Appell: Missstände melden

Verwahrloste Dogge in Heringen: Tiernothilfe Rotenburg setzte sich ein

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Kämpft für das Wohl der Tiere: Erika Frobel ist eine von zahlreichen Ehrenamtlichen im Landkreis. Auch ihr eigener Hund kommt aus einem Tierheim.

Es war ein Fall, der selbst die erfahrene Tiernothelferin Erika Frobel  aus Lispenhausen emotional nicht kalt ließ.

Über Wochen hinweg kämpfte die Tiernothilfe Rotenburg darum, dass einem Mann im östlichen Teil des Landkreises, der aus gesundheitlichen Grünen kaum auf sich selbst Acht geben kann, seine verwahrloste und abgemagerte Dogge abgenommen wurde.

Nun ist der Hund im Tierheim in Bad Hersfeld aufgepäppelt worden und hat einen neuen Besitzer gefunden. Für die Vorsitzende des Rotenburger Vereins ist der Fall Anlass für einen Appell: „Wenn Tiere nicht artgerecht gehalten werden, sind wir – aber auch die Tiere – darauf angewiesen, dass Nachbarn und Bekannte das Problem ansprechen“, sagt die 65-jährige Lispenhäuserin. Häufig haben die Menschen dabei Hemmungen. Die Rentnerin betont in diesem Zusammenhang auch, dass es nicht um Nachbarschaftsstreits gehe oder darum, dass sich jemand ärgert, weil ein Hund mal zu laut bellt. „Es muss einen triftigen Grund geben, einen groben Verstoß gegen das Tierwohl.“ Wenn ein solcher vorliege, müsse auch gehandelt werden.

Sie kümmerten sich um die Dogge: Die Tierheim-Mitarbeiter Christiane Reuter (links) und Toni Zabel mit Erika Frobel. 

Im konkreten Fall streifte die taube Dogge oft alleine durch den Ort – dass sie nicht vernünftig ernährt wird, war offensichtlich. Doch als die Ehrenamtlichen der Tiernothilfe auf den Halter zugingen, erlebten sie das, was sie fast immer erleben: Die Menschen wollen ihre Tiere nicht abgeben. Auch wenn sie nicht in der Lage sind, sich um sie zu kümmern. Häufig geht es auch um menschlich schwierige Schicksale. „Wer in seinem Leben wenig Liebe hat, möchte die dann oft von einem Haustier bekommen. Da müssen wir immer sehr freundlich sein und viel Überzeugungsarbeit leisten“, sagt Frobel.

Und wenn die Überzeugungsarbeit erfolgreich war, sind die Probleme noch nicht zu Ende. Katzen kann die Tiernothilfe zwar vorübergehend aufnehmen. Bei Hunden ist aber in der Regel der Aufwand zu groß. Denn wer für die Kosten für Tierheim und Tierarzt aufkommt, die schnell einmal mehrere 100 Euro betragen, ist oft unklar. Der Halter? Das Veterinäramt? Das Ordnungsamt? Doch unabhängig davon: Wer bei schwerwiegenden Fällen die Tiernothilfe Rotenburg (oder etwa den Tierschutzverein Rotenburg, die Pfötchen-Engel Friedewald und die Hilfe für Tiere in Not Oberaula) kontaktiert, macht alles richtig. Menschen wie Erika Frobel kämpfen für das Wohl der Tiere und haben Erfahrung und Durchsetzungsvermögen. „Ich rede Tacheles“, sagt Frobel.

Die Vereine sind auch untereinander bestens vernetzt – bei Fundtieren ist oft innerhalb weniger Stunden oder gar Minuten der Besitzer gefunden. WhatsApp und Facebook sei Dank. Doch so sehr wie das Internet den Ehrenamtlichen an dieser Stelle hilft, ist es laut Erika Frobel auch ein Problem. Über das Internet kann man heutzutage viel leichter als früher Tiere kaufen – auch seltene, deren Haltung sehr aufwändig oder gar verboten ist. „Es ist auf jeden Fall so, dass es heute deutlich mehr Probleme mit der Tierhaltung gibt als früher“, sagt die Vorsitzende, die seit 20 Jahren im Verein dabei ist.

Das A und O sei, insbesondere bei Katzen, die Kastrierung. Einige Tierhalter könnten sich den Tierarztbesuch aber gar nicht leisten. In bestimmten Fällen hilft auch dabei die Tiernothilfe. Das Geld müssen die Halter zwar eigentlich zurückzahlen – trotzdem sind die Vereine auf Spenden angewiesen.

Kontakt: Erika Frobel, Tel. 01575/55 80 928, tiernothilfe-rotenburg.de

Veterinäramt kann Tierhaltungsverbot verfügen

Wenn Besitzer ihre Tiere nicht artegerecht halten und trotzdem nicht abgeben wollen, kann das Veterinäramt das verfügen. Wird das Amt informiert, kontrolliert es die Haltung der Tiere. „Wenn Verstöße festgestellt werden, werden Anordnungen getroffen“, sagt Fachdienstleiter Dr. Thomas Berge. Die Mitarbeiter dokumentieren die Missstände. 

Dann werden den Tierbesitzern Fristen gesetzt und es gibt erneute Kontrollen. „Wenn es keine Aussicht auf Besserung gibt, können wir ein Tierhaltungs- und Betreuungsverbot verfügen, das bundesweit gilt.“ Für die Kosten für Tierärzte und Unterbringung im Tierheim, aber auch für die Kontrollen des Veterinäramtes, müssen die Besitzer aufkommen. Wenn sie das nicht können, zahlt der Steuerzahler. Geht es nicht um artgerechte Haltung, sondern um eine Gefahr für die Öffentlichkeit – etwa bei bissigen Hunden –, ist das Ordnungsamt zuständig. Berge lobt die Zusammenarbeit mit Tierschutzvereinen und dem Hersfelder Tierheim: „Das ist ein Geben und Nehmen, was beiden Seiten hilft.“

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