Kreisausschuss soll nun ein Konzept erarbeiten

Arsen: Kreistag will Richelsdorfer finanziell unterstützen

Der Bach Weihe hat die Giftstoffe vom ehemaligen Betriebsgelände der Richelsdorfer Hütte in den Ort gespült. Auf dem Foto ist rechts das Backhaus und dahinter der seit Jahren gesperrte Spielplatz zu sehen.
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Der Bach Weihe hat die Giftstoffe vom ehemaligen Betriebsgelände der Richelsdorfer Hütte in den Ort gespült. Auf dem Foto ist rechts das Backhaus und dahinter der seit Jahren gesperrte Spielplatz zu sehen.

Der Kreistag Hersfeld-Rotenburg hat sich grundsätzlich dafür ausgesprochen, den Eigentümern der mit Arsen verseuchten Grundstücke in Richelsdorf finanziell bei der Sanierung zu helfen.

Bad Hersfeld/Richelsdorf - Das hat das neu gewählte Parlament, das am Montag zum ersten Mal in der Bad Hersfelder Waldhessenhalle zusammentrat, einstimmig beschlossen. Mit wie viel Geld die Betroffenen rechnen können und wie diese Förderung geregelt wird, dafür soll jetzt der Kreisausschuss ein Konzept erarbeiten. Das Parlament will dann im Juni darüber abstimmen.

Die Abgeordneten, die sich angesichts zweier Eilanträge von CDU/Grüne und SPD/UBL/FDP/FWG auf einen gemeinsamen Kompromiss verständigten, stimmten darüber hinaus dafür, dass der Kreis entweder über den sogenannten Landesausgleichsstock oder aus dem Härtefallfonds Geld beim Land einwerben soll, um den Betroffenen zu helfen.

Laut einem Gutachten kann das Land rechtlich zwar nicht für die verseuchten Böden zur Rechenschaft gezogen werden. Die Fraktionen waren sich allerdings einig, dass es auch eine moralische Verantwortung habe. „Dass sich das Land einerseits mit dem Herkules rühmt, aber sich andererseits bei der Frage, woraus er besteht, einen schlanken Fuß macht, ist schon traurig“, kritisierte Manfred Fehr, Fraktionsvorsitzender der SPD. Das Kasseler Wahrzeichen ist mit Kupfer aus Richelsdorf hergestellt worden.

Wildecks Bürgermeister Alexander Wirth, der für die SPD ins Parlament eingezogen ist, forderte „eine schnelle politische Lösung“. Die Eigentümer hätten nur noch zwei Monate Zeit. Dann müssten die Fragen der Sanierung geklärt sein. Dass das Land den Eigentümern angeboten habe, ihre verseuchte Erde auf der Zinkhalde kostenfrei zu lagern, „reicht mir nicht aus.“ Auch CDU-Chef Herbert Höttl warb für ein schnelles Zeichen des Parlaments. Kaya Kinkel, Fraktionsvorsitzende der Grünen, sagte: „Ich glaube, den Richelsdorfern ist es egal, wer sie unterstützt. Wichtig ist, dass sie überhaupt Unterstützung bekommen.“

Das Arsen war über den Weihe-Bach vom Betriebsgelände der Richelsdorfer Hütte, deren Betrieb vor über 50 Jahren eingestellt worden ist, in das Dorf gespült worden. In dem Wildecker Ortsteil sind allein 14 private Grundstücke auf insgesamt 5860 Quadratmetern mit dem giftigen Stoff belastet. Die Kosten für die Sanierung der Böden werden auf 100 Euro pro Quadratmeter geschätzt – also fast 600 000 Euro. (Sebastian Schaffner)

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Gutachten: Land muss nicht zahlen

Das Land Hessen ist nicht für die Sanierung der mit Arsen belasteten Böden in Richelsdorf verantwortlich und muss deshalb auch die Kosten dafür nicht übernehmen. Das war Ende April das Ergebnis eines rechtshistorischen Gutachtens, das das Land Hessen in Auftrag gegeben hatte. Verantwortlich für die Sanierung sind deshalb laut Gesetz die betroffenen Grundstückseigentümer. 

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