Halbe Stunde mehr für „Atempause“

Abi mit Maske: Prüfungsstart für zweiten Corona-Jahrgang in Hersfeld-Rotenburg

Abitur in Zeiten von Corona: Der Hessische Kultusminister geht davon aus, dass die Prüfungen stattfinden. (Symbolbild)
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Bereits zum zweiten Mal finden die Abiturprüfungen unter Corona-Bedingungen statt. Eine Testpflicht besteht für die Schülerinnen und Schüler nicht. (Symbolbild)

In Hessen startet mit den schriftlichen Prüfungen in Chemie das Abitur. Auch 362 junge Frauen und Männer aus Hersfeld-Rotenburg treten in diesem Frühjahr an.

Hersfeld-Rotenburg – 23 Schülerinnen und Schüler aus dem Landkreis machen ihr Abi in Nachbarkreisen, davon 21 im thüringischen Gerstungen und zwei in Sontra. Damit wird es zum zweiten Mal ein Abitur unter Corona-Bedingungen geben. Für die Prüflinge besteht aber keine Testpflicht. Wer frisch getestet ist, muss während der Klausur keine Maske tragen – sollte es aber möglichst dennoch tun.

Insgesamt bekommen die Schülerinnen und Schüler eine halbe Stunde mehr Zeit, um unter Aufsicht „Atempause“ von der Maske machen zu können. Für die Schulen bedeutet das einen erhöhten Planungs- und Aufsichtsaufwand, erklärt Karsten Backhaus, Leiter der Modellschule Obersberg in Bad Hersfeld, an der 176 Schülerinnen und Schüler in die Prüfungen starten.

Beim Staatlichen Schulamt in Bebra ist man sicher, dass die Schulen gute Vorkehrungen getroffen haben, um alle Regeln einzuhalten, erklärt der stellvertretende Leiter und zuständige Dezernent Jürgen Krompholz. Die Lehrkräfte hätten es auch verstanden, die Schülerinnen und Schüler in der schwierigen Zeit zu stabilisieren.

So verteilen sich die Abiturienten auf die Schulen in Hersfeld-Rotenburg

Die Abiturienten im Landkreis verteilen sich wie folgt auf die Schulen: 176 Modellschule Obersberg, 66 Jakob-Grimm-Schule Rotenburg, 49 Berufliches Gymnasium in Bebra, 48 Werratalschule Heringen. Im thüringischen Gerstungen beginnen die Prüfungen für insgesamt 65 Abiturienten im Mai, an der Adam-von-Trott-Schule in Sontra machen 24 Schüler Abitur. Hessenweit sind es 23 500 an 269 Schulen.

Für die Klausuren gelten ohnehin strenge Abstandsregelungen zwischen den Prüflingen. Diese sind zur Pandemie noch verstärkt worden. Die Schulen nutzen unter anderem ihre Aulas und Doppelklassenräume für die Klausuren, berichten zum Beispiel Ivonne Buchenau, die Leiterin der Beruflichen Schulen in Bebra und somit des Beruflichen Gymnasiums, und Jörg Morge, Studienleiter der Werratalschule in Heringen. Große Prüfungsgruppen werden demnach geteilt.

Die Abiturienten waren von den Schulschließungen überwiegend ausgenommen und konnten sich weitestgehend im Präsenzunterricht auf ihre Prüfungen vorbereiten. Deshalb gibt es nach Einschätzung von Schulleitungen und Schulaufsicht auch keinen qualitativen Unterschied zu Abiturprüfungen in früheren Jahren.

Dennoch gilt den jungen Leuten das Mitgefühl der Lehrkräfte, weil sie sich neben dem Unterricht in weitestgehender Isolation vorbereiten mussten, soziale Kontakte fehlten und zum Beispiel Lernen in der Gruppe nicht möglich war. „Ich habe größten Respekt vor diesem Jahrgang“, sagt Schulleiter Backhaus.

Schüler leiden unter der langen Pandemiedauer

Die Qualifizierungsphase für das Abitur, die „Q-Phase“, läuft über vier Schulhalbjahre und macht den Zeitraum aus, in dem bereits Punkte für einen guten Notendurchschnitt gesammelt werden. Die Q-Phase ist aber unter normalen Umständen auch die Zeit, in der die jungen Menschen viel Zeit miteinander verbringen, feiern und durch vielseitige Aktionen Geld für den Abi-Ball sammeln.

Feiern? Abiball? Vorbereitung auf einen Auslandsaufenthalt nach der Schulzeit? Auch für diesen Abiturjahrgang gestaltet sich die Corona-Pandemie zum Zerstörer vieler Träume. „Ich habe schon das Gefühl, dass die Schülerinnen und Schüler unter der langen Dauer der Pandemie leiden“, sagt die Leiterin der Rotenburger Jakob-Grimm-Schule, Sabine Amlung. „Die fehlenden sozialen Kontakte haben doch einige in ein tiefes Loch stürzen lassen“, befürchtet sie.

Mit ihrer Einschätzung steht sie nicht allein. Auch andere Schul- beziehungsweise Studienleiter haben registriert, dass den Schülerinnen und Schülern die sozialen Kontakte schmerzhaft fehlen. „Wenn alles nur noch auf Distanz läuft, auch später die Uni, wenn prägende Auslandserfahrungen wegfallen, ist das auch für die persönliche Entwicklung von jungen Menschen problematisch“, sagt Karsten Backhaus, Leiter der Modellschule Obersberg.

Furcht vor Corona-Infektion ist eine zusätzliche Belastung

Belastend war außerdem die Furcht vor einer Infektion, berichten zum Beispiel Ivonne Buchenau von den Beruflichen Schulen und Studienleiter Jörg Morge von der Werratalschule. Die Zahlen im Landkreis hätten dazu geführt, dass die Abiturienten schon vor den Osterferien Angst hatten, sich anzustecken und wegen einer Erkrankung oder einer Quarantäne nicht an den Prüfungen teilnehmen zu können. Entsprechend hätten sich die Abiturienten weitestgehend diszipliniert an die Hygieneregeln gehalten, sagt Morge.

Dass die das Abitur 2021 genauso wertig ist wie die Abschlüsse in den Jahren zuvor, steht für keinen Verantwortlichen der Schulen infrage. Die Anforderungen seien die gleichen wie in den Vorjahren, ist Studienleiter Morge sicher. Auch die Vorbereitung sei reibungslos verlaufen. „Durch den vom Land Hessen angeordneten verstärkten Präsenzunterricht in den Leistungskursen und den Pflichtprüfungsfächern Mathematik und Deutsch nach dem Frühjahrs-Lockdown im vergangenen Schuljahr konnten eventuelle Defizite weitestgehend aufgeholt werden oder sind gar nicht erst entstanden. Seitdem wurde die Q3/4 als Abschlussklasse nahezu durchgängig in Präsenz beschult“, sagt Morge. Am Beruflichen Gymnasium in Bebra wurden zudem in den Ferien noch Videochat-Sprechstunden für die Schüler angeboten. (Silke Schäfer-Marg)

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