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Wenn der Atem aussetzt: Selbsthilfegruppe berät bei Schlafapnoe

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Von: Daniel Göbel

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Der Vorstand der Selbsthilfegruppe Schlafapnoe: (von links) Wolfgang Lorré (2. Kassierer), Gerd Adam (2. Kassierer), Günter Kraus (1. Vorsitzender) und Kurt Schneider (2. Vorsitzender).
Der Vorstand der Selbsthilfegruppe Schlafapnoe: (von links) Wolfgang Lorré (2. Kassierer), Gerd Adam (2. Kassierer), Günter Kraus (1. Vorsitzender) und Kurt Schneider (2. Vorsitzender). © DANIEL GÖBEL

Schnarchen, Atemaussetzer, Tagesmüdigkeit, Sekundenschlaf, unruhige Beine – Schlafstörungen äußern sich auf verschiedenste Art und Weise.

Obersuhl – Um Menschen mit schlafbezogenen Erkrankungen in der Region zu unterstützen und zu beraten, hat sich bereits im April 2002 die Selbsthilfegruppe Schlafapnoe Hersfeld-Rotenburg gegründet. Vor rund eineinhalb Jahren stand der Verein eigentlich vor dem Aus. So bestand die Gruppe nur noch aus zwei Mitgliedern, sodass nicht einmal alle Vorstandsposten vergeben werden konnten.

„Ich stand plötzlich allein da, aber allein kann man eben nichts entscheiden“, sagt Günter Kraus aus Wildeck-Obersuhl, der den Verein seit März vergangenen Jahres anführt. „Die dringlichste Aufgabe war es, einen neuen Vorstand zu wählen, eine Versammlung zu organisieren und neue Mitglieder zu gewinnen.“

Man wird unsicher, wenn man an Schlafapnoe leidet

Heute zählt der Verein rund 80 Personen und sieht sich in erster Linie als Forum für Menschen mit Schlafstörungen. „Der Austausch unter Betroffenen ist unheimlich wichtig, denn man wird immer wieder unsicher, wenn man an Schlafapnoe leidet“, sagt Wolfgang Lorré, 2. Kassierer des Vereins.

Er selbst habe die Atemaussetzer in der Nacht zunächst gar nicht bemerkt, bis seine Frau ihn darauf hingewiesen habe, dass er häufig schnarcht und auch nach Luft schnappt. „Im Zuge der Untersuchungen bin ich dann auf die Gruppe gestoßen und bin froh, mich hier mit anderen Betroffenen austauschen zu können.“

Durch die Atemaussetzer wird das Gehirn schlechter mit Sauerstoff versorgt

Neben dem Austausch bietet der Verein auch Beratung bei Lungenkrankheiten, Hilfestellung bei Behördengängen, bei Fragen zur ärztlichen Betreuung, aber auch gesellige Aktivitäten wie Grillnachmittage oder Tagesausflüge. Jeden ersten Donnerstag im Monat finden zudem Fachvorträge im Vortragssaal des Kreiskrankenhauses in Rotenburg statt, die aufgrund der Corona-Pandemie lange Zeit nicht stattfinden konnten.

Dort sprechen Mediziner beispielsweise über die Behandlungsmöglichkeiten von Schlafstörungen, es gibt aber auch ganz praktische Hilfestellungen, etwa zur Masken- und Gerätehygiene.

Wie gefährlich die Atemaussetzer in der Nacht sein können, verdeutlicht beispielsweise Gerd Adam, 1. Kassierer im Verein. „Mein längster Aussetzer hat 2 Minuten und 32 Sekunden gedauert.“ Durch die Atemaussetzer wird das Gehirn schlechter mit Sauerstoff versorgt. Die Folge seien vor allem Tagesmüdigkeit und Sekundenschlaf.

Die Selbsthilfegruppe Schlafapnoe freut sich über neue Mitglieder und Interessierte

Mithilfe von Sauerstoffgeräten könnten das Schnarchen und die Atemaussetzer verhindert werden. Der Schlaf werde dadurch wesentlich verbessert. Das wiederum wirke sich natürlich auf die Tagesverfassung auf. Alle Vorstandsmitglieder berichten, dass sie sich seitdem fitter fühlten und die Tagesmüdigkeit deutlich abgenommen habe.

Die Selbsthilfegruppe Schlafapnoe freut sich über neue Mitglieder und Interessierte. Weitere Informationen und Auskünfte erteilt der Vorsitzende Günter Kraus, Tel. 0 66 26/5 28. Gäste sind zu den Fachvorträgen jederzeit willkommen. (Daniel Göbel)

Schlafapnoe

Atmungsstörungen während des Schlafs sind die häufigste Ursache für Tagesmüdigkeit und Tagesschläfrigkeit. Besondere Bedeutung hat das „obstruktive Schlafapnoesyndrom, unter dem etwa vier Prozent der Bevölkerung leiden. Es tritt meist zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auf, wobei Männer achtmal häufiger betroffen sind als Frauen. Typische Symptome sind lautes, unregelmäßiges Schnarchen und dazwischen auftretende Atempausen von einer Dauer über zehn Sekunden.

Während dieser Atempausen sind die oberen Atemwege verschlossen, sodass trotz Kraftanstrengung keine Atmung möglich ist. Der Sauerstoffgehalt im Blut sinkt ab und es kommt durch Ausschüttung von Stresshormonen zu Weckreaktionen. Dies kann einige Hundert Male in der Nacht passieren. Es kommt zu schweren Durchschlafstörungen, Konzentrationsstörungen, Abnahme der Leistungsfähigkeit und erhöhte Unfallgefahr, besonders durch Sekundenschlaf im Straßenverkehr.

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