Coronavirus im Kreis Hersfeld-Rotenburg

Konfirmationen: Das große Fest wird aufgeschoben - Gefeiert werden soll im Herbst

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Konfirmationen und Grüße dazu müssen warten: Auch im Kirchenkreis Hersfeld-Rotenburg wird der Festakt verschoben.

Alle Konfirmationen im Kirchenkreis Hersfeld-Rotenburg sind wegen Corona abgesagt worden. Pfarrer, Eltern und Konfirmanden sehen das gelassen, für die Gastronomie ist ein Problem.

Eigentlich beginnt jetzt die Zeit der Konfirmationen – doch auch im Kirchenkreis Hersfeld-Rotenburg reagieren die Gemeinden auf die Coronakrise und haben ihre Festgottesdienste verschoben. Manche haben bereits neue Termine im Herbst festgelegt, andere warten noch die weitere Entwicklung ab. Offenbar stößt die Entscheidung der Kirchenvorstände weitestgehend auf Akzeptanz bei Konfirmanden und Eltern.

„Die Konfirmation ist ein großes Fest in der Kirche und auch in der Familie“, sagt Dekanin Gisela Strohriegl (Rotenburg). „Dazu gehören auch viele Menschen. Da ist es richtig, dass die Feier in solchen Zeiten verschoben werden muss.“

Corona in Hersfeld-Rotenburg: Vorstellungsgottesdienst war schon erarbeitet

Für die Jugendlichen war das zunächst schon eine Enttäuschung, berichtet Pfarrer Alexander Ulrich aus Bebra. 23 Jugendliche hätten in Bebra und Asmushausen konfirmiert werden sollen. Der Vorstellungsgottesdienst war bereits gemeinsam erarbeitet worden – doch nun heißt es Warten bis zum Herbst. Ein neuer Termin wurde noch nicht festgelegt. Die Coronakrise beeinträchtigt auch schon die künftigen Konfirmanden. Pfarrer Ulrich geht davon aus, die für Mai geplante Freizeit, bei der sich die 17 neuen Konfirmanden kennenlernen sollten, ebenfalls verschoben werden muss.

Pfarrer Holger Grewe, der die 35 Konfirmanden in der Stadtkirche und der Johanneskirche in Bad Hersfeld auf ihren großen Tag vorbereitet hat, kann schon den neuen Konfirmationstermin nennen: Der 6. September wurde ausgewählt. Innerhalb des kirchlichen Kooperationsraums sei der Termin abgestimmt worden. Außerhalb könne es zu Doppelungen kommen. Ob der neue Termin gehalten werden kann, könne natürlich niemand sagen, meinte der Pfarrer weiter. Bis dahin sollen sich die Konfirmanden noch einige Male treffen.

Corona in Hersfeld-Rotenburg: Konfirmanden möchten den großen Rahmen

Nachgedacht wurde auch über eine Konfirmation im ganz kleinen Kreis. Doch diese Idee überzeugte am Ende nicht: „Die Kinder möchten einen großen Rahmen. Es ist ihr großer Tag und sie wollen gesehen werden als Teil der Gemeinschaft“, sagte Pfarrer Grewe. Er mahnt auch: „Wir wissen nicht, wie wir aus dieser Krise überhaupt rauskommen. Vielleicht sorgt sie auch für eine neue Bescheidenheit und Solidarität mit den künftigen Generationen. Vielleicht lernen wir daraus, mit weniger auszukommen.“

Mit Blick auf die im Grunde noch größere drohende Krise durch den Klimawandel meinte Grewe „Es ist Zeit, etwas zu verändern.“ Pfarrer Thorsten Waap berichtet, dass die Konfirmanden anfangs traurig gewesen seien über die Verschiebung ihres Festes, das in Heringen immer sehr opulent mit viel Musik in der Kirche gefeiert werde. Am vergangenen Sonntag, dem eigentlichen Konfirmationstermin, habe er über Whatsapp noch einmal ein Bild verschickt. Inzwischen gebe es Verständnis für die Entscheidung. Noch vor zwei Wochen hatten Einzelne damit gehadert.

