90 Jahre FC Heinebach

FC Heinebach: Ältestes Mitglied bleibt aus Angst vor Aufregung dem Spielfeld fern

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Er war das Kopfballungeheuer: Karl Sandrock beim Mannschaftsfoto nach gewonnener Meisterschaft 1957 (oben, zweite Reihe Mitte).

Heinebach. 90 Jahre hat der FC 1928 Heinebach auf dem Buckel: Am heutigen Samstag feiert der Fußballklub den runden Geburtstag im Haus der Generationen in Heinbach.

Karl Sandrock hat den Großteil der Heinebacher Vereinsgeschichte miterlebt – lange als Spieler, dann auf sämtlichen Positionen, die das Vereinsleben so zu bieten hat. Er ist seit 70 Jahren dabei und damit das älteste Vereinsmitglied. Der FC Heinebach ist für den 82-Jährigen eine Herzensangelegenheit – obwohl gerade ein Herzfehler daran schuld ist, dass Sandrock schon lange nicht mehr in der Nähe eines Fußballplatzes gewesen ist.

Karl Sandrock: Zurück an alter Wirkstätte, der Günther-Klose-Sportanlage in Heinebach, vor wenigen Tagen.

„Ich gehe nicht mehr dahin, wo ich mich aufrege“, sagt Karl Sandrock. Seit mehr als 30 Jahren hat er mit einem angeborenen Herzfehler zu kämpfen, hatte mehrere Schlaganfälle. Fußball ist für den 82-Jährigen eine Leidenschaft, aber eben auch viel Emotion. Zu viel, als dass er seine Gesundheit beim Zugucken am Spielfeldrand gefährden würde.

Aber den Verein verlassen? Für Karl Sandrock kein Thema. „Für mich ist das selbstverständlich, dass man nach all der Zeit dabeibleibt“, sagt er. Im Jahr 1947, mit zwölf Jahren, trat er dem FC Heinebach bei, der nach den Kriegswirren gerade wieder seinen ursprünglichen Namen angenommen hatte. „Ich habe nur noch Fußball gespielt.“

Mittelstürmer mit viel Sprungkraft

Bis in die 70er-Jahre wirbelte Sandrock zunächst als Mittelstürmer und dann als Mittelläufer – also als letzter Mann – auf dem Platz. Sein Markenzeichen: die Sprungkraft. Sie machte den 1,67 Meter großen Spieler kopfballstark – „und ich war schnell“, erinnert sich der 82-Jährige. „Meine Familie musste richtig leiden, weil ich nur auf dem Platz war“, sagt er mit einemverlegenen Lächeln.

Auch neben dem Platz gab es viel zu tun: „Wir mussten die Trikots selbst kaufen“, sagt Karl Sandrock. Mit Kirmes- und Faschingsveranstaltungen wurde das nötige Geld organisiert. Mit zunehmendem Alter kam Verantwortung für mehr als nur Trikots hinzu: Vorsitzender, Obmann, Kassenwart – der Verein rief, Sandrock war zur Stelle. Der gelernte technische Großhandelskaufmann arbeitete in der Raiffeisenbank Heinebach, an Kontakten mangelte es nie. Sandrock, der Organisator.

Rasenmähen mit vier privaten Mähern den ganzen Samstag

1985 begann der schleichende Rückzug aus dem Vereinsleben. Das Herz machte zunehmend Probleme. An Spielen war schon lange nicht mehr zu denken, nun wurden die Besuche am Spielfeldrand auch weniger.

Heute hat er seine Heinebacher schon lange nicht mehr kicken sehen – obwohl die Günther-Klose-Sportanlage in Blickweite zu seinem Haus liegt. Für ein Foto geht es zurück an die alte Spielstätte. Karl Sandrock steht auf dem Rasen, der für ihn früher die Welt bedeutete. Kritisch inspiziert er das Spielfeld, das unter dem kalten Frühlingsanfang gelitten hat. Und erzählt, wie in den 60-ern das Gras gemäht wurde: „Mit dem Privatmäher, vier Mann waren den ganzen Samstag beschäftigt.“

Quelle: HNA

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