Wochenendporträt: „Abwarten bringt nichts“

Andreja Schmidtkunz ist neue Vorsitzende des DGB-Kreisverbands

Will sich für gute Arbeitsbedingungen einsetzen: Andreja Schmidtkunz ist die neue Vorsitzende des DGB-Kreisverbands. „Man kann immer etwas erreichen“, sagt die 51-Jährige. Foto: Maaz

Hersfeld-Rotenburg. Andreja Schmidtkunz hat keine Angst vor Neuem und denkt fast immer positiv. Ihre neue Aufgabe als Vorsitzende des DGB-Kreisverbands Hersfeld-Rotenburg geht sie deshalb ebenso motiviert wie gelassen an.

Anfang November wurde die 51-Jährige, die seit 1991 im Alheimer Ortsteil Heinebach lebt, einstimmig in das Ehrenamt gewählt.

„Das ist eine große Aufgabe, aber eine, die man lösen kann“, sagt Schmidtkunz, die über ihren Job bei Amazon in Bad Hersfeld zunächst zur Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und schließlich zum Deutschen Gewerkschaftsbund gekommen ist. Seit viereinhalb Jahren wird in den heimischen Logistikzentren des Online-Versandhändlers für einen Tarifvertrag des Einzel- und Versandhandels sowie bessere Arbeitsbedingungen gestreikt. Schmidtkunz’ gewerkschaftliches Engagement war sozusagen die logische Konsequenz.

„Wenn ich möchte, dass sich etwas bewegt, muss ich auch selbst etwas tun. Nur abwarten bringt nichts“, sagt die gelernte Einzelhandelskauffrau. Und sie weiß auch: „Wenn man etwas verändern will, muss man positiv denken und aus möglichen Rückschlägen lernen.“

Nicht lange gezögert

Auf die Idee, sich als Vorsitzende des DGB-Kreisverbands zu bewerben, sei sie indes nicht selbst gekommen. Auf den Kreisvorsitz angesprochen habe sie vielmehr Rolf Müller, DGB-Organisationssekretär der Region Nordhessen. “Ich habe mir das natürlich gut überlegt, schließlich geht für sein solches Amt neben dem Job viel freie Zeit verloren“, erklärt Schmidtkunz. Dann habe sie allerdings nicht lange gezögert. Ihre Familie gebe ihr viel Rückhalt und unterstütze sie in ihrem Tun.

Als Kreisvorsitzende möchte die 51-Jährige nun erstmal alle vor Ort aktiven Einzelgewerkschaften sowie möglichst viele Menschen und deren Sorgen und Probleme kennenlernen. Dafür plant Schmidtkunz auch, regelmäßige Sprechstunden anzubieten. „Ich möchte persönlich ansprechbar sein“, sagt sie. Denn im persönlichen Gespräch erfahre man meist mehr als am Telefon oder per E-Mail. Ganz wichtig ist Schmidtkunz auch die Vernetzung der Gewerkschaften und Engagierten untereinander, wie sie mehrfach betont.

„Es gibt viele Firmen, wo etwas im Argen liegt“, meint sie. Weitere Probleme, die Schmidtkunz thematisieren und ins Bewusstsein rücken möchte, sind beispielsweise die Rente, Arbeitszeiten oder Altersarmut. Die Unsicherheit befristeter Verträge kennt die gelernte Einzelhandelskauffrau aus eigener Erfahrung.

„Gewerkschafter sind keine Politiker, aber wir können der Politik Anreize bieten“, so Schmidtkunz. Der erste große offizielle Termin steht für die neue Vorsitzende ebenfalls kurz bevor: am 9. Dezember fährt Schmidtkunz zur Bezirkskonferenz des Deutschen Gewerkschaftsbundes nach Frankfurt. „Ich muss noch einiges lernen, aber ich bin bereit dazu.“

Quelle: HNA

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