Viele Menschen verdienen auch bei sibirischer Kälte ihr Geld draußen

Arbeit im Freien: Bibbern bei Dauerfrost im Kreis Hersfeld-Rotenburg

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Trotz Kälte im Wald aktiv: Lasse Vopicka (links) und Daniel Ernst fällen Buchen bei Ronshausen. Ihre Pausen genießen die beiden bei heißem Kaffee in der geheizten mobilen Schutzhütte.

Hersfeld-Rotenburg. Freiwillig geht in diesen Tagen kaum jemand vor die Tür. Viele müssen jedoch raus, da sie an der „frischen Luft“ arbeiten und ihr Geld verdienen. So können die Beschäftigten der Post nicht im warmen Bett liegen bleiben, da Briefe und Pakete jeden Tag zugestellt werden müssen.

Auch Waldarbeiter empfinden die Kälte nicht als Nachteil – im Gegenteil: „Man gerät weniger ins Schwitzen“, sagt Lasse Vopicka, der mit seinen Kollegen Daniel Ernst und Rainer Stachainczyk im Revier Ronshausen an der Splitterschneise tätig ist. Hier fällen die drei Buchen mit der Motorsäge. Auch den Maschinen bereite die Kälte keine Probleme. Erst bei Temperaturen von unter minus 15 Grad würden die Sägen unter Umständen schwerer anspringen, so Vopicka.

Lediglich die Schneidgarnitur gerate stärker in Mitleidenschaft, weil das Holz aufgrund der Kälte härter sei, sagt Daniel Ernst. „Man merkt, dass sich das Holz schwerer schneiden lässt.“

Bei den aktuellen Temperaturen müssten er und seine Kollegen etwa zweimal täglich die Ketten der Motorsägen schärfen. Statt mehrerer kurzer Pausen im Wald machen die drei Waldarbeiter wegen der Kälte nur eine längere Pause. Die genießen sie in der mobilen Schutzhütte, die ein Gasofen auf angenehme Temperaturen bringt.

Draußen arbeiten bei Dauerfrost: Bibbern in Hersfeld-Rotenburg

Von angenehmen Temperaturen können Klaus Werfelmann und Steffen Waldau von der Firma Züblin nur träumen. Sie waren gestern mit Schweißarbeiten an Brückenträgern auf der Baustelle der Bundesstraße 62 in Bad Hersfeld beschäftigt. „Das Schweißen ist eine Arbeit ohne viel Bewegung – das fällt bei diesen Temperaturen besonders schwer“, sagt der 60-jährige Werfelmann. Die Arbeit selbst funktioniere allerdings auch bei diesen niedrigen Temperaturen genauso, wie wenn es warm ist.

Feuerwehrleute können sich ihre Einsätze auch nicht aussuchen. Brände oder Unfälle passieren eben temperatur- und wetterunabhängig. So musste die Bad Hersfelder Wehr gestern Vormittag zu einem Wohnungsbrand in der Bad Hersfelder Innenstadt ausrücken. Aber gerade bei tiefen Minusgraden müssen die Feuerwehrmänner auch besonders auf die eigene Gesundheit achten. Denn bei Löscharbeiten gefriert das Nass auf Straßen und Flächen in Bruchteilen von Sekunden. Der Untergrund wird zur rutschigen Eispiste.

Um sich selbst und andere Menschen nicht zu gefährden, werden die Eisflächen von den Feuerwehrleuten immer sofort mit Streusalz abgetaut. (rey/zmy/pgo/ses)

Quelle: HNA

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