Corona als Chance

ADFC fordert zu Investitionen in Radwege in Hersfeld-Rotenburg auf

Martin Engel, ADFC Kreisverband Hersfeld-Rotenburg/Schwalm-Eder aus Kathus, 59 Jahre, Radwege-Experte an einer Gefahrenstelle im Landkreis bei Schenksolz - Holz bei Nässe rutschig wie Schmierseife
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Martin Engel, Vorsitzender des Kreisverbands Hersfeld-Rotenburg/Schwalm-Eder aus Kathus, 59 Jahre, an einer Gefahrenstelle bei Schenksolz, einem Ortsteil von Schenklengsfeld. Das Holz ist bei Nässe rutschig wie Schmierseife.

Während in Großstädten wie Berlin und München der Zunahme des Radverkehrs in Corona-Zeiten durch sogenannte Pop-up-Radfahrstreifen Rechnung getragen wird, fordert auch der ADFC-Kreisverband die Kommunen im Landkreis auf, ihre Investitionen ins heimische Radwegenetz gezielt zu verstärken.

„Die Corona-Pandemie mit all ihren Beschränkungen im Alltag verändert offensichtlich die Gewohnheiten vieler Menschen – dazu zählt auch die Wahl des Fahrrads oder Pedelecs (E-Bikes) als Verkehrsmittel für die Wege in Alltag und Freizeit“, sagt Ulrich Wüstenhagen, Vorsitzender des Kreisverbands Hersfeld-Rotenburg/Schwalm-Eder im Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC).

In dieser Wieder-Entdeckung des Radfahrens sieht auch Martin Engel vom ADFC-Kreisvorstand eine Chance für den Radverkehr. Doch während in den ersten Wochen des Corona-Lockdowns die Zahl der Autos auf den Straßen drastisch gesunken war und man mit dem Fahrrad weitgehend entspannt unterwegs sein konnte, sei diese Schonzeit für Radler schon wieder vorbei. „Und damit werden die vielen bestehenden Lücken in der Infrastruktur für Radfahrer wieder schmerzlich erlebbar“, sagt Engel. Der Radverkehr spiele sich im Landkreis – verglichen mit den Großstädten – natürlich noch auf einem recht niedrigen Niveau ab. Daran gemessen sei die Radwege-Situation im Landkreis grundsätzlich recht gut, „aber es gibt viele Stellen, an denen Verbesserungsbedarf besteht“, sagt Engel.

Der ADFC sei in Sorge, dass Bund, Länder, Landkreise und Kommunen aufgrund der finanziellen Belastungen in Folge der Corona-Krise die bisher schon eher geringe Förderung des Radverkehrs weiter herunterfahren oder gar komplett einstellen könnten. Das Land Hessen habe zwar erfreulicherweise ein klares Signal für eine verstärkte Förderung des Radverkehrs gegeben – da zahlreiche Projekte jedoch in den Kommunen geplant und umgesetzt werden müssten, bleibe abzuwarten, in welchem Umfang das Fördergeld dann auch tatsächlich abgerufen werde.

In der aktuell deutlich spürbaren Zunahme des Radverkehrs sieht der Kreisverband Hersfeld-Rotenburg/Schwalm-Eder im Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) eine der wenigen positiven Folgen der Corona-Krise. Die Fahrradhändler verkaufen mehr neue Räder – insbesondere Pedelecs mit einem Elektromotor bis 25 km/h unterstützte Fahrräder seien sehr beliebt. Um diesen Trend hin zu einem veränderten Mobilitätsverhalten zu unterstützen, muss laut ADFC auch im ländlichen Raum die Rad-Infrastruktur schnell verbessert werden. 

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