Auch 2020 war es in Waldhessen zu warm und zu trocken

Wetterbilanz: Im ersten Lockdown schien im Landkreis Hersfeld-Rotenburg kräftig die Sonne

Die Durchschnittstemperaturen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg im Jahr 2020.
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Die Durchschnittstemperaturen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg im Jahr 2020.

Auch das Jahr 2020 war im Landkreis wieder deutlich wärmer und trockener als im Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre. Das geht aus den Daten der Arbeitsgemeinschaft Land- und Wasserwirtschaft (AGLW) hervor.

Hersfeld-Rotenburg – Die Temperatur lag im Durchschnitt bei 10,5 Grad. Das langjährige Mittel zwischen 1990, als die AGLW im Landkreis mit den Aufzeichnungen begann, und 2019 liegt bei 9,3 Grad. Durchschnittlich fielen im Landkreis in diesen 30 Jahren 718 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Im Jahr 2020 waren es rund 13 Prozent weniger: 626 Liter.

Besonders problematisch ist dabei laut Philipp Pfister von der AGLW, dass sich das Grundwasser nicht richtig regenerieren kann. „Die Niederschlagsverteilung führt dazu, dass der Boden das Wasser innerhalb kurzer Zeit nicht aufnehmen kann. Es fließt dann zum Beispiel über Gräben, Straßen und Dränagen.“ Es gab zwar auch fünf Monate mit deutlich mehr Regen als gewöhnlich – allerdings regnete es ausgerechnet im November (16 Liter, Mittelwert 62 Liter) und Dezember (41 Liter, Mittelwert 61 Liter) zu wenig. Gerade im Winter wird der Wasservorrat im Boden wieder aufgefüllt, weil die Temperaturen niedrig sind und das Pflanzenwachstum kaum Feuchtigkeit zieht.

Genau im Durchschnitt liegt das Jahr 2020 aber bei den elf Hitzetagen mit über 30 Grad, von denen zehn im August aufgezeichnet wurden. Am wärmsten war es an der Wetterstation in Niedergude, die repräsentativ für Waldhessen ist, am 9. August mit 36,7 Grad. Im vorangegangenen Jahr waren noch 25 Hitzetage verzeichnet worden.

Am anderen Ende der Skala wurden acht Frostnächte mit unter minus fünf Grad aufgezeichnet (langjähriges Mittel: 24), davon aber nur eine in der zweiten Jahreshälfte. Am kältesten war es am 2. Januar mit -7,1 Grad.

Als die Corona-Pandemie das Land zum ersten Mal lahmlegte, schien zumindest die Sonne – und zwar extrem viel: im März 6,3 Stunden täglich, im April 6,5 Stunden, im Mai 10,4 Stunden, im Juni 9,9 Stunden und im Juli 10,6 Stunden.

Am wenigsten Regen fiel in Braach

„Mairegen bringt Segen.“ Das Sprichwort bezieht sich auf die Ernte, die erst später im Jahr eingefahren wird. Viele Getreidearten wachsen im Wonnemonat besonders stark. „Ausgerechnet zu dieser Zeit war es 2020 aber besonders trocken“, sagt Philipp Pfister von der Arbeitsgemeinschaft Land- und Wasserwirtschaft (AGLW). Hinzu kam dann auch noch Frost während der Eisheiligen.

Betroffen war zum Beispiel die Gerste, wo es zu starken Ertragseinbußen kam. Weniger Probleme gab es auf Böden, die die Feuchtigkeit der hohen Niederschläge aus Februar und März speichern konnten.

Der Durchschnittsniederschlag im Landkreis Hersfeld-Rotenburg in 2020.

Unterm Strich fiel aber auch 2020 wieder zu wenig Regen. Die AGLW misst an 14 Stationen die Niederschlagsmenge. Am meisten hat es mit 810 Litern pro Quadratmeter in Mansbach geregnet, am wenigsten in Braach mit 505. Positiv ist laut Pfister, dass es weniger Starkregen gab als in den beiden vorangegangenen Jahren. „Das war nur vereinzelt der Fall. Zum Beispiel am 14. und 15. Juni mit bis zu 80 Litern pro Tag und teilweise bis zu 30 Litern in wenigen Minuten.“

Die Sonnenstunden kann die AGLW aufgrund einer Systemumstellung nur bis inklusive Juli nennen. Einzig im Januar war es mit 28 (langjähriges Mittel 44 Stunden) vergleichsweise dunkel. In den fünf Monaten von März bis Juli schien die Sonne 883 Stunden lang – das ist deutlich mehr als im Durchschnitt.

AGLW berät in 16 der 20 Kreis-Kommunen

Die AGLW wurde 1990 gegründet, um durch Beratung der Landwirte die Trinkwasserqualität zu verbessern. Ihr gehören neben dem Kreisbauernverband, dem Wasserverband Ost und der Energienetz Mitte GmbH 16 der 20 Kommunen des Kreises Hersfeld-Rotenburg an, hinzu kommen Ringgau, Herleshausen und Eiterfeld. Um die Landwirte beraten zu können, wertet die AGLW Wetterdaten aus der Region aus.

Von Christopher Ziermann

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