Seit zweieinhalb Jahren in Deutschland

Aus Kanada nach Alheim: So gefällt es einer Einwanderin in Oberellenbach 

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Liebt die Landschaft rund um Oberellenbach: Katrina Berger mit Sohn Liam auf ihrer Spazierstrecke.

Aus einer kanadischen Großstadt ins beschauliche Oberellenbach: Die 24-jährige Katrina Berger bereut diesen Schritt kein bisschen. Die Liebe hat sie nach Alheim verschlagen.

Die junge Frau kommt von der kanadischen Westküste. Aus Surrey, das an einem Ausläufer des Pazifik liegt und mit 470.000 Einwohnern nur wenig kleiner als das 30 Kilometer entfernte Vancouver ist. Der Anfang vom Auswandern passierte allerdings vor fünf Jahren in Australien. Nach dem High-School-Abschluss lebte Katrina ein Jahr auf dem roten Kontinent – und traf dort den besten Freund ihres heutigen Ehemannes Sven Berger. Der verbrachte dort ebenso wie sie ein Jahr mit Reisen und Arbeiten. Genauso wie Katrinas Cousine. Die verliebte sich in Svens besten Freund und zog schließlich nach Oberellenbach.

Im Herbst 2014 kam Katrina nach Deutschland, um ihre Cousine und das Münchener Oktoberfest zu besuchen. Mit dabei: Sven Berger. Wegen ihm blieb sie einige Wochen länger als geplant. 2015 zog Sven nach Kanada, wo Katrina eine Ausbildung zur Rechtsanwaltsgehilfin machte. Im Sommer 2016 heirateten die beiden und zogen dann nach Oberellenbach.

„Mir gefällt es hier“, sagt sie in flüssigem Deutsch. Sie vermisst zwar die hohen Berge und die großen Seen ihrer Heimat, nicht aber das Großstadtleben, in dem sie aufgewachsen ist. „Es ist ruhig hier, die Luft ist toll und es fahren nicht so viele Autos. Ich liebe die Landschaft.“ Das könne jeder ihrer Freunde und Familienmitglieder nachvollziehen, der sie hier besucht hat. Ihre Reiselust hat Katrina nicht verloren: Mit ihrem Mann war sie schon in Norwegen, Mazedonien und in Österreich zum Skifahren. „Das geht alles viel schneller und ist viel günstiger als in Kanada. In vier Stunden ist man in einem anderen Land, in Kanada gerade mal in der nächsten Stadt.“

Aufgewachsen ist Katrina zwischen Seen und Bergen.

Als Svens Eltern sie in Surrey besuchten, unternahmen beide Familien zusammen einen Ausflug zu einem kleinen See, rund zwei Stunden entfernt. „Sie haben das nicht verstanden, aber das ist in Kanada halt normal.“ Eins hat sich für Katrina aber kaum verändert: der Winter. „Viele fragen mich danach, aber in Surrey wird es nicht kälter als hier auch.“ Zweistellige Minusgrade gibt es eher im Landesinneren.

Besonders gut gefällt der 24-Jährigen die Gemeinschaft in Oberellenbach. In Kanada hat Katrina zwar auch Freunde und Familie – der Freundeskreis in Oberellenbach ist aber weitaus größer, sagt sie. Sie macht mit bei einem Zumbakurs in Heinebach, ihr Mann ist bei der Freiwilligen Feuerwehr und spielt Fußball. Diese Vereinskultur kannte Katrina bisher nicht. „In Kanada gibt es Sportmannschaften an der High School und an der Uni.“

Eines vermisst Katrina, deren Urgroßeltern aus Irland, Finnland und Deutschland nach Kanada eingewandert sind, dann aber doch: die Kirchenbesuche. „Kirche ist in Kanada ganz anders. Viel persönlicher. Und es werden Lieder gesungen, die auch im Radio laufen. Da kommen auch junge Leute wie ich.“

Gegensätze der neuen und alten Heimat, festgehalten in einem Familienalbum.

Nach ihrem Umzug nach Deutschland belegte Katrina ein halbes Jahr lang einen Sprachkurs in Bebra. Derzeit arbeitet sie im Dorfladen, auch um ihr Deutsch weiter zu verbessern. Sohn Liam ist mittlerweile anderthalb Jahre alt und versteht übrigens schon Deutsch und Englisch. Im Sommer beginnt Katrina in Melsungen eine Ausbildung zur Groß- und Einzelhandelskauffrau.

Ihr gefällt, dass ihre neue Heimat so viel Geschichte hat. „Das Haus von Svens Eltern ist älter als Kanada. In Europa gibt es sehr viel zu entdecken.“ Besonders angetan haben es der 24-Jährigen Burgen und Schlösser.

„Ich glaube, ich gehe nicht mehr nach Kanada zurück“, sagt Katrina Berger. Dafür hat sie nicht nur ihren Mann, sondern auch Oberellenbach, Deutschland und ganz Europa längst viel zu liebgewonnen.

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