Ministerpräsident Bodo Ramelow spricht mit Aktionsbündnis

Salzabwässer: Entlastung für die Werra? K+S will Grube Springen in Thüringen fluten

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Kali- und Salz-Werk an der Werra bei Heringen.

Der Düngemittelhersteller K+S will die stillgelegte Kaligrube Springen in Thüringen mit Salzabwässern fluten. Das wurde bei einer Pressekonferenz in Heringen bekannt.

Durch die Einstapelung – so der Fachbegriff für dieses Vorhaben – müssten in absehbarer Zeit keine flüssigen Produktionsrückstände mehr in die Werra eingeleitet werden, erklärte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) bei einer Pressekonferenz im Heringer Rathaus. Ramelow hatte sich dort zu einem Gespräch mit Vertretern des Aktionsbündnisses K+S getroffen, zu dem sich die Bürgermeister der Standortkommunen und Betriebsräte des Unternehmens zusammengeschlossen haben. 

Neben K+S sowie Hessen und Thüringen sieht Ramelow auch den Bund in der Pflicht, sich an den Kosten von 500 bis 700 Millionen Euro zu beteiligen. Dabei geht es um einen Anteil für die Sicherung des stillgelegten Bergwerks als Altlast aus der DDR-Zeit: Durch das Auffüllen mit hochgesättigter Salzlösung sollen auch die bislang unkontrollierten Wassereinbrüche gestoppt werden.

Versenkung ist ein technisch anspruchsvolles Verfahren

Die Einstapelung sei ein technisch anspruchsvolles Verfahren: Die flüssigen Rückstände müssen vorher aufbereitet werden, sodass eine hochgesättigte Lösung entsteht, damit das als Sicherheitspfeiler verbliebene Salzgebirge nicht aufgelöst wird. 

Dazu sei der Bau einer zweiten Kainitkristallisations- und Flotationsanlage (KKF) notwendig. Die erste, Anfang 2018 in Betrieb genommene Aufbereitungsanlage* dieser Art war mit Kosten von rund 185 Millionen Euro die bislang größte Einzelinvestition des Unternehmens in den Gewässerschutz, wie hersfelder-zeitung.de berichtet.

Grube Springen soll die Produktionsabwässer von K+S für 40 Jahre fassen

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (dritter von links) im Gespräch mit Hohenrodas erstem Beigeordneten Stefan Kümmel, Philippsthals Bürgermeister Ralf Orth, Heringens Bürgermeister Daniel Iliev, K+S-Betriebsratsvorssitzender André Bahn, K+S-Betriebsrat Stefan Böck und Unterbreizbachs Bürgermeister Roland Ernst.

Die Grube Springen soll die Produktionsabwässer der nächsten 40 Jahre fassen – dann endet voraussichtlich der Kalibergbau, weil das Rohstoffvorkommen erschöpft ist. Angepeilter Start ist offenbar 2021/2022 – dann nämlich fällt die Versenkung salzhaltiger Abwässer in die Gesteinsschicht Plattendolomit als Entsorgungsweg weg.

Den Mitarbeitern biete sich damit eine sichere Perspektive, betonte der Betriebsratsvorsitzende des Werks Werra, André Bahn. Bei den Halden-Abwässern, die weiterhin im Fluss entsorgt werden, setzt Bodo Ramelow auf eine weitere Reduzierung – etwa durch die geplante Abdeckung. 

Hintergrund: Springen im Wartburgkreis

Springen (heute Stadtteil von Bad Salzungen) hat 130 Einwohner und liegt östlich von Heringen im Wartburgkreis. Ab 1909 wurden dort drei Schächte geteuft und ein Kaliwerk errichtet. Mit der politischen Wende endete der Bergbau. 

Im Oktober 2007 wurde befristet die vorübergehende Einlagerung von 500 000 Kubikmetern Kalilauge genehmigt. 2016 erhielt K+S erneut die Genehmigung, dort 200 000 Kubikmetern Prozessabwässer zwischenzuspeichern.

*hersfelder-zeitung.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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