Kunstwerke aus Styropor

Bad Hersfelder Festspiele: Die Requisite bastelt Torten, besorgt Boote und mehr

Da wird die Requisitenwerkstatt zur Backstube: Laura Heider (links) und Requisiten-Leiterin Doris Engel mit der „Mäusetorte“ für das Stück „Lenas Geheimnis“

Bad Hersfeld. Buletten, Törtchen, Cupcakes und Pfannkuchen: In der Requisite der Bad Hersfelder Festspiele wird an einer ganz speziellen Leckerei gearbeitet.

Für das Kinderstück „Lenas Geheimnis“ von Franziska Reichenbacher fertigt Laura Heider eine aus etwa 30 bis 40 Einzelteilen bestehende „Mäusetorte“ an.

Wie diese einmal aussehen soll, wenn sie fertig ist, ist auf einer von der Bühnenbildnerin angefertigten Vorlage zu sehen. Insgesamt fünf bis sieben Tage arbeitet Heider an dem Objekt. Die 25-Jährige hat Theatermalerei in Dresden studiert und ist zum ersten Mal bei den Festspielen dabei.

Theater- beziehungsweise Bühnenplastik kann man studieren, auch eine entsprechende Ausbildung gibt es. In der Festspiel-Requisite sind jedoch Mitarbeiter aus verschiedenen Berufen tätig, die sich gegenseitig gut ergänzen, wie Leiterin Doris Engel berichtet. Unterstützt wird das vierköpfige Team von mehreren Aushilfen.

Die „Mäusetorte“ besteht zum Großteil aus Styropor und Bauschaum. „Das Theaterplastikmaterial schlechthin“, wie die Profis sagen. Leicht, wasserfest und hitzebeständig muss die übergroße Köstlichkeit für ihren Einsatz sein. Und: „Sie muss bespielbar, das heißt nutzbar sein“, sagt Doris Engel. Denn von der Torte soll auch genascht werden, verrät die Requisiten-Leiterin, die von einem „Kunstwerk aus diversen Süßig- und Herzhaftigkeiten“ spricht.

1,20 Meter hoch ist die Torte, die unten einen Durchmesser von 60 Zentimetern hat. Die Größe ist notwendig, schließlich sind es kleine Mäuse, die in dem Stück eine wesentliche Rolle spielen. „Wichtig ist bei allen Objekten außerdem, dass sie von Nahem nicht allzu künstlich aussehen, aber auch von Weitem noch erkannt werden“, erklärt Engel.

Handarbeit: Laura Heider beim Gestalten eines Tortenstücks.

Anne Klöppel arbeitet parallel an einem überdimensionalen Stecker, dabei kommen unter anderem Blumentöpfe zum Einsatz. Klöppel ist gerne in Baumärkten unterwegs, um sich inspirieren zu lassen und geeignetes Material zu finden. „Auch in der Sanitärabteilung wird man fündig“, sagt sie. Man muss nur kreativ sein. Ein übergroßes Wollknäuel und eine Thermoskanne werden ebenfalls noch angefertigt.

Doris Engel und ihr Team sind aber natürlich nicht nur für „Lenas Geheimnis“ zuständig, sondern für alle Festspiel-Stücke. Unter anderem wurden für die Bootsszene in „Shakespeare in Love“ mehrere große blaue Stoffbahnen zusammengenäht und ein Boot in Bamberg besorgt, dem anschließend eine Holzoptik verpasst wurde. Ein kleines Kunstwerk ist auch das originelle Klapphimmelbett.

Für „Peer Gynt“ wurde das „Papamobil“ des Luther-Stücks von 2017 in einen tarnfarbenen Jeep verwandelt, und manchmal wird die Requisite sogar zur Theater-Küche. So färbt das Team etwa den Gurkensalat für „Indien“ extra grün und bereitet die Schnitzel für das Eichhof-Stück vor. Der Eisklumpen für „Titanic“ war diesmal ebenfalls echt und wurde in einem kleinen Eisschrank aufbewahrt.

Weggeworfen wird in der Requisite übrigens nichts, denn fast alles kann man nochmal gebrauchen. (nm) 

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