Er fotografierte halb Hollywood: Bekannter Fotograf aus Alheim ist tot

Alheims Ehrenbürger F.C. Gundlach ist kurz nach seinem 95. Geburtstag in Hamburg gestorben

Fotograf aus Leidenschaft: F.C. Gundlach fotografierte Schauspieler und Prominente ungekünstelt und authentisch.
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Fotograf aus Leidenschaft: F.C. Gundlach fotografierte Schauspieler und Prominente ungekünstelt und authentisch.

Der Grandseigneur der deutschen Fotografie und Ehrenbürger der Gemeinde Alheim, F.C. Gundlach, ist tot.

Hamburg / Alheim – Der 1926 in Heinebach als Franz Christian Gundlach geborene, hochdekorierte Modefotograf verstarb am Freitag in der Hamburger Elbschloss-Residenz, einer stilvollen Seniorenwohnanlage in der Gemarkung Klein Flottbek am Nordufer der Unterelbe. Dort hatte er zuletzt gelebt und nur wenige Tage zuvor – am 16. Juli – dort noch seinen 95. Geburtstag gefeiert.

Der gebürtige Heinebacher gilt als einer der bedeutendsten Modefotografen der frühen Bundesrepublik. Nicht nur Models ließen sich von ihm ablichten – auch Stars wie Romy Schneider, Zarah Leander oder Cary Grant traten vor seine Kamera. 2008 wurde Gundlach zu Alheims Ehrenbürger ernannt und trug sich im Beisein des damaligen Bürgermeisters Georg Lüdtke und des Gemeindevertretungsvorsitzenden Jörg-Uwe Meister ins Goldene Buch der Gemeinde ein.

Ehrenbürger F.C. Gundlach trägt sich am 30. Oktober 2008 im Trauzimmer der Gemeindeverwaltung Alheim in Baumbach ins Goldene Buch der Gemeinde ein.

Zu seinem 95. Geburtstag hatten wir den Ausnahmekünstler wie folgt porträtiert:

Der Fotograf F. C. Gundlach ist weit über die Grenzen des Landkreises Hersfeld-Rotenburg bekannt. Jetzt hat er seinen 95. Geburtstag gefeiert. Ein Porträt.

Er inszenierte Fotos mit Paul Newman, Maria Schell, Jean-Luc Godard, Nadja Tiller, Horst Buchholz. Er zeigte Romy Schneider so ernst und verletzlich, wie sie sich nach der Scheidung ihrer Eltern fühlte. Und ganz anders, als die Menschen sie damals sehen wollten. Ihr eigenes Porträt hat die Schauspielerin Hunderte Male nachbestellt. F.C. Gundlach bezeichnete es einmal als sein wichtigstes Bild.

Alheims Ehrenbürger und berühmtester Sohn Heinebachs prägte über vier Jahrzehnte die wichtigsten Magazine und Publikationen in Deutschland. Gestern, am 16. Juli, wurde er 95 Jahre alt. Das soll mit einer Ausstellung „F.C. Gundlach at Work“ im engsten Familienkreis in der Elbschloss-Residenz in Hamburg gefeiert werden. Hier lebt F.C. Gundlach seit einigen Jahren.

Badekappen-Serie: Redaktionen waren anfangs nicht immer begeistert von den Pop-Art-Serien F.C. Gundlachs. Die Badekappen-Serie brachte jedoch 1966 den Durchbruch.

„Scheinbar leicht und schwerelos posen und schweben seine Models anmutig über die Bildfläche“, teilt die Stiftung F.C. Gundlach mit. Doch was so mühelos daherkommt, sei oftmals das Ergebnis harter Arbeit und detaillierter Vorbereitung. „Fleiß, Disziplin und ein Hauch Fortune!“, laute denn auch das Lebensmotto des Jubilars. Gundlach gründete die Stiftung im Jahr 2000, um die seit 1975 aufgebaute Sammlung zum „Bild des Menschen in der Photographie“ sowie das eigene Werk zu pflegen, wissenschaftlich zu bearbeiten und auszubauen. „Er ist sehr fit und gesund“, sagt Jasmin Seck von der Stiftung. Der Meister-Fotograf, Unternehmer, Sammler und Förderer der Fotografie sei zwar nicht vom Corona-Virus verschont geblieben. „Aber er hatte keine schweren Symptome“, ergänzt die Assistentin der Geschäftsführung.

Bereits als Zehnjähriger entdeckte Franz Christian Gundlach seine Leidenschaft für die Fotografie. Die erste Kamera war 1936 eine Agfa Box mit Selbstauslöser. Zwei Jahre später, 1938, bekam er seine eigene Dunkelkammer im Haus der Eltern. Heinrich Gundlach (1894–1954) und Katharina Gundlach, geb. Nöding (1896–1968) führten die Gastwirtschaft Zum Löwen in Heinebach. Nach Schulabschluss und Kriegswirren lernte er von 1947 bis 1949 das Handwerk auf einer privaten Fotografie-Schule in Kassel. Schnell entschied sich F.C. Gundlach für die Modefotografie und machte sich einen Namen durch Arbeiten für Zeitschriften wie „Film und Frau“ oder Brigitte.

Das Badekappen-Team auf dem Weg zur Cheopspyramide in der ägyptischen Wüste.

Innerhalb kürzester Zeit wurde er zu einem der renommiertesten „Fashion Photographer“. Sein Durchbruch kam 1966 mit dem legendären Bild „Vor der Cheopspyramide“. Es war eine Auftragsarbeit der Zeitschrift Brigitte. Gundlach sollte Fotos liefern für eine Bademodeserie unter dem Motto „Den ganzen Tag am Strand“. Gundlachs Aufnahmen zeigten zwei Frauen mitten in der ägyptischen Wüste. Und weit und breit weder Strand noch Meer. Es sind Fotos wie diese, die die Modewelt revolutionierten. Pop-Art in feinster Manier. Absurd und humorvoll zugleich.

Ein Vektogramm des „Badekappen“-Motivs ist auch auf dem Mausoleum auf dem Ohlsdorfer Friedhof zu sehen, das Gundlach bereits vor Jahren samt Sarkophag bauen ließ. Kein Name, nur das Motiv. Namen seien Schall und Rauch, meinte der Künstler in einem Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit. Bilder blieben länger im Gedächtnis.

Noch wesentlicher aber war für Gundlach, dass er die letzte Ruhe in einem oberirdischen Grab finde. „Eine gute Aussicht ist ihm wichtig“, erklärt die Filmautorin Eva Gerberding, die in 2011 gemeinsam mit Gundlach dessen Grab besuchte und dort die ersten Szenen für ihre Dokumentation „F.C. Gundlach: Der Meister der Modephotographie“ drehte. Gundlach fotografierte die Models nicht nur vor Pyramiden, sondern auch auf den Straßen Nairobis, im Hamburger Hafen oder stehend auf einem Flugzeugflügel. Reise-Reportagen führten ihn ab den 1950er-Jahren in Länder wie Argentinien, Brasilien, Japan, Kambodscha und Thailand. „Er war ein Abenteurer“, sagt Jasmin Seck. (Susanne Kanngieser und Peter Gottbehüt)

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