Umstrukturierung

Ärger über Bad Hersfelder Augenklinik: Gilfershäuser hat nach 16 Uhr „Pech gehabt“

Das ging ins Auge: Norman Nieborowsky mit dem Stock, der für viel Ungemach gesorgt hat. Der eineinhalbjährigen Hündin Ally hat er längst verziehen – sie hatte mit ihrer Spielfreude zur Verletzung beigetragen.
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Das ging ins Auge: Norman Nieborowsky mit dem Stock, der für viel Ungemach gesorgt hat. Der eineinhalbjährigen Hündin Ally hat er längst verziehen – sie hatte mit ihrer Spielfreude zur Verletzung beigetragen.

Bei einem Spaziergang verletzt sich der Gilfershäuser Norman Nieborowsky, hofft auf Hilfe in der Augenklinik in Bad Hersfeld – und wird enttäuscht.

Gilfershausen/Bad Hersfeld – Für den 43-jährigen Norman Nieborowsky ist das inakzeptabel: „Das ist ein Klinikum, für das wir alle viel Geld bezahlen“, kritisiert er. Und fragt: „Was ist da in Hersfeld los?“

Bereits als das Klinikum Hersfeld-Rotenburg im September ankündigt, dass die Augenklinik künftig lediglich nur noch für ambulante Behandlungen aufgestellt wird, stoßen die Pläne auf Kritik. Seit April ist die stationäre Versorgung Geschichte. Die Augenheilkunde habe erhebliche wirtschaftliche Schwierigkeiten, heißt es von Klinikumgeschäftsführer Rolf Weigel zur Erklärung. Ein renommiertes Haus wird kaputtgemacht, heißt es von den Gegnern. „Auch ich habe vorher nur Gutes über die Klinik gehört“, sagt Norman Nieborowsky.

Der 43-Jährige hat am 4. Juni im Wäldchen am Bühl in Gilfershausen einen Unfall. Eigentlich will er nur beim Laufen mit dem Hund und der Familie einen Stock zum Abstützen holen, aber Vierbeiner Ally hält es für eine Aufforderung zum Spielen. Beim Gerangel um das Holz landet der Ast letztendlich im linken Auge des Gilfershäusers. „Ich habe mich erst einmal fünf Minuten vor Schmerz gekugelt“, sagt er. Anschließend sieht er nicht viel mehr als Farbflecken, und die auch noch verschwommen.

Die Familie setzt sich ins Auto und fährt in die Kreisstadt Bad Hersfeld. Um 16.15 Uhr kommt sie bei der Klinik an – und damit wohl eine knappe Viertelstunde zu spät. Nieborowsky hat das verletzte Auge mit Kompressen abgedeckt – was die Begrüßung bei der coronabedingten Temperaturmessung am Eingang erklärt, die er schildert. Mit einem „Sie haben etwas am Auge? Da haben sie Pech gehabt.“ sei er empfangen worden. „Da bin ich böse geworden. Das ist ein Krankenhaus und die wollten mir nicht helfen“, sagt der Gilfershäuser.

So ganz stimmt das nicht, man ist zumindest um eine Lösung bemüht. Allerdings ist die Augenklinik nur bis 16 Uhr besetzt (freitags: 13 Uhr). Statt einer Untersuchung bekommt er daher zunächst den Tipp, es in Kassel zu versuchen. Als er sich damit nicht zufriedengeben will, wird er an das Ärztliche Versorgungszentrum direkt am Klinikum verwiesen. Nach länglichen Gesprächen, einem Anruf beim ärztlichen Bereitschaftsdienst und mehr als einer Stunde mit pochenden Schmerzen wird Norman Nieborowsky im MVZ im Kurpark geholfen. Der Arzt erklärt ihm, er habe Kratzer auf der Hornhaut davongetragen, die ihn noch eine Woche beschäftigen werden. Dann bekommt er eine Salbe und wird nach Hause geschickt.

Das sagt das Klinikum

Den Ärger über die Umstrukturierung kann Geschäftsführer Rolf Weigel verstehen: „Wir hatten ein tolles Angebot, das es so nicht mehr gibt. Das empfindet man als Verlust. Aber das sind die Vorgaben der Politik: keine Refinanzierung von Vorhaltekosten, sondern nur bei Inanspruchnahme der Leistungen.“ Tatsächlich würden mehr als 90 Prozent der Augenbehandlungen ambulant abgewickelt. „Für die restlichen zehn Prozent ist niemand bereit, die stationären Kosten zu übernehmen“, so Weigel. „Wir hätten uns das anders gewünscht. Aber das sind die Vorgaben von Politik und Krankenkassen.“ 

Für die Hilfe ist er dankbar. Aber: „Es ist eine Frechheit, dass es so lange dauert, bis man sie bekommt.“ Bisher habe er es stets so gehalten, dass er auf den Krankenwagen verzichtet, solange kein Blut fließt. „Es ist aber kein Wunder, dass viele bei sämtlichen Vorfällen den Notarzt rufen. Man hätte wenigstens im Klinikum einen Arzt holen können“, kritisiert der Gilfershäuser. Wenn sich der Radikalumbau im Klinikum bei der Augenklinik derart bemerkbar mache, „was ist dann noch alles runtergewirtschaftet worden?“ (Clemens Herwig)

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