Sie sind hübsch wie Sau

Tobias Gipper aus Baumbach züchtet die seltene Schweinerasse Kunekune

Das ist seine Welt: Tobias Gipper auf der Weide, umgeben von Ziegen, Schweinen und zwei Ponys – alles Tiere mit persönlichen Besonderheiten, die irgendwie den Weg zur Familie gefunden haben.

Baumbach. Duvel ist im Mutterglück: Vor einer Woche hat die Sau vier Ferkel geworfen und damit für den Fortbestand einer seltenen Rasse gesorgt: Duvel ist ein Kunekune-Schwein, dessen Ursprünge in Neuseeland liegen.

In Deutschland gibt es nur 40 dieser Tiere, sagt Tobias Gipper. Der Mann aus Baumbach hat sich jetzt an die Zucht gewagt.

Drei ausgewachsene Kunekunes – Duvel, Boris und Rosi – hat sich der 40-Jährige angeschafft. Duvel bekam einen Deck-Eber aus einer anderen anerkannten Zucht, „um das Blut aufzufrischen“, wie Gipper sagt. Die Zucht dient dem Erhalt der Rasse und folgt offiziell vorgegebenen Regeln mit Herdbuch und allem, was die Bürokratie hergibt.

Warum Kunekunes? Gipper und seine Lebensgefährtin Anna Maria Liebe sind einfach fasziniert von den Tieren: „Sie sind entspannt, robust, sehr klug und menschenbezogen – und hübsch wie Sau“ findet Gipper. Die Tiere sind Grasfresser und können auf relativ kleiner Fläche gehalten werden. Bei Gipper teilen sie sich eine großzügige Lebensfläche mit zwei Ziegenböcken und zwei Ponys.

Die Familie, zu der auch Tochter Luna gehört, hat sich auf den Weg gemacht zu einem möglichst autarken Leben. Mit alternativer Energieversorgung und mit Lebensmitteln, die sie selbst anbaut oder im Tausch mit Nachbarn erwirbt. Naturnah, biologisch, regional und im natürlichen Kreislauf, so wünscht sich Tobias Gipper den Umgang mit Nahrungsmitteln. Solidarische Landwirtschaft, das Geben und Nehmen, das Füreinander-da-sein gehören für ihn zu einem erstrebenswerten Dasein. Stundenlang kann sich Tobias Gipper über verfremdete Nahrung, ökologisches Ungleichgewicht und Lebensmittelkonzerne auslassen, die die Erde ausbeuten und die Gesundheit von Menschen angreifen.

Eigentlich wirkt die Familie mit ihrem selbst ausgebauten leuchtend grünen Häuschen, das sich zur Dauerbaustelle gewandelt hat, exotisch im beschaulichen Baumbach. Tobias Gipper ist Tätowierer von Beruf, und das sieht man auch. Seit drei Jahren werkeln er, seine Partnerin Anna und immer wieder Freunde an dem Häuschen, haben nach und nach Dach und Wände auf bewohnbare Höhe gezogen, gestalten Grundstück und Gebäude mit Elementen aus einer besonderen Betonart und versuchen das Leben als Geschenk zu sehen. Das besonders, weil Tobias Gipper an einer seltenen Darmerkrankung leidet, die immer wieder Operationen erfordert.

Sein Leben ist nicht geradlinig verlaufen. Seine Kindheit hat er mit Eltern und zwei Schwestern weitgehend in Heinebach verbracht. Eine Glaserausbildung brach er nach kurzer Zeit ab, machte dann eine Ausbildung zum technischen Zeichner bei RMW, arbeitete anschließend noch zwei Jahre in seinem Beruf in Fulda und brach dann dort alle Zelte ab. Mit einer Freundin zog er nach Rügen und machte sich dort als Tätowierer selbstständig. Auf der Insel erlitt er eine Lungenembolie und kehrte daraufhin in seine Heimat zurück.

Hier lernte er seine Partnerin Anna kennen. In Rotenburg eröffnete er ein Tattoo-Studio, mit dem er schließlich in das Haus in Baumbach umzog. Die Familie lebt darin mit drei Hunden und zwei Katzen und fühlt sich wohl im Dorf. „Die Nachbarschaft ist super“, sagt Tobias Gipper. Einer helfe dem anderen. „Wir sind hier genau richtig gelandet.“

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