Interview zu den Bad Hersfelder Festspielen

Andreas Schmidt-Schaller: Trollkönig wäre gern noch einmal König Lear

Herrscher über das Reich der (Internet-)Trolle: Andreas Schmidt-Schaller spielt in „Peer Gynt“ den Trollkönig, Foto: Thomas Landsiedel

Bad Hersfeld. Andreas Schmidt-Schaller war eigentlich von Dieter Wedel für dessen  „Karlos-Komplott“ engagiert worden. Er spielt nun unter anderem den Trollkönig in „Peer Gynt“.

Christine Zacharias sprach mit dem Schauspieler über Ost und West, Peer Gynt und seine Fernsehrolle als Hajo Trautzschke in Soko Leipzig.

Herr Schmidt-Schaller, Sie sind ja einer der prominentesten deutsch-deutschen Schauspieler. Spielt es heute noch eine Rolle, ob einer aus dem Osten oder aus dem Westen kommt?

Andreas Schmidt-Schaller: Eigentlich hat sich das Thema inzwischen erledigt. Das war am Anfang anders. 1990 am 7. Oktober war mein erster Drehtag im Westen, im Sauerland. Da spielte das schon noch eine Rolle, weil alle geguckt haben, was macht denn der jetzt. Das war eine schöne Serie mit Uwe Friedrichsen und Hilde Krahl, „Oppen und Ehrlich“.

Wie sind Sie persönlich mit den unterschiedlichen Systemen klargekommen?

Schmidt-Schaller: Ich hab kein Problem gehabt, überhaupt nicht. Uwe Friedrichsen und ich, wir haben uns sehr viel nach dem Dreh unterhalten. Ich hab aus dem Osten und er hat mir aus dem Westen erzählt. Das einzig Auffällige war, dass im Westen alles schneller gehen musste. Bei uns konnte man nicht so viel Klappen drehen, weil das Material teuer war. Da war nach vier Klappen Schluss. Als ich das den Kollegen erzählt habe, meinten die, dass sie so überhaupt nicht arbeiten könnten.

Muss man dann besser spielen oder gibt’s dann Abstriche bei der Qualität oder wie muss ich mir das vorstellen?

Schmidt-Schaller: Es wurde einfach vor dem Drehtermin länger geprobt!

Sind Sie bei der Soko Leipzig noch aktiv?

Schmidt-Schaller: Ich drehe jetzt im Herbst wieder zwei 90-Minüter, worin der Pensionär Trautzschke mal auftaucht. Das ist eine sehr schöne Rolle, die mir Spaß gemacht hat über all die vielen Jahre. Die Figur ist nicht langweilig. Wir haben immer noch neue Seiten gefunden. Trautzschke konnte auch ihre Geschichte erzählen, eine Ost-Geschichte. Das war eher ungewöhnlich, dass ein Ost-Bulle Hauptkommissar wird.

Das mit den Unterschieden zwischen Ost und West wird aber wohl noch ein Weilchen dauern, oder?

Schmidt-Schaller: Das wird aber auch von den Medien reingetragen. Wenn ich alleine dran denke, was man den Sachsen so unterstellt – Beispiel Pegida! Man muss auch bedenken, warum die Leute auf die Straße gehen. Da ist ja wirklich viel Schindluder passiert. Da sind Betriebe einfach geschlossen worden und die Leute wurden arbeitslos. Da sind ganze Biografien kaputtgegangen und das wird unterschätzt.

Und dann wundern sich alle über die AfD. Ich wundere mich nicht. Das ist ganz klar, dass das so passieren muss. Das sind Dinge, über die geredet werden muss, aber es wird nicht drüber geredet. Und die AfD nutzt das aus. Wenn dann einer kommt wie der Björn Höcke, da jubeln die Leute. Und das ist sehr beängstigend.

Ganz ein anderes Thema: Wie gefällt Ihnen Bad Hersfeld?

Schmidt-Schaller: Wirklich gut. Ich bin in Weimar aufgewachsen, deshalb muss mir Bad Hersfeld ja gefallen. Der Markt und viele Ecken erinnern mich an Weimar. Und die Leute sind hier so freundlich.

Haben Sie vorher schon öfter Freilichttheater gemacht?

