburg: den Fuldasee in Bebra-Breitenbach – auch Breitenbacher See genannt – und den See im Seepark in Kirchheim. Betreiber sind die Kommunen.

Doch auch wenn beide Seen als EU-Badegewässer gemeldet sind und die Wasserqualität regelmäßig überprüft wird: Das Schwimmen erfolgt auf eigene Gefahr. Es gibt keine dauerhafte Aufsicht, wie beide Kommunen stets betonen.

Das Wichtigste rund um die Seen und die Wasserqualität in Kürze:

Welches Profil haben die Seen im Landkreis?

Der Fuldasee in Breitenbach hat laut des Badegewässerprofils, wie es auf der Homepage des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) nachzulesen ist, eine Fläche von 13,7 Hektar. Die mittlere Tiefe beträgt 4,44 Meter, die maximale Tiefe 6,6 Meter. Bei dem See handelt es sich um einen Baggersee. Als Freizeitaktivitäten werden Baden, Segeln, Sporttauchen und Windsurfen angegeben. Die Blaualgen-Gefahr wird mit mittel angegeben.

Beim Kirchheimer See handelt es sich um eine aus Gründen des Hochwasserschutzes erbaute Talsperre. 8,4 Hektar beträgt die Fläche laut des Badegewässerprofils. Die mittlere Tiefe wird mit fünf Metern angegeben, die maximale mit acht. Angelsport, Baden und Wasserski sind mögliche Freizeitaktivitäten. Auch in Kirchheim wird die Gefahr einer zukünftigen Massenentwicklung von Blaualgen (Cyanobakterien) als mittel eingeschätzt.

Was regelt die EU-Badegewässerrichtlinie?

Die EU-Badegewässerrichtlinie legt europaweit einheitliche Untersuchungsverfahren fest, nach denen die hygienische Wasserqualität in Badeseen zu erfassen ist, heißt es im aktuellen Faltblatt „Badegewässer in Hessen“ des HLNUG. Es gibt zwei Untersuchungsparameter, die einen direkten Bezug zu gesundheitlichen Risiken beim Baden haben. Dabei handelt es sich um spezielle Indikatorkeime –Escherichia coli und intestinale Enterokokken – deren Konzentration im Wasser nach Verunreinigung mit Fäkalien ansteigt. Die Beprobung der Seen muss über die gesamte Badesaison stattfinden, wobei der Zeitraum zwischen zwei Proben nicht länger als ein Monat sein darf. Die EU-Badegewässer-Richtlinie wurde mit der hessischen Badegewässerverordnung in Landesrecht umgesetzt.

Die Beschreibung der Seen im Badegewässerprofil ist ebenfalls durch die EU-Badegewässerrichtlinie gefordert.

Idyllisch: Der Fuldasee in Breitenbach. Foto: Schankweiler-Ziermann/Archiv

Welche Güteklassen gibt es bei der Einstufung?

Die Badegewässer werden mit Blick auf die hygienische Wasserqualität in vier Güteklassen eingeteilt: Ausgezeichnete Gewässer (drei Sterne) haben stets eine sehr niedrige Konzentration dieser Indikatorkeime, gute (zwei Sterne) sind aus hygienischer Sicht noch unbedenklich, während in ausreichenden Badegewässern (ein Stern) häufiger erhöhte Keimzahlen auftreten und in mangelhaften aus Gründen des Gesundheitsschutzes vom Baden dringend abgeraten wird.

Die Einstufung orientiert sich nicht mehr, wie bis vor einiger Zeit üblich, allein an Grenzwerten, sondern setzt statistische Verfahren auf der Basis von mindestens 16 Untersuchungsergebnissen – in der Regel aus den vorangegangenen vier Jahren – ein. So würden gezielt Gewässer identifiziert, an denen kurzfristig Fäkaleinträge auftreten können, bei sonst unproblematischer Wasserqualität. Gute Badegewässer sollten sich in einem stabilen Gleichgewicht befinden und dauerhaft frei sein von Verunreinigungen mit Fäkalkeimen, erklärt das HLNUG.

Wie schneiden die Seen in Hessen ab?

Fast alle Badessen in Hessen haben eine ausgezeichnete oder gute Qualität. Ein „Mangelhaft“ bekam zuletzt die Badestelle Werratalsee in Eschwege, weshalb dort seit 1. Mai nicht mehr gebadet werden darf. Nur ein „Ausreichend“ bekam auch die zweite Badestelle des Sees am Ostufer.

Warum sind die Seen manchmal trüb?

Das Wasser in den Seen ist natürliches Oberflächenwasser, das als Lebensraum für Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen dient, und nicht wie im Schwimmbad gechlort oder aufbereitet wird. Wenn besonders viele Nährstoffe vorkommen, wachsen die Wasserpflanzen besonders schnell und dicht, heißt es im Faltblatt des HLNUG. Und weiter: Im Wasser gibt es mikroskopisch kleine Planktonalgen, die bei Massenvermehrungen die Sichttiefe erheblich vermindern können, oder auch größere Pflanzen, die entweder frei im Wasser schwimmen oder im Boden wurzeln. Schlingpflanzen gebe es in den mitteleuropäischen Seen aber definitiv nicht – die Blätter reißen ab, sobald ein Schwimmer sich darin verfängt. Auch die größeren Pflanzen stellen somit keine Gefahr dar.

Was ist die sogenannte Blaualge?

An manchen Badeseen können zeitweise Blaualgen vorkommen. Diese urtümlichen, mikroskopisch kleinen Organismen – so genannte Cyanobakterien – können bei Massenvermehrungen unter bestimmten Umweltbedingungen Ausscheidungsprodukte ins Wasser abgeben, die bei empfindlichen Menschen Hautreizungen oder Allergien hervorrufen können, erklären die Experten des HLNUG. In sehr hohen Konzentrationen könne es beim Verschlucken von größeren Wassermengen sogar zu Vergiftungserscheinungen kommen. Das Gesundheitsamt rät deshalb bei Massenvermehrungen von verdächtigen Blaualgenarten vom Baden ab. Eltern sollten dann ihre Kinder auch nicht im Uferbereich spielen lassen.

Welche weiteren Badeseen gibt es in der Nähe?

!Eine Übersicht über alle Seen in Hessen inklusive Bewertung und Beschreibung ist ebenfalls auf der Internetseite des HLNUG unter www.hlnug.de zu finden (Rubrik: Badegewässer) – darunter beispielsweise der Silbersee in Frielendorf, der Neuenhainer See in Neuental und die Stockelache zwischen den den Borkener Stadtteilen Kleinenglis, Kerstenhausen und Arnsbach im Schwalm-Eder-Kreis. Ein Ziel in der Rhön ist der Guckaisee im Naturpark Hessische Rhön bei Poppenhausen (Landkreis Fulda). (nm)

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