Schule im Lockdown: Teil 4

Alles nahezu wie immer: Besuch bei den Abiturienten der JGS in Rotenburg

Die Abschlussklassen werden vor Ort unterrichtet: die Abiturienten des Chemie-Leistungskurses mit Oberstufenleiter Marc Heinzerling (hinten links). Aliyah Schuricht (hinten Mitte) und Noah Kliebisch (rechts außen) sind froh, wieder in der Schule zu sein. In der Schule gilt die Maskenpflicht.
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Die Abschlussklassen werden vor Ort unterrichtet: die Abiturienten des Chemie-Leistungskurses mit Oberstufenleiter Marc Heinzerling (hinten links). Aliyah Schuricht (hinten Mitte) und Noah Kliebisch (rechts außen) sind froh, wieder in der Schule zu sein. In der Schule gilt die Maskenpflicht.

Die Schule hat wieder begonnen – eigentlich. Wer geht trotz Corona in die Schule und wer bleibt zuhause? Wir begleiten Schüler in ihrem ungewöhnlichen Alltag.

Rotenburg – In den langen Gängen der Jakob-Grimm-Schule in Rotenburg kann man sich leicht verlaufen. Zur Zeit trifft man dort auch nur wenige, die man nach dem richtigen Weg fragen könnte. Denn von den insgesamt 1300 Kindern und Jugendlichen sind derzeit nur 200 Schüler vor Ort. Alle anderen lernen von zuhause.

In der Schule werden derzeit nur die Abschlussklassen unterrichtet. Anders war das im ersten Lockdown. Der jetzige Präsenzunterricht gefällt Aliyah Schuricht, Kurssprecherin des Chemie-Leistungskurses, wesentlich besser: „Ich bin froh, wieder in der Schule zu sein. So bin im besseren Austausch mit den Lehrern.“ Im ersten Lockdown seien viele Stunden und viele Klausuren ausgefallen. In einzelnen Fächern seien dadurch Lücken entstanden, die aber wieder aufgeholt wurden. „Ich fühle mich auf das Abitur gut vorbereitet. Alle Lehrer haben das wirklich gut gemeistert“, sagt auch Schüler Noah Kliebisch.

Die Abiturprüfungen beginnen in diesem Jahr im April, der Start wurde um ein paar Wochen verschoben. „Mittlerweile läuft den Umständen entsprechend alles relativ normal“, sagt Aliyah. Auch Noah hat sich an die Regeln schon gewöhnt. Er sagt: „Anfangs war es komisch mit Maske im Unterricht zu sitzen, aber jetzt schränkt sie uns nicht mehr ein.“ Auch in den Pausen gilt die Maskenpflicht. Nur zum Essen und Trinken darf sie abgenommen werden.

Im Chemiekurs der beiden sind 14 Schüler. Daher werden sie in diesem Fach auch gemeinsam unterrichtet. „Im Deutsch- oder Mathekurs sind wir mehr Schüler, da sitzen wir dann in zwei verschiedenen Räumen“, erzählt Aliyah. Chemie- und Physiklehrer Marc Heinzerling erklärt: „Die Lehrkraft unterrichtet dann in beiden Räumen. Dadurch ist aber zum Beispiel die Betreuung von schwächeren Schülern problematisch, da man ja weniger Zeit in einem Raum verbringen kann.“ Experimente macht derzeit nur der Lehrer. Die Schüler können nur zuschauen. „Sonst wird das Abstandhalten schwierig.“

Heinzerling, der auch Oberstufenleiter ist, sagt: „Die anderen Schüler sind zuhause im Distanzunterricht. Wir bemühen uns um Videounterricht, allerdings ist das nicht immer möglich.“ Es sei zum Beispiel so, dass eine Lehrkraft zuerst eine Abschlussklasse in der Schule unterrichte und dann in der nächsten Stunde eine Mittelstufen-Klasse im Distanzunterricht. „Die Zeit reicht nicht aus, um nach Hause zu fahren und sich vor den Laptop zu setzen. Hier in der Schule ist die Internetverbindung zu instabil dafür.“ Daher arbeiten die Schüler zuhause nach Wochenplänen. Die bestehen aus Aufgaben, die sie eigenständig bearbeiten, und aus Video-Unterricht. „Das macht jeder Lehrer so, wie es machbar ist“, erklärt Heinzerling. Der Unterricht in den Abschlussklassen ist im Vergleich zu allen anderen Jahrgangsstufen also nahezu wie immer.

Was zu kurz komme, sei die soziale Komponente. „Wir haben ein sehr gutes Lehrer-Schüler-Verhältnis. Der Unterricht läuft, so gut es eben geht, aber Schule ist mehr als nur das“, sagt Heinzerling. Er vermisst vor allem die gemeinsamen Kochabende mit seinen Schülern. „Das Miteinander zu pflegen, ist sehr schwierig gerade.“ Vor den Herbstferien war für Aliyahs und Noahs Jahrgang eigentlich auch die letzte gemeinsame Tutorfahrt geplant. Die musste wegen Corona ausfallen. „Wir planen jetzt gerade zwar den Abiball, aber ob oder wie alles tatsächlich stattfinden kann, ist noch unsicher“, sagt Aliyah.

Wir haben auch die Grundschule in Philippsthal, eine Obersuhler Grundschülerin und eine Achtklässlerin aus Bad Hersfeld im Corona-Schulalltag begleitet.

Von Anna Weyh

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