Schmidt-Schaller: Wir machen ja hier doch kein Freilichttheater. Freilichttheater ist Bad Segeberg oder Störtebeker. Hier wird richtig mit Qualität gearbeitet. Das ist eine ganz besondere Spielstätte. Ich habe ein einziges Mal wirklich Freilichttheater gemacht in Leipzig – „Die Wahlverwandtschaften“. Da wird immer vor dem Gohliser Schlösschen Theater gespielt.

Sie sind ja unter anderen Voraussetzungen noch von Dieter Wedel nach Bad Hersfeld engagiert worden. War es für Sie ein Problem, plötzlich etwas ganz anderes unter einem anderen Regisseur zu spielen?

Schmidt-Schaller: Natürlich war das erst mal schwierig. Ich will mich zu der ganzen Affäre nicht äußern. Ich finde das eine Unverschämtheit. Ich frage nur meine West-Kollegen: Gab’s bei Euch keine Polizei, an die sich Frauen wenden konnten? Ursprünglich war ja gedacht, den Don Carlos zu spielen in einer wirklich hervorragenden Fassung von Dieter Wedel, und das hätte mich schon sehr gereizt. Das hätte ich spannend gefunden – als Krimi heutzutage.

Robert Schuster, Joern Hinkel und ich haben uns frühzeitig in Berlin getroffen, und die haben mir dann das Konzept von „Peer Gynt“ erklärt.

Über die Peer-Gynt-Inszenierung ist ja viel diskutiert worden. Viele Leute fanden es teilweise etwas schwierig und unverständlich. Reagiert ein Ensemble auf so etwas?

Schmidt-Schaller: Ja, man arbeitet an einem Stück auch nach der Premiere weiter.

Gibt es irgendeine Rolle, von der Sie sagen, sie sei Ihre Lieblingsrolle gewesen oder die Sie gerne noch einmal spielen möchten?

Schmidt-Schaller: In jüngeren Jahren gab es eine, die hätte ich wahnsinnig gerne gespielt, aber dazu bin ich nun doch leider zu alt: Richard III.

Ansonsten hatte ich am Theater eigentlich nur Glück mit meinen Rollen. Da war viel aus dem Charakterfach. Jetzt im Alter? Der König Lear wäre noch mal eine Herausforderung. Aber mein Hauptwunsch, den ich habe, seit ich Bühnenarbeiter war, ist es, mal eine Oper zu inszenieren.

Sind sie Opernfan?

Schmidt-Schaller: Ich finde einfach, dass in der Oper alles einfließt, also bildende Kunst, Musik, auch Schauspiel. Das hat mich als Bühnenarbeiter schon immer fasziniert. Das fand ich großartig.

Sie haben als Bühnenarbeiter angefangen?

Schmidt-Schaller: Ja. Das war einfach gut und richtig, weil man so auch Respekt vor allen Leuten bekommt, die am Theater arbeiten. Wenn’s nach mir ginge, sollte jeder, der sich an der Schauspielschule bewirbt, vorher ein Praktikum auch in den Bereichen hinter der Bühne gemacht haben. Das wäre eine gute Einführung in den Alltag am Theater und die Zusammenarbeit zwischen den Menschen in allen Bereichen. Mir hat das bei meiner Arbeit immer geholfen.

Andreas Schmidt-Schaller wurde 1945 in Arnstadt in Thüringen geboren. Er wuchs in Weimar und anschließend in Gera auf. Er begann als Bühnenarbeiter am Theater und studierte dann an der Theaterhochschule Leipzig. Neben zahlreichen Theaterengagements hat Andreas Schmidt-Schaller bereits 1973 erstmals für das Fernsehen gearbeitet, für die Reihe „Polizeiruf 110“ des DDR-Fernsehens. In 40 Folgen spielte er die Figur Thomas Grawe. Neben zahlreichen weiteren Rollen ist er seit 2001 regelmäßig als Kriminalhauptkommissar Hajo Trautzschke in der Soko Leipzig zu sehen. Andreas Schmidt Schaller spielte außerdem immer auch Theater und inszeniert selbst. 2015 erschien seine Autobiografie „Klare Ansage. Bekundungen und Bekenntnisse“ im Verlag Neues Leben. Andreas Schmidt-Schaller hat vier erwachsene Kinder und lebt in Berlin.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Bad Hersfelder FestspieleBad Hersfeld
Kommentare zu diesem Artikel