Auf einen neuen Termin hat man sich in Heringen nicht geeinigt. „Das macht keinen Sinn. Vielleicht muss man dann noch mal verschieben.“ Das „innere Zeitfenster“ der Gemeinde für die Konfirmation liege nun im Herbst.

Corona in Hersfeld-Rotenburg: Nur Schokolade macht Probleme

„Im Grunde hatten alle Eltern schon mit einer Verschiebung der Konfirmation gerechnet“, sagt Anke Jahns aus Lispenhausen. Ihre Tochter Lara sollte am 3. Mai mit 20 anderen Jugendlichen aus Lispenhausen und den Dörfern des Haselgrunds eingesegnet werden. Doch die Coronakrise lässt das nicht zu. „Über diese Entscheidung, die Einsegnung zu verschieben, hat niemand gemeckert“, berichtet Anke Jahns. Gesundheit und Sicherheit geht für alle Eltern und Jugendlichen vor.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Konfirmandin Lara Jahns und ihre Mutter Anke aus Lispenhausen akzeptieren die Verschiebung der Konfirmation klaglos.

 „Nicht so dramatisch“ hätten auch ihre Mitkonfirmanden die Entwicklung empfunden, berichtet Lara Jahns. „Es ist zwar blöd, weil viele schon Einladungen verschickt haben, aber die Situation lässt sich nicht ändern.“ Lara findet es gut, dass sie noch in diesem Jahr konfirmiert werden soll.  Der Kirchenvorstand hat den Termin des Erntedankfests am ersten Oktoberwochenende dafür ausgewählt. 

Ein bisschen Sorge bereitet allerdings ein früher Einkauf der Familie: Anke Jahns hat 100 Tafeln Schokolade besorgt. Die sollten mit hübschen Karten als kleines Dankeschön an alle gehen, die Lara etwas zu Konfirmation geschenkt hätten. „Bis Oktober ist die Haltbarkeit abgelaufen“, schmunzelt Jahns. „Deshalb verteile ich sie schon jetzt.“

Corona in Hersfeld-Rotenburg: „Da gibt es Schlimmeres“

Dieses Problemchen kennt man auch in der Familie Rohrbach in Niederaula. Bürgermeister Thomas Rohrbach erzählt sogar von 200 Tafeln, die bereits mit einem passenden Aufkleber versehen seien. „Aber da gibt es Schlimmeres“, sagt er.

Sein Sohn Milan, der mit 25 anderen Jungen und Mädchen konfirmiert werden soll, bedauert ein wenig seine Mutter, die schon viel Arbeit in die Vorbereitung für das Fest gesteckt habe, das nun auf den 20. September verschoben wurde. Milan sagt schon sehr erwachsen: „Keine Feier kann so wichtig sein wie die Gesundheit. Solange die Einschränkungen für alle etwas bringen, sind sie auch berechtigt. Die Verschiebung passt ins Bild.“

Konfirmand Milan Rohrbach

Corona in Hersfeld-Rotenburg: Für die Gastronomie ist Verschiebung "die Hölle"

Weit mehr als ein kleines Problem bedeutet die Verschiebung der Konfirmationen im Landkreis für Cateringunternehmen und Gastronomen: „Für uns ist das die Hölle“, sagt zum Beispiel Sascha Pape, der das Cateringunternehmen Essbar in Bad Hersfeld betreibt. Zwischen zehn und 15 Aufträgen sind ihm dadurch weggebrochen. 

Und nicht nur diese: Alle Termine bis zum 20. Juni seien wegen der Coronakrise gecancelt worden. Seine Mitarbeiterin musste Pape „in Kurzarbeit schicken“. Ohne schnelle und wirklich mal unbürokratische finanzielle Hilfe von Bund und Land, die bereits vollmundig angekündigten Soforthilfen, könne er seinen kleinen Betrieb noch maximal zwei Monate halten, sagt er. Ein Kredit, und sei er auch noch so günstig, nütze ihm nichts. „Wie und wann soll ich Schulden zurückzahlen?“ Eine Soforthilfe verschaffe Luft und die Möglichkeit, sich neu aufzustellen.

(sis)

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Quelle: HNA

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