Wechsel beim Kreisbauernverband

Friedhelm Diegel und Jörg Schäfer sind Landwirte mit Leib und Seele

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Generationswechsel: Als neuer Vorsitzender des Kreisbauernverbandes hat Jörg Schäfer (links) die Nachfolge von Friedhelm Diegel angetreten. Die Höfe der beiden Landwirte in den Alheimer Ortsteilen Niedergude und Erdpenhausen sind übrigens nur rund 1,5 Kliometer voneinander entfernt.

Den Vorsitz des Kreisbauernverbands Hersfeld-Rotenburg hat Friedhelm Diegel Ende vergangenen Jahres zwar abgegeben, nicht aber seine Leidenschaft für die Landwirtschaft.

Dennoch: „Irgendwann muss man einen Schnitt machen“, betont der 69-Jährige. Die Frage nach einer weiteren Amtszeit erübrigte sich für den Erdpenhäuser ohnehin, da er das in den Statuten der Berufsvertretung festgelegte Höchstalter überschritten hat. Von der Mitgliederversammlung wurde Diegel zum Ehrenvorsitzenden ernannt, am kommenden Freitag soll er offiziell verabschiedet werden.

Als Vorsitzender des Kreisbauernverbandes war er mehr als 15 Jahre Gesicht und Stimme der waldhessischen Landwirte. Dabei hatte er ursprünglich ein Auskommen außerhalb dieses Berufszweiges gesucht – als Dreher bei den Rotenburger Metallwerken. Glücklich sei er in diesem Beruf aber nicht gewesen, betont der 69-Jährige, der als Mitglied der CDU-Fraktionen im Kreistag und in der Alheimer Gemeindevertretung auch kommunalpolitisch aktiv ist und 2002 zur Bürgermeisterwahl in seiner Heimatgemeinde kandidierte.

Ob Gentechnik, Umweltauflagen oder Milchkrise – als Kreisbauernverbandsvorsitzender scheute Diegel nicht die öffentliche Debatte, bezog klar Stellung und widersprach, wenn es um die Interessen der waldhessischen Landwirte ging, mitunter auch dem eigenen Landes- oder Bundesverband.

Der fortschreitende Strukturwandel, dessen Folgen Diegel stets besonders umtrieben, wird ihm auch auf dem eigenen Hof vor Augen geführt: Während er den Betrieb mit Hähnchenmast, Mutterkühen und einigen Schweinen, noch im Vollerwerb bestellte, führt sein jüngster Sohn die Landwirtschaft in Nebenerwerb weiter. Jeder Berufskollege, der ganz aufhöre, sei einer zu viel, unterstreicht Friedhelm Diegel – nicht zuletzt, weil mit dieser Entwicklung auch zunehmend das Verständnis der Bevölkerung für die Landwirtschaft schwinde.

Wie sein Vorgänger, bezeichnet sich auch der neue Kreisbauernverbandsvorsitzende Jörg Schäfer als Landwirt mit Leib und Seele. Im Vollerwerb bewirtschaftet der 50-Jährige mit seiner Familie einen Hof am Ortsrand von Niedergude mit den Schwerpunkten Milchkühen und Mastschweinen. Das Futter werde bis auf wenige Ausnahmen auf selbst bewirtschafteten Flächen angebaut: „Ich bin Verfechter der Kreislauflandwirtschaft“, betont er. Sein Vorstandsamt hat Jörg Schäfer zu einer Zeit übernommen, in der die Stimmung der Bauern am Boden ist. Diskussionen um Umweltschutz dürfe sich auch die Landwirtschaft nicht verschließen, betont Schäfer, der jedoch mangelnde Verlässlichkeit für die Landwirte etwa bei den Vorgaben zu Tierhaltung moniert und fordert, dass vergleichbare Umweltstandards auch für Lebensmittelimporte gelten müssten.

Ein Zerrbild von Negativbeispielen präge die öffentliche Debatte ums Tierwohl, beklagt der 50-Jährige, der auch stellvertretender Kreislandwirt ist: „So, als würde man von einer Autobahn nur die Unfälle zeigen“. Ausdrücklich unterstützt der neue Kreisbauernverbandsvorsitzende die Initiative „Land schafft Verbindung“, die in den vergangenen Monaten deutschlandweit zu Protesten gegen die Agrarpolitik aufgerufen hatte.

Schäfer selbst hatte der Politik während einer solchen Demonstration „Hochverrat“ vorgeworfen. Diese „intensive Wortwahl“ sei nötig, um überhaupt Gehör zu finden, verteidigt der Landwirt seine Formulierung, die sich darauf bezogen habe, dass einerseits Regionalität und Klimaschutz propagiert, andererseits mit dem Mercosur-Abkommen Lebensmittelimporte aus Südamerika begünstigt würden.

Zu den Hauptaufgaben des Kreisbauernverbandes zählen für den neuen Vorsitzenden die Beratung und Unterstützung der Mitglieder. Dabei wolle er ausdrücklich Ansprechpartner für alle Landwirte sein – ob im Haupt- und Nebenerwerb, biologisch oder konventionell. Ein weiteres Ziel des 50-Jährigen: „Ich möchte auch den Verbrauchern näherbringen, wie Landwirtschaft funktioniert“.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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