Werratal unter Wasser

Reichlich Schmelzwasser aus dem Thüringer Wald bescherte am Wochenende auch dem waldhessischen Teil des Werratals Hochwasser und hielt die Feuerwehren der Gemeinde Philippsthal sowie der Stadt Heringen in Atem.

An der Brücke der Einheit zwischen Philippsthal und Vacha präsentierte sich das Werratal als eine große Seenlandschaft. Die Bögen der alten Sandsteinbrücke waren teilweise ganz unter der Wasseroberfläche verschwunden. Schon am Samstagmittag war dort die Hochwassermarke von 2,84 Metern aus dem Jahre 1994 vom Wasser überspült. Im Philippsthaler Weidenhain reichte das Wasser bis an die Häuser heran. Am überfluteten Radweg rief ein qualmender Stromkasten die Feuerwehr auf den Plan. Aus der ehemaligen Dreschhalle, die vom Philippsthaler Reiterverein als Stallgebäude genutzt wird, brachten die Vereinsmitglieder die Pferde sicherheitshalber in höher gelegene Bereiche. Die Feuerwehr sicherte das Gebäude mit Sandsäcken. Weiter Flussabwärts standen Teile des Schlossparks, der Parkstraße, die Liegewiese des Schwimmbades und die Tennisplätze unter Wasser. In den Betriebsgebäuden des Schwimmbades liefen die Hochwasserpumpen.

Zwischen Heimboldshausen und Harnrode versuchten am Samstag auf der überfluteten und gesperrten Landesstraße zwei Autofahrer dennoch ihr Glück. Ihre Fahrzeuge blieben liegen und wurden von der Feuerwehr und Abschleppdiensten aus ihrer misslichen Lage befreit. Zusätzlich musste an dieser Stelle eine Ölspur beseitigt werden. Die Pegelmessstelle in Heimboldshausen verzeichnete zwischen 16 und 17.45 Uhr am Samstag mit 4,53 den höchsten Wasserstand. Auch in Heringen glich die Werraaue das ganze Wochenende über einem einzigen See. Besonders vom Hochwasser betroffen waren die tiefer gelegenen Teile der Kernstadt sowie der Stadtteil Widdershausen. Vom Samstagvormittag bis nach Mitternacht seien die Mitglieder der Heringer Feuerwehren im Einsatz gewesen, berichte Stadtbrandinspektor Hans-Jürgen Pfromm.

Hochwassersituation an der Werra

An insgesamt 16 Einsatzstellen, zwei davon in Widdershausen, mussten die Wehrleute Keller auspumpen oder Gebäude mit zusätzlichen Sandsäcken schützen. Bereits am frühen Sonntagmorgen rückten die Einsatzkräfte der Werrastadt erneut zu vollgelaufenen Kellern aus, um etwa Öltanks zu sichern. Angesichts langsam sinkender Pegelstände äußerte Pfromm gestern jedoch die Hoffnung, dass sich die Situation langsam entspanne. Insgesamt, so der Stadtbrandispektor sei man noch glimpflich davongekommen. Auf viele Bewohner, die selbst nicht unmittelbar vom Hochwasser betroffen waren, übte das Naturschauspiel sogar eine gewisse Faszination aus. So pilgerten die Menschen in an vielen Stellen in Schaaren, „bewaffnet“ mit Fotoapparaten, zu den überfluteten Flächen. (jce)

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