Mögliche Fahrverbote haben geringe Auswirkungen auf Verkauf

Autohändler im Kreis: Kein Diesel-Preissturz

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Nah dran an der Problemzone: Matthias Fischer neben dem Auspuff eines Dieselautos. Wegen des hohen Stickoxid-Austoßes drohen den Fahrzeugen in Großstädten Fahrverbote.

Hersfeld-Rotenburg. Die Debatte um mögliche Fahrverbote für Dieselautos geht auch an den Autohändlern im Landkreis Hersfeld-Rotenburg nicht spurlos vorbei. 

Dennoch mahnen sie zur Gelassenheit: „Nur weil Diesel-Fahrverbote diskutiert werden, haben die Fahrzeuge bei mir auf dem Hof nicht direkt an Wert verloren“, sagt etwa Matthias Fischer vom Autohaus Fischer in Alheim.

Das bestätigt auch Frank Häßler, Verkaufsleiter beim Autohaus Schade mit Geschäften in Bad Hersfeld, Eisenach und Mühlhausen. Was auch daran liege, dass im ländlichen Raum keine Fahrverbote drohen, weil die Belastung der Luft mit Schadstoffen deutlich geringer als in größeren Städten ist. Die Bürgermeister von Rotenburg und Bad Hersfeld sehen keine Gefahr von Fahrverbotszonen, auch in Bebra liegt die Schadstoffbelastung unter dem Bundesschnitt.

Die Rückmeldung der Autohändler ist aber auch: Die Verunsicherung bei den Kunden ist hoch. „Bei einigen ist schon die Angst da, nicht mehr in die Städte zu kommen“, sagt Matthias Fischer. Seit einem halben Jahr bekommt er vermehrt Anfragen von Kunden, die von ihrem Diesel auf einen Benziner umsteigen wollen. „Ich hatte auch einige Anrufe, bei denen die Kunden gar nicht wussten, welche Euro-Stufe ihr Auto erfüllt, so Fischer. Der Trend gehe eindeutig zum Benziner, besonders bei den Jahreswagen, sagt Häßler. Man habe daher ein Stück weit reagiert und den Anteil der Fahrzeuge mit Dieselmotor am Verkaufsgeschäft von 65 auf 45 Prozent reduziert. Zudem sind einige Händler vorsichtiger beim Ankauf alter Dieselfahrzeuge.

Das gilt nicht für Benjamin Demir aus Bebra. 95 Prozent seiner Gebrauchtwagen sind Diesel – fast die Hälfte wäre von Fahrverboten betroffen. „Wir verkaufen vielleicht zehn Prozent weniger“, sagt er. „Das ist ein minimaler Rückgang und kein Grund zur Sorge.“

Der Diesel scheint im Landkreis Hersfeld-Rotenburg trotz drohender Fahrverbote in Stickoxid-belasteten Großstädten wie Stuttgart und München nicht an Beliebtheit zu verlieren, im Gegenteil: Gab es laut Kraftfahrt-Bundesamt im Jahr 2015 noch 22 172 Dieselautos, waren es im folgenden Jahr 23 418 Fahrzeuge. Der Stand im Jahr 2017: 24 490 Pkw mit Dieselmotor. Diesen Aufwärtstrend bestätigen auch Zahlen aus dem Landratsamt, bei denen allerdings auch Lkw und Traktoren miteinbezogen werden. „Wer viel fährt, fährt weiterhin Diesel“, sagt Matthias Fischer, Autohändler aus Alheim. Von seinen rund 35 Fahrzeugen haben ein Drittel einen Dieselmotor, allerdings erfüllen die Autos alle mindestens die Euro-5-Norm. Beim Ankauf noch älterer Diesel nehme er sich derzeit zurück und vermittle sie lediglich weiter ins Ausland. „Denen ist der Schadstoffausstoß egal“, sagt er. Bei Rolf Döring, Verkaufsleiter bei Thamer-Mobile in Bad Hersfeld, ist der Diesel ebenfalls kein Ladenhüter: Selbst ältere Euro-4-Diesel ließen sich verkaufen. Die Kollegen aus den Großstädten würden darüber bei Händlerversammlungen allerdings staunen, räumt Döring ein. Das Stichwort sei der ländliche Raum – und damit sauberere Luft. „Wir sind hier ja keine Großstadt“, meint auch Benjamin Demir aus Rotenburg. 

An starke Preissenkungen denkt er nicht: „Jetzt den Rotstift in die Hand zu nehmen, wäre fatal“, so der Autohändler. Der Maximalwert für die Stickoxid-Belastung, die in der Diskussion um Fahrverbote so häufig bemühten NOx-Grenzwerte, liegt bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresmittel. Bei der Luftmessstation in Bebra werden im Jahresmittel 16 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter registriert. Im bundesweiten Vergleich liegt die Stadt damit im unteren Bereich, der Schnitt bei vergleichbaren Städten seien etwa 20 Mikrogramm, heißt es auf Anfrage unserer Zeitung aus dem Umweltbundesamt. Wird in Problemzonen wie Stuttgart und München nah am Verkehr gemessen, werden mehr als 80 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter im Jahresmittel erreicht. Auch in Rotenburg besteht wenig Grund zur Sorge: „Fahrverbotszonen sind für uns überhaupt kein Thema, wir sind ein zertifizierter Luftkurort“, sagt Bürgermeister Christian Grunwald. Für eine Bestätigung des Zertifikats hätten das vergangene Jahr über mobile Messstationen in der Stadt gestanden – konkrete Zahlen gebe es noch nicht, die Rückmeldung sei allerdings positiv. Ähnlich ist die Lage in Bad Hersfeld, das als Kurort regelmäßigen Überprüfungen unterliegt, auch bei der Luftqualität. „In der Kreisstadt sind weder aus der Stadtverwaltung noch aus der Politik Initiativen zur Einführung von Dieselfahrverboten bekannt,“ so Bürgermeister Fehling.

Quelle: HNA

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