Lehrer mit vier Hufen

An der August-Wilhelm-Mende-Förderschule steht Reiten auf dem Stundenplan

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Konzentriert und fasziniert: Angeleitet von Lehrerin Hanna Berninger streichelt Leon die Stute Kimba.

Bebra/Rotenburg. Pferde haben eine positive Wirkung auf Kinder. Deshalb gibt es an der August-Wilhelm-Mende-Förderschule seit einiger Zeit Reitunterricht.

Mit sanftem Griff führt Hanna Berninger die Hand der neunjährigen Katrin. „Immer in die Richtung striegeln, in der das Fell wächst“, erklärt die 35-Jährige, während Katrin mit der freien Hand das Tier vor sich streichelt, konzentriert und fasziniert von dem weichen Fell.

Einmal wöchentlich besuchen Schülerinnen und Schüler der Bebraer August-Wilhelm-Mende-Förderschule den Rotenburger Wilhelminenhof. Hanna Berninger ist Lehrerin an der Förderschule, zudem ausgebildete Reittrainerin mit zusätzlicher Qualifikation für Kinder-Reitunterricht und Sitz- und Gleichgewichtsschulung.

Ruhig und geduldig

Kimba heißt das Warmblut, das die Kinder zunächst aus dem Stall holen und striegeln, und das die Kinder nachher auf seinem Rücken durch die Reithalle trägt. Kimba ist ein ruhiges und geduldiges Pferd, und auch eines, das nicht erschrickt, wenn die Kinder mal unerwartet zucken oder plötzliche Bewegungen machen. „Kimba ist den Menschen zugewandt. Das ist wichtig“, erklärt Hanna Berninger.

Während Kimba steht und Schülerin Katrin auf dem Rücken trägt, lässt Hanna Berninger Katrin mit den Armen kreisen. „Mal gucken, ob du dich das auch traust, wenn die Kimba läuft“, ermutigt sie sie. So vieles geschieht hier zugleich, wie Hanna Berninger hinterher erklärt: Es gehe für die Kinder um die Wahrnehmung des eigenen Körpers und den des Pferdes, darum, Ängste zu überwinden und dadurch Selbstvertrauen zu gewinnen.

Kimba reagiere kaum merklich auf jede Berührung. „Das Pferd spiegelt das Verhalten der Kinder“, erläutert Berninger. Aber: „Es bewertet sie nicht.“ Michael Kutzmann, stellvertretender Schulleiter, ist fest von der heilsamen Wirkung der Reitstunden überzeugt.

Die Erfahrung im Umgang mit dem Pferd helfe den Kindern, „aus sich selbst herauszutreten, sich auf eine Situation einzulassen“, wie Kutzmann es beschreibt. Die Auswirkungen dieser Erfahrung seien im Schulalltag spürbar. Kutzmann: „Man kommt aus sich und seinen Nöten heraus und schafft es besser, sich auf Lehrer, Mitschüler und den Unterricht einzulassen.“ Seit neuestem werde deshalb auch ein Therapiehund an der Schule eingesetzt.

Lionsclub spendet 500 Euro

Mit einer Spende in Höhe von 500 Euro unterstützt der Lions-club Bebra-Rotenburg die Aktivitäten der August-Wilhelm-Mende-Schule. Ausgesprochen dankbar für die Spende ist der stellvertretende Schulleiter Michael Kutzmann. Obwohl es sich um ein wertvolles Angebot handele, verfüge die Schule über kein für die Arbeit mit dem Pferd vorgesehenes Budget und sei deshalb auf Spenden angewiesen. 1200 Euro zahlt die Schule jährlich dem Rotenburger Reitverein, damit Woche für Woche wechselnde Gruppen von Kindern den Reiterhof besuchen dürfen. Hans Spichalsky, Präsident der Lionsclubs Rotenburg-Bebra, lobt die hier geleistete Arbeit. Er sei überzeugt, dass sich das Angebot positiv auf die Kinder auswirke. Daher überlege der Lionsclub, jährlich dafür zu spenden. (zmy)

Von Achim Meyer

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