Allein mit den Museumsgeistern

Im Corona-Schlaf: Rotenburger Kreisheimatmuseum träumt von Rätselspaß

Helferin des Osterhasen: Lisa Heckeroth (linkes Bild) bereitet sich bereits auf die Eiersuche im Museum vor. Unser
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Helferin des Osterhasen: Lisa Heckeroth (linkes Bild) bereitet sich bereits auf die Eiersuche im Museum vor.

Vom Kino bis zum Tanzlokal: Viele Einrichtungen sind wegen Corona geschlossen. Wir haben hinter die Kulissen geblickt. Heute: das Kreisheimatmuseum in Rotenburg.

Rotenburg – Lisa Heckeroth kennt sich aus mit Museumsgeistern. Damit ist nicht etwa der Entdeckergeist gemeint, der den ein oder anderen zu einem Besuch verleitet. Nein, es geht um waschechte Museumsgeister wie knackende Heizungen, knarzende Holzböden und klopfende Leitungen. Derzeit hört Heckeroth es besonders oft spuken – die Ablenkung fehlt. Seit dem 2. November ist das Kreisheimatmuseum in Rotenburg erneut geschlossen und seine Leiterin oft allein in dem alten Fachwerkhaus.

„Mir fehlen gerade auch die Schulklassen“, sagt die 37-Jährige, die im Staatlichen Museum für Naturkunde in Karlsruhe im Bereich Museumspädagogik volontiert hat und seit neun Jahren das Museum des Landkreises betreut. Sie vermisst die Arbeit mit Kindern. Und in der Tat wirkt die Galerie mit den zwar lebensecht wirkenden, aber eben ausgestopften Tieren in der Abteilung Naturkunde im Dachgeschoss, nun ja, etwas tot ohne kleine Besucher, die an den Glasscheiben kleben.

Auch der arme Bergmann, der im Erdgeschoss die schwere Arbeit der sogenannten Krummhälse im Kupferschieferbergbau verdeutlichen soll, leidet ohne Besucher völlig umsonst. Die Bezeichnung erschließt sich aus der erzwungenen Körperhaltung im engen Schacht. Hat er einen Namen? „Noch nicht“, sagt Lisa Heckeroth. Vielleicht ist das auch eine Aufgabe für den Lockdown.

Trotz der Pandemie hat die Leiterin, die mit ihren 15 Stunden vom Landkreis weiterhin voll für das Museum eingesetzt wird, immer etwas zu tun. So müssen vielleicht die Vitrinen nicht so gründlich geputzt werden wie sonst. Dafür bleibt mehr Zeit für die intensive Pflege und Aufarbeitung einiger Ausstellungsstücke. Einmal pro Woche macht Heckeroth einen Kontrollgang durch die menschenleeren Räume. Schaut, ob die Heizung noch läuft. (Eingestellt ist die auf etwa 16 Grad, Holz arbeitet und im Kreisheimatmuseum ist vieles aus Holz). Prüft, ob es keinen Wasserrohrbruch gegeben hat. (Auch da ist altes Holz empfindlich). Im Endeffekt stellt sie sicher, dass sich die Museumsgeister wohlfühlen. Als die Leiterin davon erzählt, fängt passenderweise die Heizung leise zu ticken an. Ist das Beifall?

Den hätte Lisa Heckeroth zumindest für ihre erste Lockdown-Idee verdient. Auf der Webseite des Kreisheimatmuseums hat sie eine Schnitzeljagd organisiert, bei der die Besucher online auf die Suche nach einem „supergeheimen Dokument“ geschickt werden. „Seitdem haben sich die Seitenklicks verdreifacht“, sagt sie. Vor dem Lockdown waren es im Schnitt etwa 180 pro Monat.

Jetzt nutzt die 37-Jährige den Winterschlaf des Museums, um vom nächsten Projekt zu träumen: Ein weiteres Rätselspiel, dass an das beliebte „Escape Room“-Erlebnis angelehnt ist. Besucher sollen sich einmal quer durch die auf drei Stockwerke verteilten 600 Quadratmeter des Museums rätseln können. Noch ist die Idee nicht ganz spruchreif. Im Herbst soll die Planung aber stehen. Vorher findet auch auf jeden Fall die beliebte Ostereiersuche im Kreisheimatmuseum statt – wenn der Lockdown verlängert wird notfalls auch wie beim geheimen Dokument auf der Internetseite.

Normalerweise wird Heckeroth von zwei Ehrenamtlern aus Rotenburg unterstützt – die aber zur Corona-Risikogruppe gehören. Das Trio hat regelmäßig Kontakt per Telefon. „Wir warten alle auf bessere Zeiten“, sagt Lisa Heckeroth. Bis dahin schlummert das Kreisheimatmuseum in Rotenburg weiter – und träumt möglicherweise von pädagogisch wertvollem Rätselspaß.

Das Museum im Internet: kreis-heimatmuseum-rotenburg.de.

Von Clemens Herwig

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