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Geringe Nachfrage, lange Wartezeit: Aus für ärztlichen Bereitschaftsdienst in Rotenburg

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Von: Sebastian Schaffner

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Der Haupteingang des Kreiskrankenhauses Rotenburg (KKH).
Den Ärztlichen Bereitschaftsdienst im Rotenburger Kreiskrankenhaus - unser Foto zeigt den Eingang - wird es ab Juli nicht mehr geben. Wer außerhalb der regulären Praxissprechzeiten akut erkrankt, wird dann im Bad Hersfelder Klinikum in der Kreisstadt versorgt.  © Lea-Sophie Mollus

Der Ärztliche Bereitschaftsdienst (ÄBD) im Rotenburger Kreiskrankenhaus ist ab Juli Geschichte. Die Kassenärztliche Vereinigung begründet den Schritt mit fehlenden Ärzten.

Hersfeld-Rotenburg - Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg wird es dann nur noch einen Standort des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes geben. Wer außerhalb der regulären Praxissprechzeiten akut erkrankt, wird dann über den ÄBD im Bad Hersfelder Klinikum versorgt.

„Wir tragen mit dieser Veränderung zwei Entwicklungen Rechnung“, begründet Dr. Eckhard Starke, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH), den Schritt: „Zum einen wird der Standort in Rotenburg tatsächlich wenig frequentiert.“ Analysen würden zeigen, dass Patienten aus dem nördlichen Kreisteil schon jetzt in die Bereitschaftsdienstzentrale nach Bad Hersfeld fahren würden. Laut Dr. Sebastian Auel, KVH-Obmann im Landkreis, nutzen an einem Samstag etwa zehn Menschen das Angebot in Rotenburg, in Bad Hersfeld seien es 70 bis 80.

Laut KVH-Vizevorstandschef Starke ist zudem „die Versorgungssituation in der Region nicht optimal“. Es fehle schlicht an Ärzten, die wie bisher die Dienste im ÄBD übernehmen. Daher habe die KVH mit den örtlichen Verantwortlichen und Obmann Auel entschieden, „einen Standort aufzugeben, um den zweiten Standort in Bad Hersfeld zu stärken.“

„Wachsender Ärzteschwund lässt uns keine andere Wahl“

Das bisherige Angebot in Rotenburg könne einfach nicht mehr aufrechterhalten werden, sagt Auel. „Vor allem der wachsende Ärzteschwund lässt uns keine andere Wahl“, so der Allgemeinmediziner mit Praxis am Markt in Bad Hersfeld. Die ÄBD-Sprechstunde im Kreiskrankenhaus ist bislang nur am Wochenende und an Feiertagen von 11 bis 19 Uhr besetzt. Der Standort in Bad Hersfeld hat hingegen an 365 Tagen im Jahr geöffnet.

Sprechstunde, wenn die Praxis geschlossen hat

Mit dem Ärztlichen Bereitschaftsdienst sorgt die Kassenärztliche Vereinigung dafür, dass gesetzlich Versicherte auch dann medizinisch versorgt werden, wenn ihre Hausarztpraxis geschlossen hat. Ab Juli gibt es nur noch eine Notdienst-Sprechstunde im Bad Hersfelder Klinikum (Erdgeschoss, Bettenhaus West). Sprechzeiten: Montag, Dienstag, Donnerstag von 19 bis 22 Uhr; Mittwoch, Freitag von 14 bis 22 Uhr; Samstag, Sonntag, Feier- und Brückentage von 9 bis 22 Uhr.

Dr. Martin Oechsner, medizinischer Geschäftsführer des Kreiskrankenhauses, weist darauf hin, dass das Krankenhaus zuletzt selbst maßgeblich dafür gesorgt habe, dass das Angebot überhaupt noch aufrecht erhalten werden konnte: „Wir haben mit unseren Assistenzärzten für die niedergelassenen Ärzte Dienste gemacht, damit sie am Wochenende frei haben.“ Das sei jetzt aber nicht mehr leistbar. „Wir brauchen unsere Ärzte in der Notaufnahme“, sagt Oechsner.

Grund sei ein dort „dramatisch angestiegenes Patientenaufkommen“. Im unfallchirurgischen Bereich liege das vor allem daran, dass der Rotenburger Chirurg Dr. Wolfgang Jaschke in den Ruhestand gegangen ist. „Auch Melsungen macht ja nichts mehr. Das alles merken wir extrem.“

Stundenlanges Warten, weil die Notfälle im Krankenhaus Priorität haben

In der Vergangenheit hätten einzelne Patienten beim Ärztlichen Bereitschaftsdienst im Kreiskrankenhaus mitunter stundenlang warten müssen, weil die Notfälle im Krankenhaus Priorität hätten. „Das fällt uns dann auf die Füße, weil die Patienten in der Regel nicht differenzieren zwischen dem Kreiskrankenhaus und einem Angebot der niedergelassenen Ärzte, das von uns zusätzlich mitgemacht wird“, sagt Oechsner.

Deshalb habe es nach Gesprächen mit der KVH und Obmann Dr. Sebastian Auel nur eine logische Konsequenz gegeben: die Sprechstunde in den Räumlichkeiten des Kreiskrankenhauses aufzugeben. Der ÄBD war dort allerdings nur am Wochenende und an Feiertagen besetzt und, wie die KVH in einer Pressemitteilung schreibt, vergleichsweise selten nachgefragt. Negative Auswirkungen auf das Kreiskrankenhaus in Rotenburg habe der Wegfall des ÄBD-Angebots nicht. „Die Versorgung der Bevölkerung ist selbstverständlich weiterhin gewährleistet“, sagt Oechsner.

„Würden wir das Angebot dort aufrechterhalten, müssten wir mit Feiertagen mehr als 110 Dienste extra besetzen“, rechnet Auel vor. Das sei für einen Landkreis wie Hersfeld-Rotenburg schlicht nicht mehr zu stemmen. „Im Kreis Fulda gibt es auch nur noch einen Standort.“ Auf die Kassenärztliche Vereinigung zu schimpfen, sei nicht zielführend, so Auel. „Woher wollen wir denn Ärzte nehmen, wenn es keine gibt?“ In den nächsten fünf Jahren verliere Hersfeld-Rotenburg mit dem angrenzenden Sontra (Werra-Meißner-Kreis) allein altersbedingt zehn Hausarztsitze: sechs in Sontra, zwei in Bad Hersfeld und zwei im Raum Bebra/Rotenburg. Auel: „Die Lage ist leider ernst.“ (Sebastian Schaffner)

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