Ortsbeirat kritisiert Alheimer Parlamentsentscheidung

Anwohner wollen Tempo-30-Zone auf B83 in Heinebach

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Die betroffenen Anwohner an der Ortsdurchfahrt wollen laut Umfrage ein Tempolimit - zumindest nachts, viele fordern aber auch eine Geschwindigkeitsbegrenzung rund um die Uhr.   

Das Alheimer Parlament hat ein Tempolimit auf der B83-Ortsdurchfahrt in Heinebach abgelehnt. Der Ortsbeirat kritisiert die Entscheidung - und legt eine Anwohner-Umfrage vor.  

„In der Gemeindevertretung stimmen Leute aus Obergude und Licherode über ein Tempolimit in Heinebach ab, ohne dass man die Heinebacher vorher mal gefragt hat.“ Diese Kritik hat Ortsbeiratsmitglied Peter Wiegel in der Sitzung am Montagabend geäußert. Das Gremium stimmte über den gleichen Vorschlag ab wie vier Wochen zuvor das Gemeindeparlament, wo ein nächtliches Tempolimit auf der B 83-Ortsdurchfahrt mit 13:1 Stimmen abgelehnt wurde. Ganz anders der Ortsbeirat: Er votierte einstimmig für ein Tempolimit.

Ortsvorsteher ist Fritz Aschenbrenner, der zugleich in der Gemeindevertretung Mitglied der CDU-Fraktion ist. Er räumte freimütig ein: „Als das Thema in die Ausschüsse und in die Gemeindevertretung kam, war niemand so richtig informiert. Ich hätte bemängeln müssen, warum nicht zuerst der Ortsbeirat Heinebach über das Tempolimit spricht.“ Die Aufgabe von Parlament und Ortsbeirat sei es, die Interessen der Bürger zu vertreten. „Das war hier nicht der Fall und soll jetzt geschehen.“

Viele Anwohner sind auch tagsüber für Tempo 30

Thilo Frankfurth, Ortsbeiratsmitglied und selbst direkter Anwohner der Nürnberger Straße, hatte im Vorfeld der Sitzung die Bürger befragt, die der Lärm der Ortsdurchfahrt direkt betrifft – nämlich alle Haushalte, die die Adresse Nürnberger Straße haben.

Das Ergebnis: Von 92 Teilnehmern waren 42 für ein nächtliches Tempolimit und 41 für Tempo 30 rund um die Uhr. Nur neun waren laut Frankfurth für die Beibehaltung von Tempo 50 – fünf davon hätten zwar die Nürnberger Straße als Adresse, ihre Häuser stünden aber nicht direkt an der Fahrbahn.

Die Frage, ob eine Reduzierung auf 30 Stundenkilometer überhaupt für eine Lärmminderung sorgen würde, kam wie schon im Gemeindeparlament auch im Ortsbeirat auf. „Das kann ich nicht beurteilen, ich bin kein Fachmann“, sagte Aschenbrenner. Er erteilte den drei Besuchern der Sitzung – zwei Anwohner und ein ehemaliger Anwohner – Rederecht.

Streit um Nutzen von Tempolimit

„Wenn man langsamer fährt und einen Gang runterschaltet, dafür aber höhere Drehzahlen hat, bringt das doch gar nichts. Es hätte aber negative Folgen. Bei Tempo 30 wären die Autos viel dichter beieinander – und man kommt jetzt schon bei viel Verkehr als Fußgänger kaum über die Straße“, sagte einer der Gäste. 

Die anderen Besucher hielten dagegen. Dass langsamere Fahrzeuge leiser seien, merke man sofort, wenn man darauf achten würde. Einer der Männer ist sogar umgezogen, weil „ein lauter Lkw nachts um 2 Uhr ausreicht, und man sitzt senkrecht im Bett“.

Die Decke würde sich absenken in den Anliegerhäusern, Türen würden schleifen und die Wände würden buchstäblich wackeln. Die Probleme hängen auch damit zusammen, dass die Ortsdurchfahrt kaputt ist und erst 2021 saniert wird. 

Fast alle Anwesenden plädierten für regelmäßige Kontrollen auf der Nürnberger Straße, unabhängig vom Tempolimit, am besten sei ein fester Blitzer. Besonders Ältere und Familien mit Kindern haben sich laut Frankfurth für ein Tempolimit rund um die Uhr ausgesprochen – eher aus Sicherheits- als aus Lärmgründen.

Entscheidung trifft letztendlich die Untere Verkehrsbehörde

Die Entscheidung über ein Tempolimit, und ob es nur nachts oder ganztägig umgesetzt wird, fällt weder im Ortsbeirat noch in der Gemeindevertretung und auch nicht im Gemeindevorstand mit Bürgermeister Georg Lüdtke, der ein Tempolimit befürwortet. Sie wird von der Unteren Verkehrsbehörde, die beim Landkreis angesiedelt ist, getroffen. 

Der Gemeindevorstand werde der Verkehrsbehörde die jeweiligen Abstimmungsergebnisse der drei Gremien mitteilen, so Lüdtke. „Der Ortsbeirat ist ein beratendes, kein beschließendes Organ. Zu dem Thema hat es mehrere amtliche Bekanntmachungen gegeben. Jeder hätte Bescheid wissen und sich damit beschäftigen können“, sagt Lüdtke.

Anlieger von Straßen mit großer Lärmbelästigung können bei Hessen Mobil einen Zuschuss für Lärmschutzfenster beantragen. Das gilt auch für Häuser an der B 83-Ortsdurchfahrt in Heinebach. Bisher wurden laut Hessen Mobil dort an sieben Gebäuden Lärmschutzmaßnahmen bezuschusst. 75 Prozent der Kosten übernimmt das Land oder der Bund, den Rest trägt der Hauseigentümer.

Quelle: HNA

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