Ehemann unter Verdacht

Lispenhäuser sind nach tragischem Todesfall entsetzt und fassungslos

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Trauer und Anteilnahme: Vor dem Wohnhaus der toten Mutter im Rotenburger Stadtteil Lispenhausen stehen Kerzen, Blumen und Fotos. Nachbarn sind fassungslos.

Lispenhausen. In Lispenhausen herrscht nach den jüngsten Entwicklungen im Fall des gewaltsamen Todes einer 33-jährigen Lispenhäuserin Entsetzen und Fassungslosigkeit.

An der Ecke des Fachwerkhauses steht ein Grablicht, rote Rosen, eine gelbe Gerbera und eine kleine Sonnenblume liegen auf dem Pflaster. Am Fallrohr hängt ein Kranz und ein Foto steckt dahinter. Sonst ist es friedlich gestern Mittag am Haus in der Nähe des Bahndamms in Lispenhausen. In den Gärten zwitschern Vögel und der Herbstwind treibt die Blätter vor sich her. Mehrere Kamerateams, die Polizei und andere Medien sind schon am Vormittag da gewesen.

Wenige Häuser weiter beobachtet eine Frau von ihrem Balkon aus, was sich dort tut, wo in der vergangenen Woche nach einem Brand eine 33-Jährige tot aufgefunden worden ist. Gegenüber schaut eine junge Frau nach dem Briefkasten am Gartenzaun. Schlimm sei das, was da passiert ist, sagt sie. Ihre kleine Schwester geht mit der Tochter der Toten in eine Klasse. Ob sie vorher etwas bemerkt hat? Gab es Streit in der Familie? Nein, sagt sie, bemerkt hat sie nichts, obwohl sie von ihrem Küchenfenster direkt auf das Haus sehen kann. Man könne den Leuten ja nicht in den Kopf gucken. Vor allem für die Kinder tut es ihr leid. „Tragisch“, sagt auch eine Lispenhäuserin, die mit dem Auto vorfährt und Nachbarn der Getöteten besucht.

Die Fenster am Brandhaus sind gekippt, die Rolläden hängen unterschiedlich hoch. Im Erdgeschoss, also da, wo die Frau gewohnt hat, ist vor einem Fenster eine große Spanplatte befestigt. Im Haus direkt gegenüber sitzt ein junger Mann auf der Treppe. Auch er hat nichts mitbekommen, erzählt er. Als es vergangene Woche gebrannt hat, saß er in der Badewanne.

Die meisten Menschen in der Nachbarschaft haben schon gehört, dass der Ehemann der Toten unter Verdacht steht. „Ich kann nur sagen, dass ich darüber sehr traurig bin“, meint ein Passant. „Das ist ganz schrecklich.“ Mehr möchte auch er nicht sagen.

Viel mehr sagen kann auch die Polizei derzeit nicht – aus ermittlungstaktischen Gründen. Die Wohnung der Toten ist weiter beschlagnahmt. Gestern war die Spurensicherung nochmal da, unter anderem mit einem speziell ausgebildeten Spürhund. „Wir suchen nach weiteren Puzzleteilen, damit sich ein zusammenhängendes Bild ergibt“, sagt Polizeisprecher Manfred Knoch, der noch keine Angaben zur Brandursache machen kann.

Fest steht: Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Fulda ist der von der Frau getrennt lebende Ehemann (36) verhaftet worden. Ihm wird Totschlag und schwere Brandstiftung vorgeworfen.

Sturz aus dem Fenster

Bei der Vernehmung am Donnerstag gegen 13.10 Uhr müssen sich dramatische Szenen in der Bad Hersfelder Polizeidirektion abgespielt haben: Der Tatverdächtige sprang nach Polizeiangaben aus dem zweiten Stock und stürzte erst in einen Baum, dann weiter auf die umzäunte Rasenfläche. Der Mann liegt mittlerweile mit zwei gebrochenen Lendenwirbeln in einer Spezialklinik. Wieso er überhaupt aus dem Fenster springen konnte – dazu ermittelt jetzt die Kriminalpolizei Fulda.

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